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Full text: 65, 1937

Kleinere Mitteilungen, 
337 
Wenn ein Höhen-Hochdruckkeil (-Tiefausläu fer) ohne wesentliche 
Achsenneigung bis zum Boden reicht, so ist wegen des Ausströmens 
(Einströmens) in der Bodenreibungsschicht Tendenz zum Fallen 
(Steigen) des Luftdrucks gegeben (2). 
Meist ist aber, wenn Boden- und Höhendruckfeld überhaupt ähnliche 
Konfiguration haben, beträchtliche Achsenneigung der Druckgebilde vorhanden, 
wodurch die Sachlage kompliziert wird. Immerhin läßt sich divergente oder 
konvergente Strömung am Boden qualitativ berücksichtigen. 
Eine wichtigere Regel läßt sich bezüglich der HÖöhendruckgebilde selbst 
aufstellen: 
Gradientverschärfung am Abhange eines Höhen-Hochdruckkeiles 
verursacht Luftdruckfall unter ihm; Gradientverschärfung an den 
Flanken eines Höhen-Tiefausläufers hat Druckanstieg unter diesem 
zur Folge (8). 
Die Erklärung hierfür liegt darin, daß bei Versteilung des Höhendruckgefälles 
das vordem vorhandene Strömungsgleichgewicht (Gradientwind) gestört wird. Die 
Gradientkraft überwiegt die ablenkende Kraft; es tritt eine Ströämungskomponente 
zum tiefen Höhendruck hin ein (Beschleunigung). Damit tritt Luft im Gefällssinne 
über die Höhenisobaren: Aus dem Höhen-Hochdruckkeil strömt also Masse aus 
(Luftdruckfall), in den Höhen-Tiefausläufer strömt Masse ein (Luftdruckanstieg). 
Die Versteilung des Druckgefälles kann internen und externen Ursprungs 
sein. Intern vermag z. B. die Strahlung zu wirken (Erhitzung unten — Druck- 
anstieg in der Höhe; Abkühlung unten — Druckfall in der Höhe), wenn durch 
Luftmasse, Unterlage, Himmelsbedeckung gehörige Differenzen gegeben sind, 
Sicherlich sind aber die von außen an die Höhen-Druckgebilde tretenden Ur- 
sachen der Gefällsverschärfung für die Kurzfrist-Anderungen viel bedeutsamer. 
Sie lassen sich in die Regel kleiden: 
Kaltluftadvektion, gegen den Abhang eines Höhen-Hochdruck- 
keiles gerichtet, verursacht Luftdruckfall unter ihm; Warmluft- 
advektion gegen die Flanke eines Höhen-Tiefausläufers hat Druck- 
anstieg unter ihm zur Folge (4). 
Diese Regel ist wegen der Beziehung: „Kaltluftadvektion — Druckfall in der 
Höhe; Warmluftadvektion — Druckanstieg in der Höhe“ nur die vorige in 
anderer Form, und zwar in einer Form, mit der man in der Praxis operieren kann. 
Wenn eingangs zur Regel (ı) bemerkt wurde, daß sie „zumal bei fehlender 
oder gering ausgebildeter Drift“ in Erscheinung träte — man kann hinzufügen: 
am Rande einer Drift —, so hängt diese Tatsache damit zusammen, daß erstens 
in den Driftzonen die Höhen-Hochdruckkeile und -Tiefausläufer weniger aus- 
geprägt sind, und daß zweitens in ihnen die Divergenzen und Konvergenzen der 
Höhenströmung (Geschwindigkeitsunterschiede in der Stromrichtung) ausschlag- 
gebend für Druckfall und Druckanstieg am Boden werden. 
Divergenzen und Konvergenzen können natürlich auch in der Strömung 
um Höhen-Hochdruckkeile und -Tiefausläufer auftreten und dürfen — wegen 
ihres oft überwiegenden Einflusses — bei Anwendung der obigen Regeln nicht 
aus dem Auge gelassen werden. M. Rodewald, Hamburg. 
2. Wetterskizzen. Nr. 22: Über die unvermittelt aufkommenden Nordwest- 
stürme in der Deutschen Bucht, In der Nordsee, vor allem in der Deutschen 
Bucht, tritt von Zeit zu Zeit eine gefährliche Art von Nordweststurm auf, ge- 
fährlich deshalb, weil Vorzeichen dafür in der Wetterkarte zunächst kaum oder 
überhaupt nicht zu bemerken sind und daher Schiffahrt und Fischerei nicht mehr 
rechtzeitig gewarnt werden können. Kennzeichnend für die Lage vorher ist, daß 
sich die Deutsche Bucht schon längst in der Rückseitenkaltluft einer 
Zyklone befindet, deren Kaltfront bis zur östlichen Ostsee und weiter gelangt 
sein kann, ohne sonderliche Windstärken gebracht zu haben. Über der Nordsee 
und den Britischen Inseln ist keine Front, kein auffälliges Druckänderungsgebiet 
zu erkennen, manchmal scheint sogar ein Hochdruckkeil von W her zu nahen, 
der völliges Abflauen verspricht. Und dann geschieht es,
	        
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