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Volltext: 65, 1937

154 Annalen der Hydrographie und Maritimen Mleteorologie, Oktober 1937, 
Im März und April folgt der allmähliche Abbau der extremen Druckverteilung. 
Hierbei zeigt die positive Druckanomalie, deren Kern sich im Dezember westlich 
von England gebildet hat, eine ganz erstaunliche Erhaltungstendenz, dieser Kern 
liegt im Jänner nördlich von Island, im Februar über Finnland, im März neuer- 
lich über England und im April wieder bei Islarıd, Die Intensität dieses relativen 
Hochdruckes, ausgedrückt durch die Anomalie in ihrem Kerne, nimmt vom 
Dezember (5 mb) auf 20 mb im Jänner und 25 mb im Februar zu und schwächt 
sich dann wieder auf 15 mb im März und 10 mb im April ab, 
Es ist naheliegend, in diesem Kerne positiver Druckanomalie den äußeren 
Anlaß zur lange anhaltenden Abschwächung der allgemeinen Zirkulation zu 
sehen, wenn auch über die inneren Zusammenhänge noch sehr wenig ausgesagt 
werden kann, Soviel scheint sicher zu sein, daß es sich um ein stratosphärisches 
Hochdruckgebiet handelt, denn im Jänner und Februar fällt hoher Polardruck 
mit relativ hoher Bodentemperatur, dagegen in einem Gürtel in etwa 40° Breite im 
Durchschnitt unternormaler Druck mit unternormaler Bodentemperatur zusamınen, 
Wenn auch naturgemäß das erwähnte Hoch nicht auf jeder Tageswetterkarte 
aufscheint, so ist es doch sehr wahrscheinlich, daß in den hohen Luftsechichten 
dieses Gebietes wenigstens eine Tendenz zur Erhaltung hohen Druckes, also 
günstige Ausstrahlungsbedingungen und infolge einer absinkenden Luftbewegung 
geringe Wärmezufuhren von der Erdoberfläche her dauernd vorhanden waren. 
Für den Februar hat eine Untersuchung von R. Mügge!) bereits den Beweis 
für die Existenz eines solchen stratosphärischen Hochdruckgebietes erbracht: 
Während des ganzen Monats bestand eine Steuerung der Isallobarengebilde um 
den Kern dieses fast unbeweglichen Hochs im Sinne des Uhrzeigers, 
Fragt man nach den primären Ursachen dieser mächtigen Schwankung der 
allgemeinen Zirkulation, so könnten diese entweder in einer entsprechenden 
Änderung der Energiezufuhr gefunden werden oder — was viel wahrscheinlicher 
ist — lediglich dadurch bedingt sein, daß die Intensität der Zirkulation im Sinne 
A, Defants um eine Gleichgewichtslage hin und her pendelt und in der unter- 
suchten Zeit einen ungewöhnlich großen Ausschlag nach der einen Seite aufzu- 
weisen hatte, Denn die extremen Verhältnisse des Februars haben sich nicht 
während des Winterhalbjahres allmählich aus einer Gleichgewichtslage aufgebaut, 
sondern sind aus einer noch im November vorherrschenden Lage entschiedener 
Verstärkung der allgemeinen Zirkulation entstanden, Eine entsprechende Ände- 
rung der Energiezufuhr ist — im Gegensatz zu den allmählich verlaufenden 
säkularen Schwankungen — deshalb wenig wahrscheinlich, weil Änderungen in 
der Durchlässigkeit der Atmosphäre (etwa durch Lockerausbrüche von Vulkanen) 
nicht so rasch abklingen und weil es andererseits nach den bisherigen Unter- 
suchungen mehr als zweifelhaft erscheint, daß etwaige kurzfristige Schwankungen 
der Solarkonstante so groß sind, daß sie einen so auffälligen Einfluß auf 
Schwankungen der allgemeinen Zirkulation ausüben könnten. 
Inwieweit man berechtigt ist, auf Grund der Erhaltungstendenz der Groß- 
wetterlage von der durchschnittlichen Witterung eines Monats auf die des 
nächsten zu schließen, läßt sich natürlich an Hand dieses einen Winters schwer 
beurteilen: Im Jänner ist die Abschwächung der allgemeinen Zirkulation so 
kräftig und so einheitlich ausgesprochen, daß allerdings die Annahme einer 
arheblichen Erhaltungstendenz naheläge. Warum sich aber der Schwerpunkt 
abgeschwächter Zirkulation im Februar so weit nach E verlagert hat, wodurch 
dann gerade für Europa sehr extreme Temperaturen folgten, bleibt unbekannt, 
Ebenso könnte man fragen, ob der Charakter einer verstärkten Zirkulation im 
November sich in der Folgezeit deshalb nicht erhalten hat, weil diese Anomalie 
nach den Bodentemperaturen ihren „Sitz“ in bodennahen Schichten hatte. Über- 
haupt wäre es sowohl für die Wissenschaft wie für die praktische Anwendung 
viel bedeutsamer, die Ursachen solcher Änderungen von einem Monat zum 
nächsten zu erforschen, als einfach die Annahme einer erheblichen Erhaltungs- 
1) R. Mügge, Die stratosphärische Steuerung während der Kälteperiode im Februar 1929. 
Synoptische Bearbeitungen N 1, Wetterdienststelle Frankfurt/Main, 1932,
	        
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