“o
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1937,
Es gibt nun Fälle, in denen der Prozeßcharakter von Druckfall und Druck-
anstieg gegenüber der Schwimmereigenschaft besonders deutlich in Erscheinung
tritt und in denen weder von Steuerung noch won Bahn eines Druckänderungs-
gebietes im eigentlichen Sinne die Rede sein kann,
Dazu zwei Beispiele, Die Abb, 3 und 4 zeigen die Höhenwetterlage vom
25, Januar 1935 bzw. vom 20. November 1936 mit Höhenlinien der 500 mb-Druck-
fläche von 10 zu 10 dyn. Deka-
meter (= etwa 10 mm Abstand
vom Bodenisobaren). Im ersten
Falle Jiegt ein Druckfallgebiet
vom 50 mb 24stündiger Ande-
rung am Morgen des 25. Januar
über dem südlichen Nordmeer,
das sich bis zum nächsten Mor-
gen quer zu einer orkan-
mäßigen Höhenströmung
nach den Alpen verschoben hat
{— 30 mb). Im zweiten Falle
liegt ein Drucksteiggebiet von
15 mb 24stündiger Änderung
am Morgen des 20. November
am Englischen Kanal, das sich
bis zum nächsten Morgen eben-
falls quer zu einer stürmischen
Höhenströmung nach dem Do-
naugebiet hin verlagert hat
(+ 15 mb).
Hierbei hat sich nun das
Höhenwindsystem durchaus
nicht im Sinne einer so gerich-
teten Steuerung geändert
im Gegenteil.
[In Abb, 3 ist eine Demar-
kationslinie eingezeichnet, öst-
lich welcher bis zum nächsten
Tage sogar Rückdrehung des
Höhenwindes gegen Süd-
west erfolgt ist. Hinzugefügt
ist die Luftdruckänderung von
8h bis 14b des 25, Januar, und
es wird deutlich, daß auch das
an den Termin der Höhen-
karte anschließende Druck-
fallsystem als gesteuertes ost-
wärts driften müßte, was es
tatsächlich nicht tut. Ähnlich
liegen die Verhältnisse am
20. November 1936, wo die
nordöstlichen Höhenwinde am
nächsten Tag bis zu der in
Abb. 4 verzeichneten Demarkationslinie südwärts reichen. Es tritt also auch hier
längs der Verschiebungsbahn niemals ein westlicher Höhenwind in Erscheinung,
Auch in den Bodenwetterkarten (vgl. den „Tägl. Wetterbericht“ d. Deutschen
Reichswetterdienstes, herausgeg. v. d, Deutschen Seewarte) wird man vergebens
zine bahnparallele Strömung suchen: Am 25. und 26. Januar 1935 herrscht im
Bahngebiet Südwestwind, am 20, und 21. November 1936 ebenso durchgehend
Nordostwind am Boden. Da sich anderseits der Richtungssinn der heftigen
Höhenströmung nach oben bis zur Stratosphäre nur unerheblich ändern kann.