accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

368 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1937, 
Zyklonenschema enthaltener Forderungen, die der synoptischen Aerologie 
nicht standgehalten haben: Niemand wird heute mehr die Anschauung 
von dem rein thermischen Aufbau der Druckwellen aufrechterhalten 
können, und die Rolle des Tropopausentrichters ist durch die Unter- 
suchungen von Palmen einwandfrei nachgewiesen worden. Auch prä- 
frontaler Regen vor der Kaltfront verleitet die See-Institute jetzt nicht 
mehr zum Zeichnen einer Okklusion, die nur noch für alle sicheren Fähle 
reserviert bleibt und deren Zeichnung man —- nicht zuletzt im Interesse der 
Praxis — vielleicht noch mehr einschränken sollte: Es erscheint sehr wohl 
möglich, daß sich eine Okklusion schon nach kurzer Zeit in eine gewöhnliche 
Kalt- oder Warmfront verwandelt, da eine etwaige Schale warmer Luft 
dureh die in der Höhe dabei divergierenden Winde immer rasch zerstört wird 
und uns ja die Höhenaufstiege tatsächlich nur selten eine echte Okklusion 
zeigen, obwohl so viele Zyklonen im abgestorbenen Zustand das europäische 
Festland erreichen, Es scheint mir deshalb durchaus angebracht, die Kaltfront 
auch nach erfolgter Okklusion ohne weiteres als Kaltfront beizube- 
halten, wenn aus den Meldungen der Kaltfrontcharakter der Diskonti- 
nuität einwandfrei hervorgeht. Ebenso wird man die ursprüngliche 
Vorstellung von den Gleitprozessen in der Atmosphäre sicher nicht mehr auf- 
rechterhalten können, die Prozesse sind wesentlich verwickelter, und daß 
in gewissen Fällen — erinnert sei z.B, an die Nachtgewitter — der Warmluft- 
vorstoß gerade in den unteren Schichten erfolgt, kann wohl auch kaum mehr 
zweifelhaft sein. Wenn wir alle diese Einschränkungen des ursprünglichen 
„idealen Zyklonenschemas“ beachten, so bleibt dann aber ein Gerippe der nor- 
wegischen Zyklonentheorie übrig, das wir als völlig gesichert ansehen können, 
und es zeigt sich, daß dann die Arbeitsmethode an verschiedenen Instituten zu fast 
völlig gleichartigen Analysen führt: Die Synthese zwischen der „nordischen“ 
und „mitteleuropäischen“ Auffassung wird dann weiter durch die Einbeziehung 
des Problems der Steuerung ebenso herbeigeführt wie durch die Beachtung, 
daß auch stratosphärische Vorgänge zweifellos für die Umgestaltungen der 
Großwetterlage von maßgebender Bedeutung zu sein scheinen. 
[st also die Frontologie ein unentbehrlicher Bestandteil des Wetterdienstes 
geworden, so muß aber eine wesentliche Einschränkung gemacht werden: Wir 
erkennen die deutliche Front nur in den Bodenwetterkarten und finden sie 
kaum jemals in einer Höhenwetterkarte wieder. Man könnte glauben, 
daß dies nur an der geringeren Dichte der aerologischen Beobachtungen liege, 
and es hat micht an Versuchen des Nachweises von Höhenfronten gefehlt, ohne 
daß aber bis jetzt ein eindrucksvolles Ergebnis erzielt worden wäre. Wir wollen 
nun im folgenden nachweisen, daß die Front oder Diskontinuität tatsächlich 
nur eine Erscheinung der unteren Luftschichten sein kann. 
Zwei Vorgänge sind dafür entscheidend und beide hängen mit der Reibung 
an der Erdoberfläche zusammen: 
Zunächst ist es die einströmende Komponente in den untersten 1500 m 
der Troposphäre, die das Zustandekommen einer echten Diskontinuität 
in der Temperatur überhaupt erst ermöglicht. Wenn nämlich im Grenz- 
gebiet zwischen einem kalten und einem warmen Hochdruckgebiet eine Frontalzone 
zur Ausbildung gelangt, so strömen.nur in den untersten Schichten Kalt- und 
Warmluft direkt, bei einem Einströmungswinkel von 45° sogar gerade gegen- 
einander, Luft von gänzlich abweichenden Klimagebieten kann bei einiger- 
maßen gewahrter Stationärität dieses Vorgangs dabei in unmittelbare Nachbar- 
schaft gelangen, wie wir es als notwendige Bedingung für die Entstehung von 
Sturmdepressionen in dieser Zeitschrift schon öfters kennengelernt haben. 
Mit der Höhe nimmt dieser Einströmungswinkel nun sehr rasch ab 
und geht schon in 1500 m Höhe auf den Betrag von etwa 2° zurück. Daher ist 
schon in diesem niedrigen Niveau ein Gegeneinanderströmen verschiedener 
Luftmassen außerordentlich erschwert. 
Es wird sich also schon in 1500 m Höhe kein schroffer Temperatur- 
sprung mehr ausbilden können, und diese Tatsache wirkt sich schon auf
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.