„
FE
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1937.
Auf welcher Grundlage eine solche Möglich keit einer Prognose gegeben sein
dürfte, wurde bereits in der zitierten „Anregung“ bei der Besprechung der
Korrelationsmethode zum Zwecke der langfristigen Prognose dargelegt: „Man
stellt fest, ob gegenwärtig die allgemeine Zirkulation übernormal oder unter-
normal ist. .... Auf Grund der Erhaltungstendenz der allgemeinen Zirkulation
kann man annehmen, daß auch in den Folgemonaten die Anomalie der allgemeinen
Zirkulation ihr Vorzeichen behalten wird. ... .“
Um einen Einblick in die Entwicklung der Großwetterlage im Februar 1929
zu erhalten, war es nötig, bis auf den November 1928 zurückzugehen. In den
Weltkarten (Fig. 1 bis 10) sind die Luftdruck- und Temperaturverhältnisse für
die fünf Monate November 1928 bis März 1929 in Abweichungen von den lang-
jährigen Mitteln nach den Angaben des Röseau Mondial dargestellt. Für die
Luftdruckabweichungen gestatteten noch nachträglich die im 2. Band des World
Weather Record (1921 bis 1930) enthaltenen Angaben für einzelne Punkte auf
dem Meere einige Ergänzungen, die aber keine wesentliche Änderung der Linien-
führung bedingten,
Bei der Besprechung dieser Anomalien ergeben sich einige Schwierigkeiten:
Genau genommen kann man nicht schlechthin von einer einheitlichen Verstärkung
dder Abschwächung der allgemeinen Zirkulation sprechen, da die Zentren der
Druckanomalien mit den Extrem-Gebieten der mittleren Druckverteilung natürlich
nicht genau übereinstimmen. Im einzelnen entsprechen den Druckanomalien nach
dem Buy-Ballotschen Gesetz Zusatzwinde, die gewisse Temperatureffekte mit sich
bringen, in der Weise, daß z.B, Zusatzwinde aus wärmeren Gegenden (nicht
Gegenden mit positiver Temperaturanomalie!) eine Temperaturerhöhung bewirken;
jedoch nicht immer: Bedeutet ein solcher Zusatzwind eine Abschwächung der
mittleren Luftversetzung und damit auch der mittleren Windgeschwindigkeit, so
kann in den bodennahen Schichten der abkühlende Einfluß der Ausstrahlung im
Winter überwiegen,
Schließlich muß betont werden, daß man bei Druck- und Temperaturanomalien
oicht eindeutig zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden kann. Bei der
zusätzlichen Advektion bewirkt zwar die Druckanomalie an sich eine Temperatur-
anomalie, deren Größe vom zusätzlichen Druckgefälle und vom mittleren hori-
zöntalen Temperaturgradienten in der Richtung der zusätzlichen Luftversetzung
abhängt; durch eine solche Temperaturänderung wird aber wieder die ursprüng-
liche Druckverteilung geändert, so daß ein stationärer Zustand nur möglich ist,
wenn die Wirkung der Advektion durch andere Vorgänge — etwa durch eine
geänderte Ausstrahlung — gerade kompensiert wird. Es scheint, daß ein neuer
Gleichgewichtszustand viel eher möglich ist, wenn die Druckanomalie wesentlich
durch eine entsprechende Temperaturverteilung in großen Höhen bedingt ist.
Aus den angeführten Gründen muß bei der Besprechung der Weltkarten auf
eine ins einzelne gehende „Erklärung“ verzichtet werden, man muß sich vielmehr
mit einer groben Charakterisierung begnügen, Desgleichen soll zwar im folgenden
auf deutlich erkennbare Beziehungen zwischen Druck- und Temperaturanomalien
aufmerksam gemacht werden, aber diese Ausführungen sind nicht so zu verstehen,
als ob die eine Erscheinung als eindeutige Wirkung der anderen hingestellt würde,
November, Im größten Teile der Nordhalbkugel (mit Ausnahme der Länge
40° E—130° E) entsprechen die Luftdruckabweichungen eindeutig einer verstärkten
Zirkulation: Durch Europa, den Nordatlantischen Ozean und Nordamerika zieht
sich in 60° N-Br. eine verstärkte Tiefdruckrinne hin, ebenso ist das Roßbreiten-
Hoch und größtenteils auch die äquatoriale Tiefdruckrinne verstärkt. Dagegen
ist in Sibirien der Druck bei unternormalen Temperaturen erhöht. Auf der Süd-
halbkugel reicht nur im Bereiche von Südamerika das Beobachtungsnetz genügend
weit gegen Süden, um eindeutige Beurteilung zu ermöglichen: Auch hier ist die
Zirkulation verstärkt.
Die Verteilung der Temperaturabweichungen ist — entsprechend der Über-
gangsjahreszeit — wenig charakteristisch; die größten (positiven) Anomalien treten
im Bereiche der nördlichen Luftdruckrinne auf und lassen schließen, daß hier die
am Boden ausgesprochene negative Luftdruckanomalie mit der Höhe abnimmt.