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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1937.
Man sieht aus dem Skizzierten, welch weites Feld zu betrachten ist, um
eine Erklärung für verhältnismäßig engbegrenzte Vorgänge zu finden und deren
Vorhersage näherzukommen. M. Rodewald, Hamburg.
3. Klimatographische Witterungsschilderung. Nr. 99: Seeverkehrsweg:
Golfstrom-Region. — Aus der Sammlung des überseeischen meteorologischen Dienstes
der Deutschen Seewarte. — Witterungsyverlauf an einem Frühlingstage bei
den nördlichen Bahama-Inseln. Beobachtungstag: 24. April 1936.
Mittags-Schiffsort: 26.1° N, 79.3° W. Wir befinden uns zwischen den Bahama-
Bänken. Der Morgen beginnt wunderschön. Kaum ein Hauch bewegt die weite
Wasserfläche, Schon vor Sonnenaufgang ist es warm und angenehm. Auf dem
hellblau sich lchtenden Himmel schweben hauchzarte, feine Ci in Büscheln. Im
E stehen einige grauschwarze
Cu-Türme mit weit nach S
ausgezogenem Amboß. Auf
allen Tönen liegt eine duftige,
pastellartige Weichheit. Als
die Ci sich in erstes Rosa
tauchen, bleiben die Cu noch
dunkel, aber nicht drohend
schwarz, sondern in einer
schwarzgrauen, angenehm
weichen Schattierung, Tiefer
und tiefer strahlt das Rot der
Ci, Weit unter der klaren
Kimm stehen Cu-Türme, deren
oberer Teil bei dem sichtigen
Wetter scharf und deutlich
über die Kimm ragt. Noch
immer ändern die Cu ihre Farbe nicht, obsehon sich die Ci über uns immer
heller färben. Als aber die weit entfernten, eben über der Kimm stehenden Ci
tiefrot erglühen und wie von Feuer glimmen, strahlt auch der Unterrand der Cu
in rosigroter Schöne. Das Leuchten verstärkt sich, und das Auge erkennt immer
deutlicher den Punkt, an dem gleich die Sonne auftauchen muß.
Plötzlich erscheint an dieser Stelle drei bis vier Sekunden lang und sehr
schnell wachsend ein hellgrün strahlender Fleck, der ebenso plötzlich in der
fünften Sekunde in ein tiefglühendes Rot übergeht. Das Rot erweitert sich weiter
wachsend schnell zum strahlendroten Sonnenball. Mit einem Schlag sind ringsum
die grauen Cu an der Seite mit zartem Rot bedeckt. Der Himmel leuchtet blau,
und die Ci schimmern heller und heller. Bald strahlen sie in blendendem Weiß,
während die Cu-Türme in goldengrauer Schattierung leuchten.
8h: t, 24.08; tw 25.1°; £ 81%. Die Sonne glüht und sticht. Die See wird spiegel-
glatt, Nur ein ganz leichter Hauch weht aus SW, — 12h: t; 25.0°; tt" 27.0°; £ 76%.
Haufenwolken umgeben rings den Horizont. Es wird immer wärmer. — 15h;
Über den Wolkenkratzern von Miami, tief unten am Horizont, türmen sich zu
gewaltiger Höhe riesige Gewitterwolken. Drohend schwarz hängt unter ihnen
der Regenschleier. Die Sonne glüht aufs Schiff. Immer gewaltiger ragen die
Wolkentürme, immer näher rückt die Regenwand. Im Regen verschwimmt bereits
die großartige Silhouette der Stadt. — 16h: t, 25.5°; t„ 27.5°; £ 65%. Um 1615h erreicht
uns der Gewitterschauer. Es gießt in Strömen. Die Sicht wird sehr schlecht, —
Den um 17% abziehenden Schauer ziert ein herrlicher Regenbogen, während
über dem Land die Sonne und Acu-Bänke vor ihr ein wundervolles Schauspiel
bieten (s. Abb). Mit deutlich „grünem Strahl“ verschwindet die Sonne, unter den
schweren Wolken hervorlugend. An dem wunderschönen Abend leuchten an vielen
Stellen die Blitze ferner Gewitter über Land und Meer, — 20h; t, 25.1°; tw 25.0°; 179%,
Die Lufttemperatur und -feuchte wurden mit einem Aspirations-Psychrometer,
die Wassertemperatur mit „Admiral“ und Bordwasserthermometer bestimmt.
H. Edeler.