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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1937.
Die einheitlich unternormalen Temperaturen von ganz Eurasien (mit Ausnahme
des NE von Asien) und einem großen Teile von Nordamerika sind nur zum Teil
durch eine verstärkte Ausstrahlung zu erklären: Von Island ostwärts bis gegen
die Ostküste Asiens bedingt die Verteilung der Druckanomalie Zusatzwinde aus
N und NE, die aus dem Polarbecken auf den eurasiatischen Kontinent strömen
and die gewiß — trotz der positiven Temperaturanomalie im FPolargebiet —
zumindest in der Höhe relativ kalt sind; ähnliches gilt auch für den mittleren
Teil von Nordamerika, während an der E-Küste Nordamerikas die Zusatzwinde
aus NE relativ warme Luft vom Ozean in den Kontinent hineinbringen. Die
hohen Temperaturen in Grönland sind mit Rücksicht auf das relative Druck-Hoch
vei Island und das relative Tief über den Azoren durch Zusatzwinde aus SE
bedingt, auf der Westküste Grönlands wohl auch durch absteigende Föhnwinde
(Temperaturanomalie über + 15° C). Auch der zweite Kern erhöhter Temperatur,
nämlich im äußersten NW von Amerika, steht im Einklang mit den durch die
Druckverteilung bedingten Zusatzwinden aus S und SE. In niedrigen Breiten,
züdlich des Wendekreises bis über den Äquator hinaus ist die Temperatur über-
normal, im Einklang mit der Vorstellung, daß bei unternormaler Zirkulation
weniger Wärme von den Tropen gegen die Pole abgeführt wird, Auf der
Südhalbkugel (Hochsommer) sind die Temperaturabweichungen nur geringfügig.
Februar. Nachdem im Jänner die allgemeine Zirkulation über einem sehr
großen Teile der Erde einheitlich abgeschwächt erscheint und aus der Temperatur-
verteilung geschlossen werden muß, daß diese Anomalien nicht auf eine seichte
Bodenschicht beschränkt sind, sondern mit der Höhe eher zunehmen, darf erwartet
werden, daß dieser Abschwächung der allgemeinen Zirkulation eine erhebliche
Erhaltungstendenz zukommt. Das ist in der Tat der Fall: Auch im Februar
zeigt die ganze nördliche Polarkalotte übernormalen Druck mit Ausnahme einer
Insel verringerten Druckes mit dem Kern in Westgrönland, an derselben Stelle,
wo bereits im Jänner die positive Druckanomalie wesentlich kleiner war als
östlich und westlich davon. Im Bereiche der Roßbreiten (40 bis 10° N-Br.) herrscht
fast durchwegs unternormaler Druck, in 0° bis 10° N-Br. zieht sich von 30° E
bis etwa 40° W eine schmale Zone erhöhten Druckes hin. Das Druckgefälle ist
also im großen und ganzen sowohl in der Passat-Region wie auch in der Westwind-
Zone und schließlich auch im Gebiete der polaren Ostwinde abgeschwächt.
Auffallend aber und bedeutungsvoll für die Temperaturverhältnisse in Eurasien
ist der Umstand, daß die stärkste Abschwächung der allgemeinen Zirkulation
nicht im Nordatlantischen Ozean zwischen Azoren und Island zum Ausdruck
kommt, sondern weiter im Osten, Der Kern größter positiver Druckanomalie
(> + 25 mb) liegt über Finnland und dementsprechend die stärkste negative
Anomalie in derselben Länge im östlichen Mittelmeer. In Nordamerika ist die
Abschwächung der allgemeinen Zirkulation viel geringer,
Die Temperatur ist zwar im Februar ebenso wie im Jänner in ganz Eurasien
und im größten Teile Nordamerikas unternormal, aber in Eurasien treten
wesentlich stärkere negative Abweichungen auf; hier hat ein großes Gebiet eine
Temperaturabweichung von mehr als — 10°C, während in Nordamerika nur an
wenigen Stationen — 5°C erreicht wird. Die größte negative Temperaturanomalie
tritt in Eurasien gerade dort auf, wo nach der Druckverteilung die stärksten
Zusatzwinde aus E zu erwarten sind, nämlich zwischen Finnland und dem östlichen
Mittelmeer, Dagegen ist der Nordatlantische Ozean, insbesondere Island, Grönland
und Spitzbergen, wo nach der Druckverteilung Zusatzwinde mit Südkomponente
anzunehmen sind, relativ warm. Solche Zusatzwinde aus SE wehen allerdings
auch bereits in NW-Europa, diese sind aber, weil aus dem Innern des Kontinents
kommend, kalt, oder anders ausgedrückt: Durch die Druckverteilung wird den
warmen Westwinden der Zutritt nach NW-Europa erschwert,
Auf der südlichen Halbkugel (Hochsommer) ist die Druckanomalie sehr
gleichmäßig negativ; die ausgedehnte mächtige Luftanhäufung auf der nördlichen
Polarkappe bis in die Breite von etwa 50° wird kompensiert durch ein Defizit
an Luft, dessen Gebiet sich nicht nur auf die niedrigen Breiten der nördlichen
Halbkugel, sondern auch nahezu auf die ganze südliche Halbkugel erstreckt.