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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1937.
Die Wirkung dieser Vorgänge muß dort am größten sein, wo sie sich in der
vertikal größten Ausdehnung abspielen, Das aber ist, wenn die Neigung der
Zyklonenachse gleichförmig angenommen wird, das Gebiet etwa halbwegs
zwischen dem Zentrum des Bodentiefs und dem Zentrum des hoch-
troposphärischen Tiefs, in einigem (> 50km) Abstande nördlich der
Zyklonenachse, wenn diese von O nach W ansteigt,
{An unserm Falle gehen die größten Regenmengen im Laufe des 7. Nov, 1934
in der Zone Hamburg— Kiel nieder (von 8h bis 194 Hamburg 36 mm, Kiel 43 mm,
Bülk 39 mm). Wie man aus Abb, 3 sieht, entspricht dies der obigen Folgerung,
daß das Niederschlagsmaximum exzentrisch zur Bodenzyklone rechts voraus liegt,
wenn man von ihr zum Höhentief blickt. (Abends fällt in Bülk noch anhaltender
Starkregen, während Hamburg und Kiel nur mehr leichten Regen haben. Um
diese Zeit aber hat sich auch gegenüber dem Morgen die Zyklonenachse etwa
in die Richtung Seeland—Hamburg gedreht, da sich über Hamburg und Berlin
die 500 mb-Fläche bereits um 15% auf 525 bzw, 530 dyn. Dekameter gesenkt
hatte.) —
So kämen Züge in das Bild der Regenwolken- und Landregenentstehung, die
88 recht kompliziert machen. Die Folgerungen sind auch nur qualitativ, aber
sie fügen sich (z. B. bezüglich Divergenz-Konvergenz, Mischluft, Stauung) manchen
älteren und neueren Anschauungen über die Natur des sog. Aufgleitregens?) ein,
ohne die Wetterbedeutung der Luftmassenverteilung und der Frontalvorgänge
irgendwie zu verringern.
Nicht berücksichtigt ist allerdings die Feuchtlabilität, und zwar deshalb,
weil sie in unserem Falle und in vielen ähnlich gelagerten augenscheinlich nicht
vorhanden ist, Feuchtlabilität, entlang einer Gleitfläche (nicht-vertikal) ge-
messen, mag zwar vorhanden sein, aber sie hätte dann im wesentlichen auch
nur feuchtlabile Umlagerungen im Neigungswinkel dieser Gleitfläche zur
Folge. Und wenn man die Flächenneigung einmal hoch zu 1:40 annimmt, so
müßte ein in der feuchtlabilen Gleitschicht verbleibendes Luftquantum schon
40 m/sec Horizontalgeschwindigkeit in Richtung des Flächenanstieges haben, um
LI m/see Vertikalgeschwindigkeit zu erreichen — vorausgesetzt, daß die Gleitfläche
selbst stationär ist, Da also selbst extreme Voraussetzungen (über die Front-
HNächenneigung, die horizontalen Windgeschwindigkeiten und die Strömungs-
komponente zur Front hin) nur bescheidene Vertikalbewegungen liefern, dürfte
die Feuchtlabilität für diese Art von Regen kaum von Bedeutung sein?).
y Vgl. u.a. P. Raethjen: Die Aufgleitfront, ihr Gleichgewicht und ihre Umlagerung, Met.
Zschr. 1934. — G, v. Elsner: Über die Niederschläge der Vb-Depressionen. Met. Zschr. 1927. —
R. Scherhag: Über die Niederschlagsbildung an Fronten, Ann. d, Hydr. 1935, -— Derselbe: Wetter-
skizzen Nr. 6, Regenwolken und vertikale Verteilung der äquipotentiellen Temperatur. Ann, d. Hydr,
1936. — R. Mügge: Wolken in Bewegung, Met. Zschr, 1937, — GG. Seifert: Instabile Schich-
tungen der Atmosphäre und ihre Bedeutung für die Wetterentwicklung im Königsberger Gebiet,
Veröff, Geophys, Inst. Leipzig 1935,
2) Nach Fertigstellung des Mann kripie erschien im Maiheft 1937 der Met. Zechr. eine Arbeit von
H. Thomas („Lassen sich die großen Niederschlagsintensitäten an quasistationären Fronten im Sommer
zahlenmäßig durch einfaches Aufgleiten erklären?“), welche einen ähnlich gelagerten Regenfall zum
Gegenstande quantitativer Analyse macht, Thomas kommt darin auch zu dem Schluß, daß nicht
‚einfaches Aufgleiten“ die Ursache jenes Starkregens sein kann und nimmt außerdem obige Bedenken
gegen die Rolle feuchtlabilen Aufgleitens vorne, Er schreibt jedoch dem feuchtlabilen Aufsteigen
den Haupteinfluß zu, wobei er sich auf die anfallenden Aufstiege von Bresiau und Königsberg stützt,
Thomas diskutiert in diesem Zusammenhange leider nicht den Aufstieg von Berlin selbst,
der innerhalb des Regengebietes stattfindet — am Schauplatz der angenommenen feuchtlabilen Um-
lagerungen, von dem Breslau und Königsberg ein beträchtliches Stück abliegen, Dieser Berliner Auf-
stieg zeigt nicht bloß feucht-indifferente, sondern feuchtstabile Schichtung (am Gipfel 6!/,°
feuchtstabile Differenz, In unserem Falle herrscht morgens sogar eine feuchtstabile Tempe-
raturdifferenz von 11° (nachmittags 8°) am Aufstiegsgipfel!] Kann trotz solchen Befundes Feucht-
labilität im Spiele sein?