394 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1937.
ganz automatisch chemische Umsetzungen in den höheren Schichten der Luft.
hülle aus und müßte dementsprechend zu einer Vermehrung des Ozons führen,
Man könnte höchstens annehmen, daß trotz erhöhter Ozonbildung noch immer
mehr U.V.-Strahlung übrigbleibt als bei abgreschwächter Sonnentätigkeit, Das
aber steht mit den Ergebnissen der Ozonforschung in Widerspruch.
A. J. Higgs!) vom Mount Stromlo Commonwealth Solar Observatory in
Canberra unterscheidet zwischen den Stürmen des Frühjahrs und denen des
Herbsts, den ersteren spricht er mehr elektrischen Charakter zu, während diese
typisch zyklonischer Natur seien. Für diesem Unterschied macht Higgs den
wechselnden Ozongehalt in der Höhe von 45—-50 km verantwortlich, Außerdem
fand er hohe Ozonwerte stets mit zyklonischen (also Tiefdruck! d. Verf.) Be-
dingungen vergesellschaftet und umgekehrt. Damit in Einklang steht eine Fest-
stellung Dr. Harrisons?), der hohe Ozonwerte ebenfalls mit tiefem Luftdruck
und umgekehrt vorfand. Man müßte hier an eine Art Überkompensation denken,
weil ansonsten bei dünnerer Luft (Gebirge) die U, V-Strahlung ansteigt. Jones
Äindet die Feststellung Higgs’ und Harrisons als mit den seinen vollkommen
übereinstimmend.
Mr. R. M. Deeley®3) führt aus, daß in hohen Breiten der Luftdruck niedrig
ist, wenn gerade Sonnenflecken nahe der Sonnenmitte stehen. Hoher Luftdruck
kann dagegen in den gleichen Gegenden bei Fehlen von Flecken nahe der Sonnen-
mitte festgestellt werden. Es ist in diesem Zusammenhang vielleicht angebracht,
auf ähnliche Ergebnisse deutscher Forscher zu verweisen *).
Jones führt zu seinen oben erwähnten Mitteilungen eine Anzahl von Beob-
achtungen auch anderer Observatorien an. Zum Schlusse sei noch eine Mitteilung
M. Selgas®) erwähnt, die den Feststellungen Jones’ nicht widerspricht. Selga
schreibt, daß man die U.V.-Strahlung für die Bildung von Kondensationskernen ver-
antwortlich mache, ohne diese wäre keine Regenbildung möglich. So sei das Jahr
1911 in Westeuropa sehr trocken verlaufen, und die Philippinen-Inseln hätten ein
halbes Jahr später®) eine außergewöhnliche Trockenheit erlebt, für die man die
Sonnenflecken als Ursache annimmt. Im übrigen fand Selga eine Periodizität
heißer Sommer auf den Philippinen (Manila) in der Dauer von rund 11 Jahren,
womit der Anschluß an die Forschungen Jones’ vom engen Zusammenhang zwischen
Sonnenflecken und Witterung gegeben erscheint, Gerhard Schindler.
5. Verwendung des Kursdiagramms von G. Herrle in der Funkortung
(und in der Seismik). Für die Bestimmung von Kursen bei der Fahrt im größten
Kreise hat G. Herrle im Hydrographic Office in Washington bereits vor fast
fünfzig Jahren ein handliches Diagramm geliefert, das den amerikanischen Great
Cirele Sailing Charts beigegeben ist. Den zugrundeliegenden Gedanken hat
E, Weyer in einer ausführlichen Würdigung dieser Karten im 20. Jahrgang dieser
Zeitschrift (1892, S. 185ff.) erläutert: Es werden alle Kurse berechnet, die bei den
Fahrten von allen Breiten eines Meridians nach allen Breiten des um 20° ent-
fernten Meridians auftreten. (Der Längenunterschied von 20° ist durch Versuche
als der für die damaligen Zwecke empfehlenswerteste befunden worden.) Die
beiden Meridiane werden als Punktreihen, die von Grad zu Grad, oder in den
höheren Breiten in engeren Intervallen, fortschreiten, so in die Ebene umgelegt,
daß die von dem ersten, dem „Abfahrtsmeridian“, ausgehenden Kurse winkeltreu
sind. Die Kurse werden parallel in eine beigedruckte Kompaßrose verschoben
and dort abgelesen. An sich würde dabei die Zeichnung eines „Abfahrts“- wie
eines „Ankunftsmeridians“ genügen. Um jedoch alle Überlegungen überflüssig zu
machen, ist symmetrisch zum Ankunftsmeridian für Kurse mit West-Ost- und
für solche mit Ost-Westkomponente je ein Abfahrtsmeridian gezeichnet, Infolge
) A. J. Higgs: B. Sc. of Canberra; „Ozone‘“, — 2) Dr. Harrison: in „Nature“, Juli 1929. —
)) R. M. Deeley: in „Nature“, September 1930, — 4) O. Frh. v. Aufseß: Durchgang von Sonnen-
Äecken durch den Zentralmeridian und Luftdruckgestaltung in Zeitschr. f. angew. Meteor, ‚Das
Wetter“, 45, S. 243 und 278, — 0. Myrbach: Über den Begriff der „wirksamen Strahlung“ nach O,,
Frh. v. Aufseß, Zeitschr. £f. angew. Meteor. „Das Wetter‘“, 45, S. 247, -— %) Rev. Miguel Selga,
Director Weather Bureau: The Severity of Summers at Manila, Publications of the Manila Observatory,
Vol. II, No. 2. Manila, 1931. — %) Sonnenfleckenminimum : 1913, 6.