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; Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1937,
Die vorherrschend aufwärtsgerichteten Veertikalbewegungen innerhalb der
geschlossenen flüssigen Linie I und die absteigerden Vertikalbewegungen innerhalb
der geschlossenen flüssigen Linien II bis IV stehen auch in gutem Zusammenhang
mit den zwischen 19 Uhr und 08 Uhr gemessenen Niederschlagsmengen in den
von den flüssigen Linien I bis IV bestrichenen Gebieten (siehe Abb. 1, Karte 4).
Dabei enthalten vermutlich die gemessenen Niederschläge zum Teil auch Aufgleit-
regen, der der auf die Nordwest- und Westseite der Zyklone in der Höhe schon
herumgeführten Warmluft entstammt. Wir können aus der erwähnten Karte
eine ausgesprochene Niederschlagsarmut in den von den flüssigen Linien II bis IV !)
bestrichenen Gebieten und einen ausgeprägten Niederschlagsreichtum in dem von
der flüssigen Linie I bestrichenen Gebiet feststellen.
V. Das Voreilen der Kaltluft in der Höhe,
1. Aus der Wetterlage vom 10. bis 12, März 1986.
Als besonders augenfällige Erscheinung entnehmen wir den Höhenwetterkarten
vom 10.%) bis 12. März 1936, Abb. 2, Karten 1 bis 6, über dem Entstehungsraume
der Ostseezyklone eine zeitlich und mit der Höhe zunehmende Strömung, Dabei
bringt vom 11. zum 12. März die untere süd- bis südwestliche Strömung (Abb. 2,
Karten 1, 2 und 4, 5) warme Luftmassen aus dem Mittelländischen Meer und den
Balkanstaaten (Abb. 2, Karte 11) und der obere West- bis Westnordwest- vom
11. zum 12, auf Nord drehende Wind (Abb, 2, Karten 3 und 6) kalte Luft arktischen
Ursprungs nach dem mittleren und östlichen Ostseeraum (Abb. 2, Karte 12).
Durch diese Windschichtung, insbesondere durch die stark aktive Strömung am
Vorderrand der Kaltluft, die wir erstens aus den Höhenwetterkarten vom 12, März
(Abb. 2, Karten 1 bis 3) entnehmen können und zweitens durch die Höhenwind-
messungen von Lindenberg (Abb. 4, D 1)% bestätigt finden, kommt es über dem
Entstehungsgebiet der Zyklone zur Entstehung potentieller Energie vertikaler
Schichtung, A. Refsdal (zo) nennt diese Form der Energie Labilitätsenergie,
Die Gebiete vergehender und entstehender potentieller Energie vertikal benachbarter
Luftmassen haben wir in einer Karte der Stabilisierungs- und Labilisierungsgebiete
vom 11./12. März 1986 dargestellt; über ihre Gewinnung siehe III, 3b. Wir weisen
nier nur auf die außerordentlich gute Übereinstimmung von Labilisierungsgebiet
und Entstehungsgebiet der Zyklone hin, ohne in dieser Arbeit näher auf die sich
aufdrängende Frage nach der Energetik dieser Zyklone einzugehen. Diese soll
im einzelnen in einer späteren Arbeit noch behandelt werden. Vorgreifend darf
hier schon mitgeteilt werden, daß der Gewinn an Strömungsenergie dieser Zyklone,
die als ein ausgesprochenes Beispiel eines Übergangs vom „Wellentyp“ zum
„Vertikalzirkulationstyp“ nach P. Rsethjen (19)*) angesehen werden muß, zum
mindesten teilweise aus thermodynamischen Kreisprozessen [„Teilstreckenzirku-
lation“ nach P. Raethjen (19)] innerhalb der Rückseitenkaltluft hergeleitet werden
kann. Eindrucksvoll zeigt vor allem die Karte der Stabilisierung und Labilisierung,
Abb. 8, daß mit der vom 11. zum 12. März stattgefundenen Zyklogenese nicht
ein Abbau, sondern ein Aufbau potentieller Energie der Luftmassen (10), eine
Labilisierung, Hand in Hand ging.
Auf das Voreilen der Kaltluft in der Höhe müssen wir auch die mit Gewittern
verbundenen starken vertikalen Umlagerungen, die in der Nacht vom 10./11. März
Aber dem mittleren Norddeutschland (siehe Wetterkarte des Reichswetterdienstes,
Ausgabeort Magdeburg und Berlin vom 11, März 1936) und am 11. März 1936
am 19 Uhr (siehe Abb. 1, Karte 1) über Grünberg sich einstellten, zurückführen.
Diese Annahme des Voreilens der Kaltluft in der Höhe als Ursache für die Gewitter
Ändet eine wesentliche Stütze durch die Augenbeobachtungen der Breslauer
Wetterflieger und durch Cieu- und Acu-cast-Wolkenbeobachtungen vom 11, März
1) Die flüssigen Linien II und KIT sind in Abb. 1, Karte 4 nicht mitenthalten, da deren Ver-
lagerung nur bis 05 Uhr verfolgt wurde. Ihre ungefähre Lage und Größe zum 08 Uhr-Termin kann
aber leicht aus der Lage und Größe zum 05 Uhr-Termin (Abb, 1, Karte 2) abgeschätzt werden. —
*) Die Höhenkarten vom 10. März 1936 konnten aus Platzmangel nicht mit aufgenommen werden,
ziehe dafür die Höhenkarten der Dt, Seewarte, — %) Au den Windpfeilen der Höhenwinde bedeutet
sin langer Strich 4 m/sec. — 4) Siehe bes. Abb. 5b.