Sturm, H.: Kaltluftzirkulation auf der Rückseite einer Zyklone. 365
08 Uhr folgender Bodenstationen aus dem Breslauer Wetterdienstbezirk (siehe
Wetterkarte des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Breslau vom 11. März 1936):
Festenberg, Schweidnitz, Gr.Iser, Steinau, Breslau-Krietern, Neustädtel und Steinberg.
Der Breslauer Klartext vom 11. März 08 Uhr meldet u. a. ....“ 4/10 Ac-cast etwa
2500 m im W-Halbraum,.“ ,... Nach G. Stüve und R.Mügge (so) kommt es
zur Ausbildung solcher Acu-cast und Cieu-Wolkenformen vornehmlich bei lebhaftem
Westwetter durch Kaltlufteinbruch in der Höhe, der dem unteren Kaltlufteinbruch
um mehrere Stunden, selbst bis zu einem Tag vorauseilen kann.
Den Vorstoß der Kaltluft in der Höhe, den wir in den nächsten Abschnitten
weiter dus der zeitlichen Änderung der Zustandsdiagramme erkennen können,
machen wir auch verantwortlich für die Niederschläge, die zum 08 Uhr-Termin
des 12, März im Warmsektor der Zyklone fallen (siehe Abb. 1, Karte 3). Die in
der Höhe über dem Warmsektor infolge des Kaltluftvorstoßes sich notwendig
ainstellende instabile Schichtung führt zu Umlagerungen, die zunächst auf die
höheren Schichten über dem Warmsektor beschränkt bleiben, dann aber mehr
und mehr auch die untersten Luftmassen miteinbeziehen. Dadurch aber wird
die potentiell kältere Luft nach unten transportiert, es kommt zur Einschnürung
des Warmsektors, zur Okklusion, ganz im Sinne der von P. Raethjen in der
„Gleichgewichtstheorie der Zyklonen“ (16) entwickelten Gedankengänge.
2. Aus Zustandsdiagrammen,
a) Aus der Zunahme des vertikalen Temperaturgradienten
in der Höhe.
Aus den im Stüve-Diagramm (Abb. 4, D1 und D2) dargestellten Höhen-
aufstiegen vom 12. März 1936 08 Uhr von Berlin, Lindenberg und Königsberg
(Abb. 4, D2) stellen wir über feuchtstabil geschichteten mittleren Luftmassen
(etwa zwischen 850 und 650 mb) eine deutliche Zunahme des vertikalen Temperatur-
gradienten fest, der über Lindenberg und Königsberg in der gleichen Höhe für
eine gleichstark ausgedehnte Schicht (etwa 650 bis 565 mb) schwach feucht-labilen
Charakter annimmt.
b) Aus der Änderung des vertikalen Gradienten der
äquivalentpotentiellen Temperatur.
In (Abb. 4, D 1 und D2) sind rechts die äquivalentpotentiellen Temperaturen
gleich im Stüve-Diagramm miteingetragen. Wir erkennen im Aufstieg von
Lindenberg und Königsberg (Abb. 4, D2) in der obersten Schicht deutlich die
Störung des vertikalen Gangs der äquivalentpotentiellen Temperatur. Die normaler
Weise mit der Höhe vorhandene Zunahme der äquivalentpotentiellen Temperatur
wird gestört durch eine, wenn auch nur schwache, Abnahme bei etwa 660 mb.
Der ungestörte Verlauf ist punktiert eingezeichnet. In der vom Berliner Aufstieg
erfaßten obersten Schicht stellen wir, wenn auch nicht eine Abnahme, so doch
eine Aufsteilung des Kurvenverlaufs fest.
c) Aus der zeitlichen Änderung der Zustandsdiagramme.
In Abb. 4, D 1, in welcher die Aufstiege vom 11. u. 12. März 1936 von Berlin,
Lindenberg und Königsberg eingetragen sind, können wir folgendes feststellen:
Die Abkühlung, die wir nach dem bisher Mitgeteilten als zuerst in oberen Schichten
der Troposphäre eingetreten ansehen müssen, durchsetzt im Laufe des 11. März
durch die dauernd statthabenden Umlagerungen und den damit verbundenen
Niederschlägen über der Ostsee und dem mittleren Norddeutschland (Gewitter!)
auch die unteren Troposphärenschichten, wie wir aus der vom Gipfel bis Boden
gleichmäßigen Abkühlung zwischen 08 Uhr und 19 Uhr des 11. März in den Auf-
stiegen von Berlin und Lindenberg ersehen können. Die stärkste Abkühlung
stellt sich jedoch gleichzeitig mit der in der Nacht stattfindenden Zyklogenese
ein, und zwar auch hier wieder durch die ganze untere Troposphäre hindurch.
Aus der zeitlichen Änderung der Zustandsdiagramme von Königsberg sehen wir
noch einmal ganz eindeutig, daß es sich bei dem zur Zyklogenese führenden
Kaltlufteinbruch um einen Vorstoß der Kaltluft in der Höhe handelt.
Ann. d. Hydr. usw. 1937, Heit VI.