26 Bericht üb. d, erste Teilfahrt d. D, Nordatl. Exped, d. Forschungs- u. Vermessungsschiffes „Meteor“.
starke Feuchtigkeits- und Salzgehalt der Luft verursacht vor allem in den
Tropen oft eine Oxydation der Kontaktpunkte und ein Klemmen der Achsen,
so daß eine reine Aufnahme der drahtlosen Signale sehr schwierig war.
Die Verteilung der Aufstiege während der Fahrt wurde so geregelt, daß
abwechselnd die einzelnen Sondentypen zur Anwendung kamen, um daraus einen
Vergleich der Sonden untereinander zu erhalten. Zeitweise wurden am Tage
bis zu fünf Aufstiegen durchgeführt; vor allem wurde Wert darauf gelegt, einige
Profile möglichst genau mit Aufstiegen zu beschicken, So wurden zwei sehr
schöne Schnitte in nordsüdlicher Richtung durchgeführt, Vom 4,IV. bis 13. IV.
von Santa Cruz bis 10° N wurden 34 Aufstiege und vom 19. IV. bis 283. IY. von
19° N bis Las Palmas 22 und vom 13.IV. bis 19.IV. von 10° bis 19? N 23 Auf-
stiege, also in 10 Tagen 45 Aufstiege, ausgeführt, Ein Schnitt von West nach
Dst wurde vom 19. 1IL, bis 24,111, mit 15 Aufstiegen versehen. Eine Übersicht
über die geographische Verteilung der Aufstiege vermittelt Abb. 13 auf S. 25,
Der Übergang vom Passatgebiet in das Gebiet der Westwinde konnte leider
nicht eingehend sondiert werden, Die ungünstige Wetterlage zwischen Las Palmas
und Lissabon ließ eine Fahrtverlangsamung für Aufstiege nicht zu.
Eine Auswertung der Aufstiege während der Fahrt konnte aus Zeit-
mangel nur zum Teil stattfinden, da die Vorbereitungen der Sonden noch viel
Zeit in Anspruch nahmen. Teils mußten die Sonden neu geeicht oder Eichwerte
kontrolliert werden, teils mußten die mechanischen Teile überholt werden. Zu
all diesen Arbeiten sowie zum Aufnehmen der Funkzeichen stand in vielen Fällen
nur ein OÖberfunkmaat zur Verfügung, Auf dem letzten Teil der Reise zwischen
Lissabon und Wilhelmshaven wurde jedoch täglich in den Morgenstunden ein
Aufstieg ausgeführt und auch ausgewertet, der durch Funk mit dem Seeobs
zusammen als Beitrag für die europäische Höhenwetterkarte abgegeben wurde.
Als Kuriosum sei vermerkt, daß von den in Teneriffa aufgestiegenen Sonden
drei Stück an Land gefunden und durch freundliche Vermittlung der spanischen
Militärbehörde und des Deutschen Konsulats zurückgegeben wurden. Infolge des
Entgegenkommens der örtlichen Behörden war es auch möglich in Landnähe
bzw. in den Häfen Aufstiege zu machen,
VI. Nautischer Beitrag.
Von Kapitänleutnant Wolf Neuendorff.
Während der Expedition waren dem Kommando verschiedene nautische
Erprobungs- und hydrographische Vermessungsarbeiten zur Erledigung über-
tragen. Die nautischen Erprobungen erstreckten sich auf folgende Gebiete:
1. Sextanten mit künstlichem Horizont,
2. Kimmtiefenmessungen,
3, verschiedene Methoden zur Ortsbestimmung auf See.
An Sextanten mit künstlichem Horizont befanden sich die in Deutschland
bereits eingeführten und anderweitig erprobten Instrumente an Bord, die Libellen-
sextanten von „Ludolph“ und „Coutinho“ und die Pendelsextanten von „Rinkel-
Plath“ und „Schmidt-Haensch“, In letzter Minute gelang es noch, den Libellen-
sextanten des Engländers „Hughes“ an Bord zu bekommen, der sich grundlegend
von den beiden oben genannten durch seine andersartige Optik unterscheidet
und dadurch, daß er nur eine Libelle hat, Überhaupt ähnelt er in keiner Weise
bisher üblichen Modellen. Grundsätzlich sollte festgestellt werden, welches der
Instrumente am zuverlässigsten arbeitete und inwieweit bei bewegter Plattform
noch für die Seefahrt genügende Genauigkeit erzielt werden kann.
Die Aufgabe wurde so angefaßt, daß die Instrumente für sechs Wochen an
feste Beobachter gegeben wurden, damit sich jeder, auch bei wechselnder Wetter-
lage mit seinem Instrument vertraut machen konnte. Nach sechs Wochen
wurden die Sextanten neu verteilt, um nach Möglichkeit persönliche Meßfehler
auszuschalten. An den Versuchen waren sämtliche Wachoffiziere, die Leutnante