Wagner, A.: Die allgemeine Zirkulation im strengen Winter 1928/29, 453
Der einheitlichen Verteilung der Druckanomalie auf der südlichen Halbkugel
entspricht auch eine nur geringe Abweichung der Temperatur vom Normalwert;
nur an wenigen Stationen werden Abweichungen von mehr als 2° C aufgezeichnet.
Ähnlich wie im Jänner ist auch im Februar der Polardruck hoch trotz
erhöhter Bodentemperatur und ebenso zieht sich in rund 40° N-Br. um die ganze
Nordhalbkugel ein (nur über dem Nordatlantischen Ozean unterbrochener) Gürtel,
in welchem der Druck abgeschwächt ist trotz unternormaler Temperatur.
März. Wohl ist auch noch im März — so wie dies auf Grund der Erhaltungs-
tendenz zu erwarten war — der Druckunterschied Azoren-—Island wie im Februar
unternormal, und ebenso ist über West- und Mitteleuropa südlich des 55, Breitengrads
die Westwind-Strömung abgeschwächt, aber im großen und ganzen hat sich die
Druckverteilung doch wesentlich geändert: Auf dem größten Teile der Nordpolar-
kalotte ist der Druck — im Gegensatz zum Februar — unternormal, je ein Kern
stärkster negativer Abweichung liegt einerseits über Westsibirien, andererseits
über der Nordostküste Nordamerikas und über Westgrönland. Das ausgedehnte
Gebiet positiver Abweichung, das im Februar die Polarkappe bis 50° N-Br. bedeckt
hat, ist auf ein relatives Hoch über West- und Mitteleuropa und auf einen
abgeschwächten Kern positiver Druckanomalie im Bereich der Aleuten zusammen-
geschrumpft,
So sind die meridionalen Druckgradienten zwar in einem Teile des Pazifischen
Ozeans und im Bereich 30° W bis 30° E abgeschwächt, im übrigen Teil der
Westwindzone aber etwas verstärkt. Auch der übrige Teil der Erdoberfläche
— insbesondere die Südhalbkugel — zeigt keine einheitliche Abweichung der
Druckverhältnisse, Die großzügige Abschwächung der allgemeinen Zirkulation,
wie sie im Jänner und Februar die nördliche Halbkugel beherrscht hat, ist
somit bis auf einen kleinen Rest verschwunden und hat sich in einem größeren
Gebiete bereits ins Gegenteil verkehrt.
Die Verteilung der Temperaturanomalie im März ergibt sich ganz ungezwungen
als Effekt einer zusätzlichen Advektion, wie sie durch die Druckanomalie bedingt
ist: In ganz Europa bis zum Ural müssen — mit Ausnahme der westlichsten
Gebiete — Nord- und Nordwestwinde als Zusatzwinde erwartet werden; dem ent-
sprechend ist dieses ganze Gebiet zu kalt, zwei Kerne (Spitzbergen—Novaja Semlia
und Schwarzes Meer) weisen eine negative Temperaturanomalie von mehr als 5°C auf,
Wenn wir die Änderung der Großwetterlage im Winter 1928/29, soweit sich
diese in den Monatskarten ausdrückt, überschauen, so erhalten wir folgendes
Bild: Im Februar 1929 zeigt sich im großen und ganzen auf der ganzen Erd-
dberfläche — vor allem aber auf der nördlichen Halbkugel — in der Druck-
verteilung eine typische Abschwächung der allgemeinen Zirkulation, welche sich
nur in einem Teile des Stillen Ozeans entgegengesetzt verhält, Diese großzügige
Abschwächung hat sich aber nicht allmählich aus einem Gleichgewichtszustand
eantwickelt, vielmehr weist noch im November 1928 die Druckverteilung im
wesentlichen auf eine Verstärkung der allgemeinen Zirkulation hin; die damit
nicht im Einklang stehende Verstärkung des sibirischen Hochs bei unternormalen
Temperaturen beschränkt sich wahrscheinlich nur auf die unteren Luftschichten.
Im Dezember beginnt dann eine völlige Umwandlung der Druckverteilung,
die von einem sich bildenden relativen Hochdruckkern westlich von England
ausgeht. Der Bereich des Stillen Ozeans folgt dieser Umwandlung noch nicht,
vielmehr ist hier die Intensität der allgemeinen Zirkulation gegen November
noch weiter verstärkt und auch im Jänner ist hier die Umbildung vom Stadium
verstärkter Zirkulation in das Gegenteil noch nicht vollzogen.
Erst im Februar zeigt die ganze nördliche Halbkugel — mit Ausnahme eines
kleinen Störungsgebietes in Westgrönland — eine recht einheitliche Abschwächung
der allgemeinen Zirkulation, der Schwerpunkt dieser Abschwächung liegt aber
nicht, wie sonst zumeist, im Nordatlantischen Ozean, sondern weiter im Osten
in einer Länge von etwa 20° bis 30° E; aus der Abweichung des Druckgefälles
Azoren-—Island würde man auf eine nur sehr mäßige Abschwächung der all-
gemeinen Zirkulation schließen. Auf der Südhalbkugel sind die Druckanomalien
nur gering und zeigen keinen einheitlichen Charakter,
Ann. d. Hydr. usw. 1937, Heft X.