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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

34 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1937.

Erwärmung über Sloutzk (bei Leningrad) vom 11. zum 13. Dezember (siehe auch
Tabelle 4), wo gerade bis zum 11, Temperaturabnahme erfolgt war, Wir sind mit
dieser Zurückverfolgung in ein Gebiet gelangt, wo eine flache Tiefdruckrinne das
sibirische Hoch von einer über Skandinavien gelegenen Antizyklone trennte, und
man muß zugleich zu der Schlußfolgerung kommen, daß das Kältegebiet nur durch
diese Tiefdruckrinne hindurch hat südwärts vordringen können, gesteuert von dem
skandinavischen Warmlufthoch. Wie dabei ein solch wohl abgeschlossener Kaltlufttropfen
 entsteht, wollen wir an dem nächsten Beispiel näher studieren.
2, Die Steuerung des Höhentiefs und Kältezentrums vom 25, bis 26. April 1936.
Bevor wir das gefundene Gesetz für die Steuerung eines Höhentiefs erklären,
 wollen wir es durch ein zweites Beispiel erhärten, wo ein — allerdings
nicht so gut ausgeprägter — Kaltlufttropfen bei entgegengesetzter Bodendruckverteilung
 auch entgegengesetzt zog,
Fig. 9 (Tafel 11) zeigt die Höhenlage der 500 mb-Fläche am 25, April 1936,
8 Uhr, Ein abgeschlossenes Höhentief, belegt durch eine Höhenwindmessung
von Warnemünde und zwei Wolkenmessungen von List auf Sylt und Hamburg,
liegt über Mecklenburg, das ebenso wie im
vorigen Beispiel mit einem Kaltlufttropfen
zusammenfällt (Fig. 8) und von dem die
Bodenisobaren (vgl. die gestrichelten Linien
in Fig. 8) wieder nichts erkennen lassen,
Die Bodendruckverteilung weist im Bereich
des Höhentiefs in diesem Falle eine Druckabnahme
 von Süd nach Nord auf, und die
durch das Zentrum verlaufende Isobare verläuft
 nach Westpolen.
Am nächsten Morgen (Fig. 10 u. 11)
liegen Kaltlufttropfen und Höhentief tatsächlich
 arı der unteren Weichsel.‘ In Fig. 12
ist die berechnete Bahn dieses Höhentiefs
ebenfalls eingezeichnet, und der wirklich
beobachtete Ort weicht nicht erheblich von
dem berechneten ab, Die Bestimmung des
Zuges war in diesem Falle aber weit weniger genau möglich, da die Bodendruckyverteilung
 nicht so gleichmäßig war und stärkere Änderungen erfuhr. Soweit es
die Beobachtungen gestatten, hat sich auf jeden Fall unser Gesetz bestätigt, daß
das Kältegebiet und Höhentief von den Bodenisobaren gesteuert werden,
Jetzt zunächst einige Worte über die Entstehung solch abgeschlossener Kaltlufttropfen.

3. Die Entstehung eines abgeschlossenen Höhentiefs,
Das Beispiel von der dritten April-Dekade dieses Jahres zeigt die Entstehung
 eines abgeschlossenen Kaltlufttropfens und des damit in Verbindung
stehenden Höhentiefs mit jeder wünschenswerten Deutlichkeit: Auf der Rückseite
eines mitteleuropäischen Tiefs strömt arktische Kaltluft nach Deutschland. Eine
am 22, April 1936 auf dem mittleren Abschnitt der nordamerikanischen Schifffahrtswege
 gelegene Depression rückt bis zum 24, unter erheblicher Vertiefung
zum Meeresgebiet südlich Island vor, womit über ganz Nordwesteuropa die
vorher herrschende Nordströmung in eine südöstliche Luftbewegung umschlägt
und die Kaltluftzufuhr unterbunden wird. Die auf der Vorderseite des atlantischen
Tiefs ostwärts vorstoßende Warmluft dringt am 23, bereits bis nach Holland
vor, und da zugleich über Mitteleuropa noch eine wärmere Südströmung in der
Höhe vorhanden ist, wird die arktische Luft auf eine schmale Zunge eingeengt.
Bis zum 24, ist der Nachschub von Kaltluft von Norden her dann völlig unterbrochen
 worden, die Warmluft des Islandtiefs erreicht schon Skandinavien,
Jetzt wird die Kaltluftzunge zum Kaltlufttropfen,
Ebenso ist die Entstehung des Kaltlufttropfens im ersten Beispiel zu erklären:
Extrem kalte Luft polaren Ursprungs strömt am 10, Dezember 1935 über
            
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