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Full text: 65, 1937

346 Annalen der Hydrographie und Maritimenm Meteorologie, August 1937, 
Nimmt man diese Unterschiede als reell an, dann erscheint es unmöglich, daß 
das Tiefenwasser des Yukatan-Beckens vom Karibischen Becken her gespeist wird, 
Umgekehrt wäre eine Erneuerung des Tiefenwassers des Karibischen Beckens 
vom Yukatan-Becken her denkbar, sobald die Satteltiefe der Jamaika-Schwelle 
in etwa 2750 m läge. Wir sehen an diesen Verhältnissen ein Beispiel, bei dem 
aus der potentiellen Temperatur allein sowohl über die Satteltiefe wie über den 
Ursprung des Tiefenwassers keine eindeutige Entscheidung getroffen werden 
kann. Die Sauerstoffvrerteilung liefert in diesem Falle einen wertvollen 
Anhalt, Der Vertikalschnitt, in dem die Sauzerstoffverteilung in Prozenten der 
Sättigung dargestellt ist (Abb. 2) lehrt uns, daß das Tiefenwasser im Yukatan- 
Becken erheblich sauerstoffreicher ist als im Karibischen Becken, In den großen 
Tiefen ist es zu mehr als 85% gesättigt, während es im Karibischen Becken zu 
69 bis 75% gesättigt ist. Nach dieser Darstellung erscheint es — was in den 
minimalen Temperaturunterschieden im Bodenwasser beider Becken schon an- 
gedeutet war — unmöglich, daß das Wasser des Cayman-Grabens vom Kari- 
bischen Becken Tiefenwasser erhält, da es im Cayman-Graben erheblich sauer- 
stoffreicher ist, Es ist aber auch nicht möglich, die Jamaika-Schwelle auf 2750 m 
zu drücken, was nach der Temperaturverteilung notwendig erschien, damit Wasser 
vom Yukatan-Becken in das Karibische Becken übertreten kann; denn in diesem 
Falle müßte das Karibische Tiefenwasser in der Tiefe zu etwa 80% an Sauerstoff 
gesättigt sein. Es liegt vielmehr die Satteltiefe der Jamaika-Schwelle nach der 
Sauerstoffverteilung oberhalb von 1400 m. Da in diesem Horizont aber bereits 
in beiden Becken das Wasser potentielle Temperaturen von 4.2° besitzt, kann 
das Bodenwasser des Karibischen Beckens nicht aus dem Yukatan-Becken stammen. 
Damit bleibt nur die Möglichkeit offen, daß jedes Becken seine eigene Ver- 
bindung mit dem Atlantischen Ozean besitzt. 
Die nächstliegende Frage ist jetzt, wo man diese Durchlässe zu suchen hat, 
und wie groß ihre Satteltiefen sind? 
Für das Yukatan-Becken kommt einzig und allein die Windward-Passage 
zwischen Kuba und Haiti als Durchlaß in Frage. Der Schnitt der potentiellen 
Temperatur (Abb. 3), der wiedergegeben ist, verläuft vom östlichen Cayman- 
Graben durch die Straße in das Nordamerikanische Becken. Aus der potentiellen 
Temperatur ermitteln wir die Satteltiefe zu 1600 m, Die Sauerstoffverteilung 
in Prozenten der Sättigung (Abb. 4) steht in guter Übereinstimmung zum Schnitt 
der potentiellen Temperatur. Es gilt für alle Stationen im Karibischen Becken, 
im Yukatan-Becken und sogar in dem tiefen Cayman-Graben, daß nirgends eine 
merkliche Reduktion des Sauerstoffgehaltes mit zunehmender Tiefe zu beobachten 
ist, Im Gegenteil ist im allgemeinen in den größeren Tiefen eine geringe Zu- 
nahme festzustellen (s. Abb. 2), einmal ein Zeichen für die gute Durchlüftung der 
Tiefseebecken, weiter ein Beweis dafür, daß die Erneuerung des Tiefenwassers 
von den bodennahen Schichten ausgeht. 
Schwieriger als im Yukatan-Becken ist die Frage der Erneuerung des 
Tiefenwassers für das Karibische Becken zu klären. Da ist zunächst das Problem, 
wo überhaupt der maßgebende Durchlaß zu suchen ist, in der Anegada-Passage 
oder zwischen den Kleinen Antillen, Nach der Tiefenkarte kann man keine ein- 
deutige Antwort geben. 
Es muß zunächst festgestellt werden, daß nach der Übersichtskarte des 
Hydrographic Office über die westindischen Gewässer!) und nach der Tiefen- 
karte von Th. Stocks?) sämtliche tiefen Durchlässe zwischen den Kleinen Antillen 
in die randliche Einmuldung im östlichen Karibischen Meer führen. Mit zwei 
Schnitten, den einen durch diese randliche Einsenkung, den anderen durch die 
Anegada-Passage, muß sich daher die Frage nach der Herkunft des karibischen 
Tiefenwassers entscheiden lassen. 
Der Schnitt der potentiellen Temperatur (Abb. 5) verläuft vom SE-Karibischen 
Becken durch die randliche Einmuldung, weiter über den Antillenbogen durch 
1) Gulf of Mexico and Caribbean Sea including the West Indies, Hydrographic Office, U.S, Navy. 
Washington 1925, — 2) Th. Stocks, G. Wüst: Die Tiefenverhältnisse des offenen Atlantischen Ozeans, 
Wiss. Ergeb, d. Deutsch, Atl. Exp., Bd. 11T, LI Teil. Berlidp. 1935.
	        
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