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Full text: 65, 1937

352 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1937. 
man sie beliebig lange mitschleppen lassen und bequem einholen kann, Nur 
bei höchster Sorgfalt (rasches Einholen und sofortiges Ablesen an schattiger, 
windgeschützter Stelle) mag es gelingen, die Temperaturen auf wenige Zehntel- 
grade genau zu erhalten; bei weniger sorgfältiger Handhabung sind Fehler bis 
zu 1° zu befürchten, abgesehen von der möglichen Fälschung des Salzgehalts 
durch die schwer zu vermeidenden Salzrückstände. 
Das Aufschlagen einer genügend großen Wassermenge in einer Zinkpütz 
— an sich das vertrauenswürdigste Verfahren — erfordert auf größeren Schiffen 
bei 10 bis 12 kn Fahrt schon eine auch bei Seeleuten nicht immer vorhandene 
Geschicklichkeit; für Beobachter, die dabei ohne see- 
männische Hilfe auskommen müssen, ist es meist 
wenig erfreulich. 
Über das Marine-Schöpfthermometer und seine 
Zuverlässigkeit sind die Meinungen geteilt, H, Tho- 
rade!l) fand bei Vergleichsbeobachtungen (Zink- 
pütz und Schöpfthermometer) in den isländischen 
Gewässern, daß die mit dem Schöpfthermometer ge- 
messenen Temperaturen im Mittel um 1° zu niedrig 
waren (!), E. Kuh lbrodt*) kommt in der Erörterung 
der Messungen von der Deutschen Atlantischen Ex- 
pedition und weiterer Vergleichsmessungen zu dem 
Ergebnis, daß „ganz überwiegend die vorhan- 
dene Lufttemperatur die Eigentemperatur”‘ des 
Schöpfthermometers vor der Messung bestimmt und 
äaß der Fehler . . . des Schöpfthermometers . . . dem 
Vorzeichen nach eindeutig bestimmt ist durch das 
Vorzeichen der Temperaturdifferenz Luft — Wasser 
‘auch der Größenordnung entsprechend).“ Der Fehler 
Jeträgt in den tropischen und subtropischen Breiten 
nach Kuhlbrodt im Mittel nur — 0.1°. Einzelwerte 
werden nicht mitgeteilt; auf einer Reise nach Süd- 
amerika wurde, wenn die Temperaturdifferenz 
Luft—Wasser zwischen — 0.6° und — 1.5° lag, mit 
dem Schöpfthermometer im Durchschnitt 0,3° weniger 
gemessen als in der Zinkpütz. Kuhlbrodt kommt 
zu dem Ergebnis, daß es für eine völlig einwand- 
freie Temperaturangabe erforderlich sei, das Thermo- 
meter zwecks völliger Angleichung an die Wasser- 
;emperatur mehrere Minuten in der Oberfläche zu 
belassen, — Dies ist aber bei fahrendem Schiff mit 
der gewöhnlichen Form des Schöpfthermometers 
nicht möglich, ganz davon abgesehen, daß die in ganze Grade geteilte Papier- 
skala zu einem vollwertigen Thermometer für wissenschaftliche Beobachtungen 
nicht paßt, . 
Den eben erwähnten Grundsatz, das Thermometer bereits jn der Meeres- 
oberfläche durch längeres Mitschleppen völlig an die Wassertemperatur anzu- 
gleichen, hat O. Sund?) schon vor längerer Zeit mit seinem Oberflächenschöpfer 
befolgt, der auch gestattet, einwandfrei eine Wasserprobe für die Salzgehalts- 
bestimmung zu nehmen, Dies Gerät — auf das auch Kuhlbrodt hinweist — ist 
vom Verfasser bereits vor einigen Jahren in dieser Zeitschrift kurz beschrieben 
worden‘). Auf Grund der überwiegend guten Erfahrungen mit dem aus Norwegen 
+) H, Thorade: Bericht über Kimmtiefenbeobachtungen an Bord des V,S, „Meteor“ auf. der 
[slandfahrt 27. Juli bis 26. Sept, 1929, In: Kimmtiefenmessungen an Bord von Schiffen der Reichs- 
marine. Veröff, d. Marineobservatoriums Wilhelmshaven, Berlin 1930, S, 20/21, — % E. Kuhlbrodt 
and J. Reger: Die meteorologischen Beobachtungen usw. Wissensch. Ergebnisse der Disch. Atlant. 
Expedition auf „Meteor“ 1925/27. Band XIV, 1. Lieferung, Abschnitt A, Berlin und Leipzig 1936, 
S 24—27. — ?) O. Sund: A new speed surface sampler. Journal du Conseil, Vol, VI, 1931, S, 419/20, 
— 4) A. Schumacher: Zwei Oberflächenschnitte durch das nordwestafrikanische Auftricbwasser. 
Ann. d. Hrdr. 61. 1933, S. 333/34. 
A
	        
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