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Annalen der Hydrographie und Maritimem Meteorologie, Juli 1937.
Ein zunächst bescheidenes Druckfallgebiet taucht im N auf — über der
meldungsarmen mittleren oder nördlichen Nordsee manchmal gar nicht auszumachen
—, im SW bleibt der Druck gleich, beginnt oder fährt fort zu steigen,
der Druckfall, meist auf OSO-Kurs liegend, verstärkt sich rasch, wenn auch nicht
übermäßig: und binnen weniger als 12 Stunden kann voller Nordweststurm da
sein, weil Druckfall und Druckanstieg so koordiniert waren, daß sie in der Verstärkung
des Druckgefälles zusammenarbeiteten (Stürme „nachholender Natur“). —
Am 6. Mai und am 2. Juni 1937 ereigneten sich die letzten beiden Fälle dieser
Art, und man wird beim Studium der entsprechenden Wetterkarten (siehe des
näheren den Tägl. Wetterbericht des Deutschen Reichswetterdienstes, herausgegeben
von der Deut-516
512 — — . 508 schen Seewarte) 50-T
gleich feststellen können,
daß diese Stürme
— was Großwetter-508
lage,Massen verteilung
und Druckänderungssysteme
(vgl. 24stün-#6
dige Änderung vom
52 6. Mai und 1, Juni)
betrifft — nicht un-516
ähnliche Ausgangsbasis
hatten,
SD Eine Erklärungs-520
möglichkeit für das
entstehende Druckfallgebiet,
auf das es
wesentlich ankommt,
ist bei diesen Lagen
durchdieDivergenztheorie
zwanglos gegeben,
und zwar nach
dem Schema der beigefügten
Abbildung,
In ihr ist das Bodendruckfeld
(dünn ausgezogen)
als Höhe der
1000 mb-Fläche in dyn. Dekametern, die troposphärische Temperaturverteilung
(gestrichelt) durch die relative Höhe der 500 mb-Druckfläche und das
Höhendruckfeld als absolute Topographie der 500 mb-Druckfläche (dick ausgezogen)
dargestellt. Schraffiert ist das Divergenzgebiet im Höhendruckfeld,
unter welchem das Druckfallgebiet erwartet werden muß, Man sieht: Divergenz
der Höhenisobaren und daraus folgend Luftdruckfall am Boden
resultiert im Südostsektor einer troposphärischen Kältezunge, auf
deren Westseite starkes Temperaturgefälle, unterstützt durch höheren
Bodendruck, sehr heftigen Höhenwind bedingt. (Eine frontmäßige Begrenzung
dieser „Zunge“ ist meist wegen der bereits vorhandenen Nordseekaltluft
nicht zu erkennen.)
Dies Schema findet in der Höhenwetterkarte vom 2. Juni 1937 (siehe „Tägl.
Wetterbericht“) eine schöne, durch Aufstiege, Höhenwinde und Wolkenmessungen
belegte Bestätigung, und das Druckfallgebiet (vgl. die Karte der dreistündigen
Änderung) ist der Höhendruckverteilung durchaus nach obigem Schema zugeordnet.
Zeichnet man sich die Höhenwetterkarte vom 6. Mai 1937 begründetermaßen
so, wie im Text zum Tägl, Wetterbericht Nr. 128 vom 8. Mai angedeutet,
so wird man dieselben Züge des Höhendruckfeldes wiederfinden,
Die Frage nach der Vorhersagemöglichkeit des Sturmtypus läuft also
darauf hinaus, ob sich der zungenförmige Kältevorstoß und seine Flankierung
durch einen Höhensturm (Frontalzone) rechtzeitig erkennen lassen