Lohr, A.: Orkanartiger Sturm auf den Azoren am 9, Februar 1936. 403
der Azoren überflutete. Flores, das mit niedrigstem Barometerstand am nächsten
der Zugbahn des Sturmwirbels lag, weist von allen Stationen die geringste Ge-
samtwindstärke auf, während Horta die größten mittleren Windwerte und Angra
die relativen Höchstwerte der Böenstöße aufzuweisen hat. In bezug auf die
Böigkeit des Windes läßt sich sagen, daß die heftigsten Böen nur während der
Dauer des SW-Sturmes auftreten und der NW-Wind gleichmäßiger und schwächer
ist, da die in Frage kommenden Beobachtungsstationen alle durch Höhenzüge
gegen W- und NW-Stürme geschützt sind. Die letzte Böe tritt an den einzelnen
Stationen jedesmal kurz vor der Drehung des Windes von SW nach W bzw. N auf.
Die oben erwähnten Spitzenwerte der Windstärke in den Böen am 9. Februar
sind noch als mäßig zu bezeichnen im Vergleich zu den maximalen Windstärken,
wie sie besonders in Orkanen tropischen Ursprunges bisher verzeichnet worden
sind. Beispielsweise wurden während des Azorensturmes vom 4. bis 7. Februar
1912 in Horta folgende Höchstwerte des Windes in Böen registriert: in der Zeit
vom 5. bis 6. Februar eine Bö bis 176 km/h und in der Zeit vom 6. bis 7. Februar
mehrere Böen hintereinander von 170 bis 172 km/h. Der niedrigste Barometer-
stand in den Sturmtagen damals betrug 725 mm. Wie Schubart‘) mitteilt, sind
nach Marine Observer in Guam auf den südlichen Mariannen sogar 285 km/h
gemessen worden und am 18. August 1923 wurden in Hongkong 240.7 km/h auf-
gezeichnet. Bei dem Bermudasturm am 26. April 1933 wurden 59 m/sec oder
212 km/h gemessen?). Man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß auf
offener See bei der dort verminderten Reibung Orkanböen zwischen 250 und
300 km/h möglich sind.
3. Der Gang des Luftdruckes in Flores und Angra ist in Fig. 4 dargestellt.
Flores, das der Bahn des Sturmwirbels am nächsten lag, weist ein Druckminimum
von 721.3 mm auf. In Horta tritt der tiefste Druck mit 723.1 mm 3!/, Stunden
später auf. Daraus ergibt sich eine mittlere Zuggeschwindigkeit des Sturmtiefs von
80 km/h. Im allgemeinen zeichnet sich das Vorüberziehen von Sturmwirbeln an
atlantischen Inseln durch eine besonders ausgeprägte Luftdruckkurve aus, Einem
sehr steilen Druckfall folgt in der Luftdruckkurve ein plötzlich einsetzender,
ebenso steiler Druckanstieg. Von vielen derartigen Beispielen sei nur auf die
in den Annalen der Hydrographie wiedergegebenen Luftdruckkurven vom Azoren-
Sturm am 26. Februar 19273) und dem Bermuda-Sturm am 27, bis 28. September
1908*) hingewiesen. Im Gegensatz dazu ist die Asymmetrie im Luftdruckgang von
Flores bei diesem Azoren-Sturm erwähnenswert. Die Stufe im Luftdruckgange
von Angra um 10h fällt zeitlich zusammen mit der vorübergehenden Drehung
des Windes von SW nach W (Fig. 3) beim Aufbau des kleinen Hochdruckrückens.
Anschließend fällt in Angra ebenso wie an den anderen Orten der Luftdruck
rasch gleichmäßig weiter. Dieser postfrontale Druckfall tritt nach Scherhag®)
in vielen Fällen auf und hat nichts zu tun mit Warmluftmassen, die das Tief
schon umströmt haben sollen.
4, Die Temperaturverhältnisse am Sturmtage. An allen 4 Stationen stieg, wie
die Thermographenkurven (Fig. 5) zeigen, nach Mitternacht beim Anrücken des
Sturmtiefs mit dem Vorstoß der Südströmung bis gegen 6h die Temperatur
rasch hoch und nahm dabei z, B. in Flores innerhalb 5 Stunden um 8.3° und in
Horta um 7.0° zu, Nach diesem Temperaturanstieg setzte in Flores und Horta
mit dem Vordringen der SW-Strömung sofort Temperaturabnahme ein. Angra
bleibt noch bis 10: im Warmluftbereich. Ponta Delgada behält im Laufe des
Tages dauernd die höchsten Temperaturen nach dem erfolgten Warmluftvorstoß,
es bleibt im Bereiche der subtropischen Luftmassen mit Temperaturen von 18
bis 19°, während an den anderen Stationen nur in den Maximalwerten vorüber-
gehend der Wert von 17° erreicht wird. Im Gegensatz zu dem gleichmäßigen
Temperaturverlauf in Ponta Delgada zeigen die westlichen Stationen, vor allem
ij L. Schubart, Praktische Orkankunde, Bln. 1934 S, 17. — ?) M. Rodewald, Der Bermuda-
orkan vom 26, April 1933, Der Seewart 1934 S. 119. — % Boy Ed.: Aus den meteorol, Schiffstage-
büchern der Deutschen Seewarte, Ann. d, Hydr, usw. 1928 S. 226. — *) Barth: Das Wetter auf dem
nordatl. Ozean 25. Sept. bis 13. Okt. 1903. Ebenda 1905 S. 97. — 5) R. Scherhag: Die Entstehung
des Nordsee-Orkantiels vom 19. Okt. 1935. Ebenda 1936 8. 153.