Neuere Veröffentlichungen,
445
845 100 beim ersten Teil. An niederländischen
Beobachtungen allein waren 593433 vorhanden,
Groß-Britannien lieferte 97 654, Deutschland 16343
(gegen 20853 beim ersten Teil), die Vereinigten
Staaten von Nordamerika 11 062, Frankreich 3424
verschiedene andere Staaten zusammen 3040,
Bei einer kritischen Betrachtung der Strom-
und Windsterne tritt in gewissen Gebieten das alte
Problem der Beziehungen zwischen Verkehrsdichte
und Beobachtungsdichte und dem Gegensatz mit
— man möchte fast sagen — schmerzlicher Deut-
lichkeit zutage. Wenn das Material der reinen
Segelschiffsbeobachtungen u.a. durch die unnatür-
liche Anbäufung der Windhäufigkeitsprozente
infolge ungünstiger Reisegelegenheit manche Fehler-
quelle in sich barg!), so besteht heute bei den
Beohachtungen auf Kraftschiffen ein fühlbarer
Nachteil in der Verödung und Einförmigkeit deı
Reisewege. Eine Erkenntnis, die sich nicht etws
nur auf das vorliegende, ausgezeichnete Kartenwerk
erstreckt, sondern im Bezirk der maritimen Klima-
tologie allgemeine Gültigkeit besitzt. (Ein zweites.
nicht unwesentliches Moment in diesem Zusammen-
hange ist der zahlenmäßige Rückgang der
Schiffseinheiten zugunsten der Schiffsgrößen.
Das bedeutet jedoch: Rückgang der schwim-
menden Beobachtungsstellen. Während die
Welthandelsflotte Ende der sechziger Jahre des ver:
gangenen Jahrhunderts in dieser Beziehung mit rund
1C0000 Fahrzeugen ihren Höhepunkt erreicht hatte,
ist diese Zahl heute auf etwa ein Drittel gesunken!,
In der Windkarte für Oktober im Fünfgrad-
feld 5% bis 10° N, 105° bis 110° O standen z. B
für den Windstern 1514 Beobachtungen zur Ver.
fügung, für das östliche Nachbarfeld hingegen nur
209. Ein ganz ähnliches Verhältnis besteht für
die übrigen Monatskarten; und Entsprechendes gilt
für die Stromkarten: auf der Oktoberkarte grenzt
in beinabe dem gleichen Gebiet wie obengenannt
ein Stromstern mit 191 Beobachtungen an den
benachbarten ostwärts mit 40, Solches Mißverhält-
nis scheint im wesentlichen bedingt durch die
beiden westlicher liegenden und häufig befahrenen
Wege Singapore—Saigon und Singapore—-Hongkong
einerseits, durch den einen und weniger befahrenen
Weg Singapore—Manila anderseits, Noch krasser
tritt derartiges in der Formosastraße hervor
Gründet sich beispielsweise in der Novemberstrom-
karte die westliche Stromrose auf 285 Versetzungen
20 waren für die Östliche deren nur 7 vorhanden
in einem Raum von noch nicht 100 Sm Durch-
messer! Diese sieben Stromversetzungen verteilen
sich auf seche verschiedene Richtungen, wovon deı
Nordrichtung eine Häufigkeit von 30 v.H,. hei
25 bis 48 Sm täglicher Geschwindigkeit zukommt
Es ist klar, daß den beiden zum Vergleich heran:
gezogenen Stromrosen ein verschiedenes Gewicht
beigelegt werden muß, was um so mehr zu be
Achten ist, als in dem vorliegenden Atlas das all-
gemeine Strombild der Formosastraße im November
als auffallende Erscheinung an der kontinentalen
Seite eine südliche, an der Formosaküste jedoch
eine nördliche, und zwar entschieden nördliche
Wasserbewegung aufweist, Ahnliches zeigt, wenn
auch nicht so ausgesprochen, die Märzstromkarte,
Das wird bemerkt, weil sich bekanntlich die Hydro-
graphie der Formosastraße durch krasse Gegensätze
im thermischen Verhalten des Wassers auszeichnet,
nämlich: während der Wintermonate eine höhere
Temperatur an der Ostseite als an der Westseite
der Straße, Diese Temperaturverteilung kommt
