574 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1906.
starken oder mäßigen Windes gemacht sind, zeigen auch verschiedene große
Abweichungen von Fig, 30, die meistens aus den Windverhältnissen leicht erklärt
werden können, Die Neigung der Isohalinen im Querschnitte ist bisweilen sogar
entgegengesetzt wie in Fig. 30 gerichtet.
Problem f, Ausströmen einer dem Meerwasser überlagerten homogenen
Brackwasserschicht von einer geraden Küste.
Außerhalb mancher Küsten liegt oberhalb des Meerwassers eine keilförmige
Schicht von Küstenwasser beträchtlich kleineren spezifischen Gewichtes, die durch
Mischung von Meerwasser und Süßwasser gebildet ist, und deren Dicke von der
Küste nach dem Meere zu allmählich abnimmt. Wenn außer der Schwere keine
anderen Kräfte wirken, muß also ein Ausströmen dieses Wassers von der Küste
stattfinden. -
Wir untersuchen zuerst die Bewegung einer solchen Küstenwasserschicht
unter den folgenden einfachen Bedingungen. 1. Das spezifische Gewicht sei so-
wohl in der Oberflächenschicht als in dem darunterliegenden Meerwasser konstant.
2. Ein vollkommen stationärer Bewegungszustand sei eingetreten. 3. Die Grenz-
fläche zwischen den beiden Schichten sei eine schiefe Ebene, die parallel zu einer
unendlichen geraden Küstenlinie liegt. 4. Die Tiefe d der Oberflächenschicht
soll innerhalb des zu betrachtenden Meeresgebietes nicht mehr variieren, als daß
die Größe d/D konstant angenommen werden kann. Die Tiefe des Meerwassers
soll so groß sein (größer als D), daß sie als unendlich angesehen werden kann,
Am leichtesten findet man die aus diesen Annahmen resultierende Bewegung
in folgender Weise, Wir denken uns einen in der Oberflächenschicht wirksamen
Druckgradienten OA (Fig. 32), und nehmen vorläufig an, daß die Grenzfläche in
der Tiefe d durch einen festen Boden ersetzt sei. Es wird dann in der Ober-
flächenschicht ein Staustrom (Fig. 10) erregt, welcher auf seine Unterlage einen
gewissen Tangentialdruck (Reibung) ausübt. Nun ersetzen wir wieder den fin-
gierten Boden durch die tiefe Schicht des Meerwassers und nehmen an, daß der
obengenannte Tangentialdruck auf dieselbe mit unveränderter Größe wirksam ist,
Es wird in dieser Weise ein »reiner Triftstrom« im Meerwasser entstehen, dessen
»Oberflächengeschwindigkeit« (in der Tiefe d) durch OB (Fig. 32) dargestellt sein
5 mag. Endlich fügen wir zu den Geschwindigkeiten in
7ig, 32, der Oberflächenschicht die konstante Geschwindigkeit OB,
was dadurch möglich wird, daß zu dem Druckgradienten 0A
ein gewisser zu OB senkrecht gerichteter Druckgradient 0C
zugefügt wird. Die Resultante von OA und OC sei OY.
Die Lösung ist jetzt vollendet und stellt offenbar die Be-
wegung außerhalb einer unendlich langen zu OY senkrecht
gerichteter Küstenlinie OX dar. Eigentlich sollte ferner
der Bedingung genügt werden, daß die totale Strom-
menge W in der Richtung OY gleich sei der Zuflußmenge
von Süßwasser von Land her. Diese Wassermenge kann
aber vernachlässigt werden; die Bedingung lautet daher W = 0. Dieser Bedingung
wird offenbar durch die gefundene Lösung genügt, denn indem die Resultante
der auf das Wasser wirkenden Kräfte senkrecht zur Küstenlinie gerichtet ist,
muß die totale Strommenge parallel derselben Küstenlinie gerichtet sein.
In der oben beschriebenen Weise sind die Kurven in Fig. 33 berechnet.
Die Geschwindigkeiten in den verschiedenen Tiefen sind wie gewöhnlich durch
Pfeile dargestellt, die wir uns als vom Koordinatenanfangspunkte nach den ver-
schiedenen Punkten auf der Kurve gezogen denken müssen. Die Punkte auf jeder
Kurve beziehen sich auf die Tiefen 0, 0.1 D, 0.2 D usw. unter der Meeresoberfläche.
Der Teil der Kurve, der sich auf die Oberflächenschicht bezieht, ist dick gezogen;
die Punkte der feinen, auf die untere Schicht sich beziehenden Linien sind weg-
gelassen, um das Gesamtbild nicht zu stören. Die Geschwindigkeiten sind unter
der Annahme in em p. Sek. berechnet, daß auf jedes Kilometer eines senkrecht
zur Küste gelegten Vertikalschnittes im ganzen 1000000 & sin % Solenoide
kommen.