Ann, d. Hydr. usw., LXV. Jahrg. (1937), Heft IX.
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Orkanartiger Sturm auf den Azoren am 9. Februar 1936.
Von Alfred Lohr, Hamburg, Deutsche Seewarte.
{Hierzu Tafel 50 mit Figuren 1 bis 5.)
Zusammenfassung. Es wird die Entwicklung des Sturmtiefs in einer bis zur Halbinsel Florida
nachschleifenden Front eines nordatlantischen Tiefdruckgebietes erklärt und der Gang der meteoro-
logischen Elemente auf den Azoren beim Vorüberzug des Sturmtiefs besprochen. Der Verlauf des
Sturmes sowohl im Luv als auch im Lee der Insel Säo Miguel wird an einer Reihe von Beispielen
gezeigt und dabei besonders der Geländeeinfluß auf die Strömung erläutert. Im Schlußteil wird die
zerstörende Wirkung des Sturmes sowohl auf See als auch auf Land geschildert.
Während eines Aufenthaltes auf den Azoren im Februar 1936 hatte der Ver-
fasser Gelegenheit, den Verlauf und die Auswirkungen eines orkanartigen Sturmes
zu beobachten, der als charakteristisch für die Winterstürme auf den Atlantischen
Inseln zu bezeichnen ist,
Die Augenbeobachtungen und Bodenwindmessungen am Sturmtage wurden
vom Verfasser in Ponta Delgada und bei einer Querung der Insel Säo Miguel
ausgeführt. Die Messungen der übrigen meteorologischen Elemente und die
Registrierungen von diesem Tage an den vier Observatorien Ponta Delgada,
Angra, Horta und Flores wurden in entgezenkommender Weise von dem Direktor
des meteorologischen Dienstes auf den Azoren, Herrn Colonel Jos Agostinho,
und von den Leitern der Observatorien zur Verfügung gestellt. Für dieses
Entgegenkommen Dank auszusprechen, ist dem Verfasser eine gern erfüllte Pflicht.
Die Wetterlage bei Entstehung des Sturmwirbels,
Ein stationäres Kältehoch beherrschte, wie aus den Wetterberichten der
Deutschen Seewarte zu ersehen ist, schon seit einiger Zeit den nördlichen Teil
Nordamerikas mit einem Kern von 1045 mb, der am 8. Februar im südlichen
Teil der Rocky-Mountains lag. Es erstreckte sich über den ganzen Festlandblock
nördlich von 40° N-Br. und entsandte noch einen Keil von 1020 mb bis Florida,
Dieses Hochdruckgebiet war durch sehr niedrige Temperaturen ausgezeichnet.
Im Norden Kanadas herrschten bis — 42° und selbst auf 40° N-Br. wurden vor
dem 8. Februar 1936 aus dem westlichen Strombereich des Mississippi noch
Temperaturen zwischen 20 und 24° unter Null gemeldet, Gleichzeitig bedeckte
den Nordatlantik ein Tiefdruckgebiet, das von Neufundland bis zu den Britischen
Inseln und von Südgrönland bis 35° N-Br. sich ausdehnte. Sein Kern mit 965 mb
lag am 8. Februar auf 56° N und 35° W, Eine von diesem nordatlantischen Tief
bis Florida nachschleifende Front trennte den amerikanischen Hochdruck von
einem mittelatlantischen Hoch mit einem Kern von 1025 mb, das sich längs des
22. Breitengrades bis zur westafrikanischen Küste erstreckte. Auf der Ostflanke
des Festland-Hochs strömte im Rücken des nordatlantischen Tiefs frische arktische
Kaltluft weit südwärts, während auf der Nordseite des Mittelatlantik-Hochs zwischen
30° und 35° N-Br. Luftmassen subtropischen Ursprungs entlang strömten. Da-
durch trafen vor der amerikanischen Küste in Höhe von Cap Hatteras Luft-
massen mit negativer Temperatur auf solche von 19° bis 20° Wärme, Es kam
auf diese Weise in der Nacht vom 7. auf 8. Februar zur raschen Wirbelbildung
auf 36° N-Br, und 67° W-Lg. an der bereits erwähnten nachschleifenden Kaltfront
des Nordatlantik-Tiefs, Am 9. Februar um 1h G.M.T. ist dieser Wirbel auf
38° N-Br. und 42° W-Lg. angelangt und zog im Laufe des Tages, von einem
Sturmfeld begleitet, hart nördlich der Azoren ostnordostwärts vorüber.
Die beiden Karten (Fig. 1 und 2), welche die Druck verteilung im Bereiche der
Azoren am 9. Februar 13h und 18% G, M.T. darstellen, lassen den raschen Vor-
überzug des Sturmwirbels erkennen. Zur Zeichnung dieser Karten wurden die
funktelegraphisch eingelaufenen Meldungen von den Azoren und den Schiffen
im Bereich der Azoren noch ergänzt durch die Eintragungen aus den Schiffs-
tagebüchern jener Schiffe, die am Sturmtage in Nähe der Azoren sich befanden.
Um die Karten übersichtlich zu gestalten, wurde in den Fig. 1 und 2 nur ein
Ann. d. Hyar. usw. 1937, Heit IX.