Kleinere Mitteilungen.
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ab aber zieht das Druckfallgebiet etwa im rechten Winkel dazu mit Kurs
auf die Davisstraße (in der Abb. 1 ist gestrichelt die Zyklonenbahn eingezeichnet;
die Bahn des Druckwellentals verläuft etwas rechterhand davon): In Wirklichkeit,
den Druckfall als Prozeß betrachtet, handelt es sich eben um ein neues Druck-
fallgebiet, zu dem das alte nur den Keim gelegt hat.
Aus der Abb. 1 erhellt, daß außer der scharfen Frontalzone auch deren
ausgesprochenes Delta aus der Lage resultiert, bzw. schon vorhanden ist, in
das sich das Druckfallgebiet ungefähr zentral hineinbewegt. Die Situation vor
der entstehenden Frontalzone Tropikluft—Arktikluft kann auch als „Drei-
masseneck“ Tropikluft—- Polar-
juft— Arktikluft bezeichnet wer-
den, und die Zyklone zieht dann
etwa zentral ins Gebiet der mittel-
temperierten Luftmasse,
2, Fall. Eine Zyklone unter
740 mm liegt am 17. November
vor der Südküste Neuschottlands
und am 18. November als Sturm-
zyklone unter 725 mm über Süd-
ostlabrador. Die 24stündigen
Druckänderungen vom 16, auf
den 17. November betragen bei
Neuschottland über 20 mm, vom
17. bis 18. November im nörd-
lichen St. Lorenzgolf etwa 28 mm,
Die der Sturmentwicklung
vorausgehende Wetterlage
vom 16. November ist folgende:
Ein Tief von 755 mm, am Vor-
tage zwischen Bermuda und Neu-
[undland gelegen, ist am 16. ab-
geschwächt südöstlich Neufund-
land angelangt. Auf seiner a
Rückseite ist ein Polarluftausfluß Abb. 2. 24stündige Luftdruckänderungen (mm)
. vom 15, bis 16. XI. 1905 morgens;
im Gange, dessen Front am Vor- Frontenlage und Strompfeile am 16, XI. morgens,
tage über Bermuda hinweg und
bis nahe an die Nordküste Jamaikas gegangen ist. Dem tropiklufterfüllten Roß-
breitenhoch (Kern um 28° Nordbreite, 50° Westlänge) hat sich bei Neufundland
ein „kalter Keil“ von 765 mm aufgesetzt, an dessen Rand z. B. in 40° Nordbreite,
50° Westlänge eine Lufttemperatur von 12° bei 20° Wasserwärme herrscht.
Die Front Tropikluft—Polarluft ist westlich von dem erwähnten Hochdruck-
keil — westlich vom 60. Meridian — wieder nordläufig und Warmfront ge-
worden; sie hat südlich Bermuda den 30. Breitenkreis bereits überschritten und
erstreckt sich von dort nach den südöstlichen Bahamas, Florida und die nord-
amerikanische Golfküste befinden sich in der gealterten Polarluft,
Über dem amerikanischen Festlande liegt zwischen der Provinz Quebec
und Nordkarolina ein Tief von 750 mm. Dies Tief hat, am Vortage von der
Hudsonbay zum Oberen See reichend, Zugrichtung von Nordwest nach Südost
verfolgt, wobei eine Abschwächung von 740 auf 750 mm vom 15. auf den
16. November eintrat. Auch die 24stündigen Luftdruckänderungen lassen eine
Abschwächung des Druckfallzentrums, und zwar von 24 mm auf 12 mm, erkennen,
Mit dem Tief verbunden ist ein Kaltluftausbruch, der über das Gebiet der
Großen Seen geht, nach den bodennahen Temperaturen aber kaum als „arktischer“
Ausbruch zu bezeichnen und bei weitem nicht so kräftig ist wie der im vorigen
Parallelfall skizzierte. Nur zwischen Hudsonbay und Oberem See wird zweifels-
Irei Arktikluft südostwärts geführt.
Die Abb. 2 gibt nun in derselben Form wie Abb. 1 Strömungssystem und
Frontenlage am 16. November morgens und dazu die 24stündigen Druckände-
rungen vom 15. bis 16. November wieder.
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