408 Annalen der Hydrographie und Maritimen M£eteorologie, September 1937.
und 15b, wiedergibt und daneben die vertikale Wolkenverteilung., Es war
dies ein Tag starken Dauerregens, der nach der Seewartenmessung etwa 52 mm
innerhalb 24 Stunden lieferte. Gerade in der Zeit zwischen den beiden Auf-
stiegen regnete es besonders kräftig, indem von 8h bis 14b 24 mm fielen,
Nach dem Aufstiegstext erstreckt sich morgens eine geschlossene Wolken-
schicht, als Nimbostratus, Altostratus bezeichnet, von 600 m Höhe bis über
Gipfelhöhe, nachmittags von 900 m bis über die Gipfelhöhe von 5100 m. In dieser
durchflogenen — aber nicht zu durchstoßenden — mächtigen Wolke herrschte
morgens oberhalb 2!/, km Höhe starker Eisnadelfall; nachmittags reichte starker
Schneefall bis 800 m Höhe herab. Unter dem „Regner“ treiben um 8b und 15%
in 150 bzw. 300 m Höhe die Fractocumulus-„Schlechtwetterwolken“.
Der Verlauf der äquipotentiellen Temperatur zeigt an beiden Terminen
keine Diskontinuität; ziemlich gleichmäßig nimmt die äquipotentielle Tempe-
ratur von etwa 1 km ab mit der Höhe zu. Dabei ist vom Morgen bis zum Nach-
mittag durchgängig und nach oben wachsende Abkühlung eingetreten, die am
Gipfel des Aufstiegs 5° äquipotentiell be-
trägt. Würde man nach dem Kurvenverlauf
annehmen, daß sich die Aufgleitwarmluft
morgens oberhalb 1800 m, nachmittags
oberhalb 2600 m befindet, so reicht die ge-
schlossene „Aufgleitwolke“ jedenfalls nicht
bloß durch die darunterliegende Übergangs-
schicht, sondern weit in die Kaltluft hinein
(morgens 500 m; nachmittags Kaltluft-
abgrenzung nicht möglich). Es hat aber
nach dem Kurvenverlauf den Anschein,
daß es sich bei der ganzen Wolke um
Mischluft handelt, und zwar um tropisch-
polare Mischluft (Raethjen) aus einer
Frontalzone, die morgens zwischen Elbe
und Oder liegt.
Abb. 1. Was die Wetterlage betrifft, so zieht
Äquipotentielle Temperatur und Wolken vom 6. bis 8. November eine Zyklone vom
über Hamburg am 7. XI. 1934. Vb-Typus von Süddeutschland herauf nach
dem Kattegat. Ihr Zentrum befindet sich
am 7. früh über dem östlichen Mecklenburg, nachmittags östlich Fehmarn, abends
über dem westlichen Seeland. Das Regengebiet liegt ganz im Westsektor dieses
Tiefs, Die östlich der Zyklonenbahn, selbst in unmittelbarer Nähe des Zentrums,
gelegenen Stationen bleiben fast oder ganz niederschlagsfrei, obwohl gerade sie
einen ausgeprägten Frontdurchgang erfahren. So ist z. B. der Luftmassen-
wechsel über München vom 6. auf den 7. November sehr markant, indem in den
unteren 5km eine Abkühlung von 8° im Mittel (und scharfer nächtlicher
Windwechsel am Boden) eintritt — trotzdem bleibt es hierbei völlig trocken.
Wie dieser Kaltlufteinbruch auf der Südseite des Tiefs, so bringt auch der
Warmluftvorstoß im Nordostsektor nur unwesentlichen Niederschlag: Die Stationen
zwischen Oder- und Weichselmündung verzeichnen (7. Nov.,, morgens) 1 mm und
weniger. Das eigentlich kräftige Regengebiet begleitet das Zyklonenzentrum
in einigem Abstande linker Hand, wobei die Bahn des Niederschlagsmaximums
etwa durch die Orte Lyon—Frankfurt a. M.—Hannover—Kiel bezeichnet wird
(vgl. auch den Tägl. Wetterbericht der Deutschen Seewarte 1934, Nr. 311 und 312).
Die Hamburger Regenwolkenaufstiege fallen gerade in den Durchgang dieser
Maximalzone. Da die Zustandskurven nun kaum dem reinen Aufgleitschema
entsprechen und die Vertikalschichtung im übrigen außerordentlich stabil ist
— morgens höchster Stabilitätswert (LL = 69) des Deutschen aerologischen
Sonderschlüssels! —, mögen an Hand der Höhenwetterkarten einige Überlegungen
über diese Regenentstehung angestellt werden.
Die Abb. 2 (s. S, 409) gibt die relative Topographie der 500 mb-Druck-
fläche über der 1000 mb-Fläche am 7. Nov., morgens, in dyn, Dekametern wieder.
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