410 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1937.
Tief mit der Höhe nach Südwesten: Im Niveau der 500 mb-Fläche erscheint es
(vgl. Abb. 3) etwa über dem Gebiet der Oberweser, d. h. horizontal rund 350 km
vom Zentrum des Bodentiefs entfernt (Achsenneigung etwa 1: 70).
Die schrägliegende Achse des Tiefs geht südlich von Hamburg im Abstande
von etwa 150 km vorbei. Hamburg hat am Boden Nordwestwind, in Höhe der
500 mb-Fläche Südostwind. Gemäß seiner Lage auf der Nordseite der Zyklonen-
achse muß der Nordwest mit der Höhe über N und O auf Südost drehen,
Luftquanten, die über Hamburg aufsteigen, müßten mit dem Höhengewinn eine
entsprechende Drehung vollführen.
Das quantenhafte Aufsteigen von Luft von unten kann man sich — wie
anderseits das Absteigen der Tropopause — durch die Divergenz der tropo-
sphärischen Höhenströmung (Saugwirkung infolge Druckfalls daselbst) hervor-
gerufen denken, Das Schicksal eines solchen aufsteigenden Luftquantums ist
dann schematisch aus der Abb. 4 herauszulesen, In ihr möge Z, das Zentrum des
Bodentiefs, Za das Zentrum
des Höhetiefs (5 km) dar-
steilen, so daß Z, — Za die
geneigte Achse des Tiefs
in Projektion auf die Hori-
zontalebene ist. Die Hori-
zontalströmung in den
unteren Troposphärenkilo-
metern gehe der Einfachheit
halber mit Gradientwind
auf kreisförmigen Isobaren
vor sich.
Ein Luftteilchen, das
sich auf einer Isobare um
das Bodentief horizontal
von A nach B bewegt,
nähert sich damit der Achse
des Tiefs. Denken wir es
uns jetzt in B in eine Höhe
gehoben, in der das Zy-
klonenzentrum in Z, liegt,
80 kommt es hier in eine
Horizontalströmung, die
von B nach C gerichtet ist.
In C mag es abermals Höhe
gewinnen bis zum Niveau,
wo das in Z, liegende Zyklonenzentrum ihm eine Bahn C-—>—D vorschreibt, In D
soll das Teilchen abschließend auf die Isobare des 5 km-Höhentiefs (Zentrum Z4)
gelangt sein, in eine gegen D’ gehende Horizontalströmung,
Das Luftquantum würde also beim Aufsteigen die Bahn A—>B—-C—>D—D
(in Projektion auf die Horizontalebene) beschreiben, falls es sich trägheitslos.
sofort auf die Horizontalströmung der durchlaufenen Niveaus einstellt. Man
kann sich nun — in Annäherung an die wirklichen Verhältnisse — sein Auf-
steigen langsam und kann sich dementsprechend beliebig viele Punkte zwischen
A und D’ vorstellen, und die Verschiebung des Zyklonenzentrums auf Zı-— Za
braucht auch nicht linear mit der Höhe zu erfolgen: Grundsätzlich bleibt es
dann doch so, daß die beim Aufsteigen nördlich der Zyklonenachse ver-
bleibenden Luftquanten Bahnen im Raume beschreiben, deren Pro-
jektion auf die Horizontalebene antizyklonale Krümmung (nach Art
einer Einhüllenden) aufweist. Dies, obwohl die Horizontalströmung, von
der die Teilchen geführt werden, in jedem Niveau zyklonal ist,
Ein solches Ergebnis erscheint nur auf den ersten Blick merkwürdig, Bei näherem Zusehen
findet man, daß so zunächst einmal das Ausströmen der unten in das Tief einströmenden
Luft bewerkstelligt und gewährleistet werden kann. (Es gehen ja nicht die Bahnen der
einströmenden Luft horizontal bis zum Tiefzentrum, um hier in senkrechtes Aufsteigen, zentriert wie