Kleinere Mitteilungen,
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Wenn ein Höhen-Hochdruckkeil (-Tiefausläu fer) ohne wesentliche
Achsenneigung bis zum Boden reicht, so ist wegen des Ausströmens
(Einströmens) in der Bodenreibungsschicht Tendenz zum Fallen
(Steigen) des Luftdrucks gegeben (2).
Meist ist aber, wenn Boden- und Höhendruckfeld überhaupt ähnliche
Konfiguration haben, beträchtliche Achsenneigung der Druckgebilde vorhanden,
wodurch die Sachlage kompliziert wird. Immerhin läßt sich divergente oder
konvergente Strömung am Boden qualitativ berücksichtigen.
Eine wichtigere Regel läßt sich bezüglich der HÖöhendruckgebilde selbst
aufstellen:
Gradientverschärfung am Abhange eines Höhen-Hochdruckkeiles
verursacht Luftdruckfall unter ihm; Gradientverschärfung an den
Flanken eines Höhen-Tiefausläufers hat Druckanstieg unter diesem
zur Folge (8).
Die Erklärung hierfür liegt darin, daß bei Versteilung des Höhendruckgefälles
das vordem vorhandene Strömungsgleichgewicht (Gradientwind) gestört wird. Die
Gradientkraft überwiegt die ablenkende Kraft; es tritt eine Ströämungskomponente
zum tiefen Höhendruck hin ein (Beschleunigung). Damit tritt Luft im Gefällssinne
über die Höhenisobaren: Aus dem Höhen-Hochdruckkeil strömt also Masse aus
(Luftdruckfall), in den Höhen-Tiefausläufer strömt Masse ein (Luftdruckanstieg).
Die Versteilung des Druckgefälles kann internen und externen Ursprungs
sein. Intern vermag z. B. die Strahlung zu wirken (Erhitzung unten — Druck-
anstieg in der Höhe; Abkühlung unten — Druckfall in der Höhe), wenn durch
Luftmasse, Unterlage, Himmelsbedeckung gehörige Differenzen gegeben sind,
Sicherlich sind aber die von außen an die Höhen-Druckgebilde tretenden Ur-
sachen der Gefällsverschärfung für die Kurzfrist-Anderungen viel bedeutsamer.
Sie lassen sich in die Regel kleiden:
Kaltluftadvektion, gegen den Abhang eines Höhen-Hochdruck-
keiles gerichtet, verursacht Luftdruckfall unter ihm; Warmluft-
advektion gegen die Flanke eines Höhen-Tiefausläufers hat Druck-
anstieg unter ihm zur Folge (4).
Diese Regel ist wegen der Beziehung: „Kaltluftadvektion — Druckfall in der
Höhe; Warmluftadvektion — Druckanstieg in der Höhe“ nur die vorige in
anderer Form, und zwar in einer Form, mit der man in der Praxis operieren kann.
Wenn eingangs zur Regel (ı) bemerkt wurde, daß sie „zumal bei fehlender
oder gering ausgebildeter Drift“ in Erscheinung träte — man kann hinzufügen:
am Rande einer Drift —, so hängt diese Tatsache damit zusammen, daß erstens
in den Driftzonen die Höhen-Hochdruckkeile und -Tiefausläufer weniger aus-
geprägt sind, und daß zweitens in ihnen die Divergenzen und Konvergenzen der
Höhenströmung (Geschwindigkeitsunterschiede in der Stromrichtung) ausschlag-
gebend für Druckfall und Druckanstieg am Boden werden.
Divergenzen und Konvergenzen können natürlich auch in der Strömung
um Höhen-Hochdruckkeile und -Tiefausläufer auftreten und dürfen — wegen
ihres oft überwiegenden Einflusses — bei Anwendung der obigen Regeln nicht
aus dem Auge gelassen werden. M. Rodewald, Hamburg.
2. Wetterskizzen. Nr. 22: Über die unvermittelt aufkommenden Nordwest-
stürme in der Deutschen Bucht, In der Nordsee, vor allem in der Deutschen
Bucht, tritt von Zeit zu Zeit eine gefährliche Art von Nordweststurm auf, ge-
fährlich deshalb, weil Vorzeichen dafür in der Wetterkarte zunächst kaum oder
überhaupt nicht zu bemerken sind und daher Schiffahrt und Fischerei nicht mehr
rechtzeitig gewarnt werden können. Kennzeichnend für die Lage vorher ist, daß
sich die Deutsche Bucht schon längst in der Rückseitenkaltluft einer
Zyklone befindet, deren Kaltfront bis zur östlichen Ostsee und weiter gelangt
sein kann, ohne sonderliche Windstärken gebracht zu haben. Über der Nordsee
und den Britischen Inseln ist keine Front, kein auffälliges Druckänderungsgebiet
zu erkennen, manchmal scheint sogar ein Hochdruckkeil von W her zu nahen,
der völliges Abflauen verspricht. Und dann geschieht es,