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Full text: 65, 1937

122 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1937. 
3. Die numerische Integration nach der Restmethode berücksichtigt weit- 
gehendst die Gestalt der Bucht, sie berücksichtigt jedoch nicht die besonderen 
dynamischen Verhältnisse an der Buchtmündung und erfordert deshalb eine 
Mündungskorrektion. Eine solche Korrektion wurde zuerst von den Japanern 
an der Merianschen Formel angebracht. Über das Wesen und die Anwendung 
der Mündungskorrektion sei folgendes bemerkt. Die longitudinale &-Schwingung 
setzt die Bucht in Analogie zur offenen Pfeife, die bei der Pfeife durch Dichte- 
änderungen bewirkten Druckänderungen werden im Falle der Bucht durch Hebung 
und Senkung des Niveaus erzeugt. Wie die Pfeife an die Außenluft Schall über- 
trägt, so teilt auch die schwingende Bucht dem offenen Meere Bewegung mit 
und erfährt eine Reaktion, Diese Reaktion hat Rayleigh*!) berechnet. Derjenige 
Teil dieser Reaktion, welcher in erster Linie auf die Schwingungsperiode wirkt, 
kommt einer Vergrößerung der Wassermasse gleich: mit dem Mündungsquer- 
schnitt als Grundfläche ist der Bucht eine Wassersäule anzufügen, durch deren 
Länge « die Länge | des Talwegs der Bucht vergrößert wird. Wird der Mün- 
dungsquerschnitt als parallel begrenzter vertikaler Streifen der Breite by auf- 
gefaßt, so ist die Verlängerung 
a (Sm — 10 nat 700 
% 3 7 g 2 )- .» 
wo y die Mascheronische Konstante, 4 die Wellenlänge ist. Die korrigierte 
wirksame Länge der Bucht ist demnach kl, wo k=1+ t- 
Die Näherungsformel (4) lautet demnach mit Mündungskorrektion 
Ir 
Teak . nr 
da F=1b, wo b die mittlere Breite bedeutet, 
Zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit der hier gegebenen Näherungsformel 
sei als Beispiel mittels (6) und (5) die Grundperiode der freien Schwingung des 
Adriatischen Meeres als Bucht berechnet, Mit Benützung der gleichen Werte der 
in Betracht kommenden Größen, welche A. Defant?) bei der Berechnung derselben 
Grundperiode nach der japanischen Methode benützte, erhält man «= 79,81 km; 
k= 1.0994; T=23.4h, Der von Defant angegebene mittlere Beobachtungswert 
ist 22.9 + 0.7b, der nach der Formel (6) berechnete Wert stimmt nicht schlechter 
überein als der nach der japanischen Methode berechnete. Der hier berechnete 
größere Wert T=23.4h erscheint a fortiori geeignet, die abnorme Amplitude 
der lunisolaren Eintagstide des Adriatischen Meeres (T — 23.93b) als Resonanz- 
erscheinung zu erklären. 
Geophysikalisches Institut in Zagreb, Mai 1937. 
Einfache Diagramme zur Berechnung der Mondauf- und -untergangszeiten 
für ein begrenztes Gebiet, nebst Anwendung auf Deutschland. 
Von K, Schütte, München, 
(Hierzu Tafeln 54 und 55 mit Diagrammen 1 bis 5.) 
Zusammenfassung. Wegen der komplizierten Mondbewegung ist eine einfache Darstellung der 
Mondauf- und -untergangszeiten nicht leicht zu erhalten, wenn sie für große Zeiträume gelten soll. 
Für die Sonne sind früher vom Verfasser einfache Tafeln gegeben, die für ein bestimmtes Gebiet 
lange Zeit Gültigkeit haben und praktisch von Jahr zu Jahr nur geringfügigen Schwankungen unter- 
worfen sind. In der vorliegenden Arbeit wird gezeigt, daß es auch möglich ist, für die Mondauf- und 
untergänge für ein beschränktes Gebiet mit einer kleinen Anzahl von Diagrammen auszukommen, die 
immer gelten, Allerdings bleibt es notwendig, für einen Bezugspunkt, etwa den Mittelpunkt des gewählten 
Gebietes, die Auf- und Untergänge einem Jahrbuch zu entnehmen, Die Diagramme schreiten mit dem 
Stuudenwinkel t als Argument fort und gelten infolgedessen immerwährend; die Interpolation zwischen 
den einzelnen Tafeln ist mit praktisch ausreichender Genauigkeit ausführbar. Es werden 5 Diagramme 
gegeben, die für jeden Punkt Deutschlands sofort die Abweichungen der Mondauf- und -untergangs- 
zeiten gegenüber dem Punkt = 50° und A = 0° ergeben; einige Beispiele erläutern sie. 
1) Lord Rayleigh, Theory of Sound $8 302, 307; On the Open Organ-Pipe Problem in Two 
Dimensions, Phil. Mag. Ser, 6, Vol. VII, p. 481 (1904). — 2) Ann. d, Hydrogr., 39, Jahrg., S. 119 (1911).
	        
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