durch von Südosten her in die Straße eindringendes
warmes Wasser des Nordost-Aquatorialstroms zu-
stande, Die Frage ist nun, ob diese Wasserbewegung
in unmittelbarem Zusammenhang mit jenen Nord-
ztrömungen im November steht — oder ob der
zeringen Menge von sieben Einzelversetzungen, die
las Gewicht so entschieden auf die nördlichen
Strömungen verlegen, der Verdacht des Zufälligen
anhaftet? Sieht man sich den Schiffsverkehr in
jener Meeresstraße an, so findet man, daß die vier
Hauptschiffswege ganz überwiegend an der asia-
tischen Küste verlaufen, während zwei nur die hoch-
nordöstliche Ecke schneiden, Der östliche und süd-
östliche Teil der Formosastraße ist somit verkehrsfrei,
Die die ostasiatischen Gewässer so kennzeich-
nende Abnahme des festländischen Einflusses von
West nach Ost, also nach dem offenen Meere hin ist
äbrigens zahlenmäßig sehr schön erkennbar auf
den Temperaturkärtchen, wo außer den Wärme-
gleichen in jedes Eingradfeld die mittlere Tempe-
ratur eingetragen ist. Geht man etwa auf dem
30, Breitenparallel entlang, so findet man für
Dezember zwischen 120. und 132, Meridian einen
absoluten Unterschied der Lufttemperatur von 6.79,
der Wassertemperatur von 7.9°.
Überraschend wirkt östlich von Mindanao der
starke südliche Strom just in den Sommermonaten
Juli und September: rund 100 v. H. bzw. 90 v.H.
Beständigkeit, bei einer täglichen Geschwindigkeit
ron 25 bis 73 Sm, Überraschend, weil ältere Strom-
atlanten von derartigen Größenordnungen nichts
ahnen ließen und neuere Werke, so G. Schotts
Geographie des Indischen und Stillen Ozeans an
jener Stelle im Sommer nur ein schwaches Ab-
kurven des Nordäquatorialstroms, dagegen gerade
im Winter (Februar) eine nach Beständigkeit und
Stärke sehr starke südliche Strömung darstellen.
Wir haben es hier mit der Bildung des Gegen-
stroms, also einem sehr wichtigen Vorgang zu tun.
in dem niederländischen Kartenwerk gründen sich
die betreffenden Stromrosen für Juli auf 8, für
September auf 12 KEinzelversetzungen.
Neu hinzugekommen ist, wie schon eingangs
arwähnt, die Abbildung der allgemeinen Luft-
strömung innerhalb der malaiischen und ost-
asiatischen Gewässer auf zwölf Monatskärtchen.
Es handelt sich also um den jahreszeitlich wehenden
Nordostmonsun (von Oktober bis März) und den
Südwestmonsun (von Juni bis August). Als Dar-
stellungsform sind die kontinuierlichen Stromlinien
zewählt worden, für die als Grundlage die Angaben
der Eingradfelder auf den Windkarten dienten.
Dadurch wurde eine kleine Ausglättung unum-
zänglich, vermutlich besonders in Küstennähe, Das
kam anderseits der Formgebung der Stromlinien
zugute, die überall einen eleganten Verlauf zeigen,
Die Darstellung erinnert übrigens an die der Wind-
‚erhältnisse der Monate Januar und Februar sowie
Juli und August in dem Atlas für den Indischen
Ozean der Deutschen Seewarte (Hamburg 1891). Ein
Vergleich läßt keine wesentlichen Unterschiede in den
Beobachtungstatsachen erkennen — und damit auch
nicht die Spur etwaiger „säkularer“ Änderungen!
Das niederländische Institut hat mit dem zwei-
teiligen Atlas die Reihe seiner Veröffentlichungen
am ein nützliches Werk verlängert. Die druck-
iechnische Ausführung zeugt von geradezu muster-
gültiger Sorgfalt und Sauberkeit und bildet einen
würdigen Rahmen für eine gründliche Arbeit.
- E. Römer.
1) Vgl. W.Meinardus, Über die Methoden der
Verarbeitung von meteorologischen Beobachtungen
zur See. Zeitschr. d. Ges, f, Erdk. XXIX, 1594,
S. 90 bis 108.