414 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September, 1937.
des Gesamtkalkgehaltes) sind an der englischen und französisch-holländischen
Küste dicht zusammengedrängt, dort sind also auf relativ kurzen Entfernungen
starke Kalkgehaltsgradienten vorhanden. Wie zu erwarten, nimmt der Gesamt-
kalkgehalt von der Mitte der Hoofden, dem Gebiet des Kanalstromes, nach den
Küsten hin zu. Der Unterschied zwischen der Verteilung des Gesamtkalkgehaltes
im Oberflächenwasser der Deutschen Bucht (4) gegenüber der Verteilung hier
besteht darin, daß die Isolinien in diesem Gebiet an den Küsten und im offenen
Wasser der Hoofden viel unruhiger verlaufen als in der Deutschen Bucht. Die
in der Deutschen Bucht parallel zu den Küsten charakteristische Anordnung der
[solinien wird in den Hoofden wahrscheinlich dlurch die Konfiguration des nur
nach Norden weit geöffneten Meeresraumes der Hoofden und durch die in ihm
sich kompliziert abspielenden Wasserversetzungen bedingt. Auffällig in der Abb. 1
ist, daß sich der Gesamtkalkgehalt des sich mach Norden bewegenden Kanal-
stromes durch ein von beiden Seiten mit der 0.06800-Isolinie begrenztes Minimum-
gebiet heraushebt, in dem sich langgestreckte Inseln oder „Blasen“ [siehe unter (2)
auf S. 19 u, 20] sekundärer Minima mit weniger als 0.06700 bzw. 0.06600-Gesamt-
kalkgehalt befinden. Diese sekundären Minimumgebiete fallen nahezu mit dem
wenig vermischten und salzreicheren Kanalstrom zusammen. Wie früher in der
allgemeinen Temperatur- und Salzgehaltsverteilung (2?) aufgezeigt wurde und wie
auch unabhängig davon Kalle festgestellt hat (:), daß man im Gebiet der
Hoofden 9 (siehe S, 416) natürliche Regionen im Oberflächenwasser unterscheiden
kann, so können sie auch hier aus der Verteilung des Gesamtkalkgehaltes von-
einander getrennt werden. Die vor den Flußmündungen und von ihnen beein-
MNußten Küstengebiete zeichnen sich durch sehr große Werte für Gesamtkalkgehalt
aus. Es sind dies die Gebiete vor der Themsemündung und den Rhein—Maas-
Mündungen, ferner das Gebiet zwischen Seine und Somme und weiterhin das
Gebiet vor dem großen Prielsystem des Texeler Seegats bei Helder. An der
englischen Küste fallen in diesem Zusammenhang wiederum die beiden Gebiete
vor Lowestoft-Great Yarmouth (3) und das Gebiet im Nordwesten des Hoofden-
ausganges heraus. Die soeben aufgezählten Regionen außer der Nordwestregion
sind Überschußgebiete des Gesamtkalkgehaltes.
Abb. 2 zeigt die geographische Verteilung der Menge des im Oberflächen-
wasser gelösten Kalkes, also der Alkalinität. Sie wird durch Linien gleicher
Ay/S-Werte (Alkalinitätskoeffizient) dargestellt!). In der Mitte des Untersuchungs-
gebietes wird das Minimumgebiet des Kanalstromwassers an beiden Flanken von
der 0.06600-Isolinie eingeschlossen. Auch hier treten wie in Abb. 1 in ihm sekundäre
Minimumgebiete mit Kalkgehalten weniger als 0.06500 bzw. 0.06400 auf. Die
Alkalinität nimmt ebenfalls von der offenen See nach den Küsten hin zu.
Wiederum fällt hier das Minimumgebiet im Nordwesten des Ausgangsgebietes
der Hoofden auf. Die kalkreichen Flußmündungsgebiete von Rhein—Maas und
Themse treten auch hier stark in Erscheinung, ferner das im Süden vor der
französischen Küste gelegene Gebiet zwischen der Seine- und Sommemündung
und das Gebiet vor dem Texeler Seegat. Die in Abb. 1 stark ausgeprägte nach
Südosten vorstoßende Zunge des Gesamtkalkgehaltes von Lowestoft-Yarmouth
ist hier nur noch schwach angedeutet,
Abb. 3 zeigt die geographische Verteilung des im Oberflächenwasser ungelösten,
also suspendierten Kalkes, der einmal anorganischen und zum anderen organischen
Ursprungs (kalkschaliges Plankton und kalkhaltiger Detritus) sein kann. Sein
Gehalt wird durch die Differenz Ay minus Ay gleich 4 Am n= 4 A berechnet und
in mäquiv/L ausgedrückt. Die Verteilung des 4 A wird durch Linien gleicher 4 A
wiedergegeben. Wie in den beiden vorigen Abbildungen hebt sich auch in dieser
Kalkgehaltsdarstellung das in der Mitte des Untersuchungsgebietes gelegene lang-
gestreckte Minimumgebiet mit einem 4A von 0.040—0.060 mäquiv/L heraus.
Dieses Minimumgebiet ist aber viel komplizierter aufgebaut als die durch die
beiden anderen Kalkgehaltskomponenten wiedergegebenen Minimumgebiete, In
ihm sind sowohl Gebiete mit noch geringerem 4 A-Gehalt als auch inselförmige
1) Die Gewinnung der wahren Alkalinitätswerte wurde und wird auch später nur noch mit
Hilfe des Blaubandfilters 589% der Firma Carl Schleicher & Schüll, Düren (Rhld.), erfolgen.