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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

Kleinere Mitteilungen, 
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seiner transzendenten Struktur eignet sich das Diagramm am besten für die 
geographischen Breiten bis zu 60°, allerhöchstens bis zu 75°, 
Das Herrlesche Diagramm ist auf die von der Deutschen Seewarte heraus- 
gegebenen, vom Unterzeichneten bearbeiteten Größtkreiskarten für Luft- 
navigation übernommen worden, Dem im Jahre 1935 erschienenen Neudruck 
dieser Karten sind auf Blatt 4 einige Beispiele für die Entfernungs- und Kurs- 
bestimmung beigegeben, außerdem ein Beispiel für Funkortung durch Fremd- 
peilung unter Benutzung des Diagramms von Herrle. 
Auf diese letzte einfache Anwendungsmöglichkeit des Kursdiagramms — die 
vielleicht mehr didaktisches als praktisches Interesse hat!) — ist m. W. bisher 
von anderer Seite noch nicht hingewiesen worden. Man geht dabei nicht, wie bei 
jer üblichen Kursbestimmung, mit zwei festen Breitenangaben ein, sondern mit 
einem bekannten orthodromen Kurs und einer gegebenen Breite. Die Breite ist 
diejenige der peilenden (empfangenden) Station, der Kurs die — mit den ört- 
lichen Berichtungen beschickte — Richtung, aus der sie die Zeichen hört, Mit 
Hilfe des Diagramms wird die Breite ermittelt, unter der dieser Funkpeilstrahl 
den 20° von der Station entfernten Meridian schneidet, so daß der Peilstrahl als 
Gerade in die Größtkreiskarte eingetragen werden kann. Wird dasselbe Verfahren 
für eine zweite Station durchgeführt, die denselben Sender hört, so ergibt sich 
der Ort dieses Senders als Schnittpunkt der beiden Orthodromen (Funkpeil- 
strahlen) in der Größtkreiskarte, 
Das oben erwähnte Beispiel sei hierhergesetzt; es kann an Hand von Tafel 43 
im Jahrgang 58 (1930) dieser Zeitschrift verfolgt werden, auf der die Größtkreiskarten 
Blatt 3 und 4 der Deutschen Seewarte (Mittlerer Atlantischer Ozean und Asien— 
Europa) nebst dem Kursdiagramm (links unten) verkleinert wiedergegeben sind. 
Mombassa (4° S, 39.7° 0) hört Funkzeichen aus der Richtung 97°. Im Kurs- 
diagramm wird vom Kompaßmittelpunkt der Richtstrahl nach 97° gezogen und 
hierzu die Parallele durch den Punkt 4°8S auf „Startbreite West-Ost“ (links). 
Diese schneidet die mittlere Punktreihe „Ankunftsbreite“ unter 6° 8%). Diese Breite 
wird in der Karte auf dem Meridian 59.7° O0 (20 Längengrade östlich von Mom- 
bassa}) bezeichnet, Die Verbindungsgerade dieses Punktes mit Mombassa ist die 
Projektion des Funkpeilstrahls in die Karte. — Colombo (7°N, 79.9° 0) hört 
dieselben Funkzeichen aus der Richtung 230°. Im Kursdiagramm wird der Richt- 
strahl nach 230° vom Kompaßmittelpunkt aus gezogen und hierzu die Parallele 
durch den Punkt 7° N auf „Startbreite, Ost-West“ (rechts), Diese schneidet die 
mittlere Punktreihe „Ankunftsreihe“ unter 10°5S, Diese Breite wird in der Karte 
auf dem Meridian 59.9° O (20 Längengrade westlich von Colombo) bezeichnet. Die 
Verbindungsgerade dieses Punktes mit Colombo ist die Projektion des Funkpeil- 
strahls in die Karte. Der Sender befindet sich demnach im Schnittpunkt beider 
Peilstrahlen, unter 6,4°S und 64°O (die Rechnung ergibt 6.5°S und 63.9° 0). 
Diese graphische Auswertung von Funkortungen durch Fremdpeilung, die 
sich schneller durchführen als beschreiben läßt, ist also für alle Punkte jeder 
gnomonischen Karte anwendbar; bei nahezu meridional verlaufenden Peilstrahlen 
versagt sie allerdings. 
In genau der gleichen Weise dürfte dies Verfahren in der Erdbeben- 
[orschung gelegentlich zu gebrauchen sein, um aus den Beobachtungen zweier 
Erdbebenwarten schnell den Herd eines Bebens festzulegen, Das nachfolgende 
Beispiel kann ebenfalls an Hand der oben angegebenen Tafel verfolgt werden: 
San Fernando bei Cadiz (36.5° N, 6.2° W) verzeichnet ein Fernbeben aus 
der Richtung 240°, Martinique (Kleine Antillen, 14.6° N, 61.1° W) offenbar das 
gleiche Beben aus 100°. Um die in San Fernando festgestellte Richtung in die 
gnomonische Karte zu übertragen, zieht man im Kursdiagramm vom Kompaßmittel- 
punkt den Richtstrahl nach 240° und hierzu die Parallele durch den Punkt 36.5° N 
1) Auch zur graphischen Lösung der einfachen sphärischen Dreiecksaufgaben ist das Herrlesche 
Diagramm in Verbindung mit dem gnomonischen Netz natürlich geeignet. — *%) Die Bezeichnungen 
„Startbreite“ und „Ankunftsbreite“, die im Hinblick auf den hauptsächlichen Zweck des Diagramme 
beigefügt sind, wären bei dieser Aufgabe, rein äußerlich betrachtet, zu vertauschen, Festzuhalten ist, 
daß unverzerrte Richtungen nur an den beiden äußeren Punktfolgen ({„Startbreite, West-Ost bzw. 
Oat-West“)} angelegt werden dürfen.
	        
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