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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1937,
vom 20. November erkennt man außerdem, daß der von Südpolen nach Süd-
deutschland sich erstreckende Höhentiefausläufer das Gebiet stärksten Druck-
anstieges bis zum nächsten Tage abgibt. Da auch hier — unter Berücksichtigung
der Höhen-Extrapolation im Süd-
osten — die Achsen genügend
nahe zusammenfallen, sei von
der Wiedergabe eines besonderen
„Ideaibeispieles“ für Druckan-
stieg abgesehen,
Das Wesentliche bei diesen
and manchen ähnlichen Fällen
ist, daß die Bodenwetterkarte
ganz erheblich von der Höhen-
wetterkarte abweicht und — bei
dem Fehlen oder der mangelhaf-
ten Ausbildung von Hochdruck-
keilen bzw. Tiefausläufern —
lie Anwendung der Großmann-
schen Regel nicht gestattet. So
liegt am 30. Mai 1937 nur ein
beinahe kreisförmiges Hoch ohne
Keilbildung zwischen Botten-
busen und Donaubecken; am
20. November 1936 haben Ska-
zerrak und Finnenbusen gleicher-
reise Südwestwind bei demselben
Bodenluftdruck (siehe in einzel-
nen bzgl. Boden und Höhe den
Tägl. Wetterbericht d. Deutschen
Reichswetterdienstes, herausge-
geb. v. d. Deutschen Seewarte).
Insoweit kann also die Höhen-
regel eine nicht unwichtige Er-
zänzung der Großmannschen
Regel abgeben, mit der sie leider
den Umstand gemein hat, daß
man ihre genaue Anwendungs-
möglichkeit im Einzelfall vor
allem hinterher bemerkt. Aber
sehen wir von dem Idealfall ab,
der in den Eingangsregeln for-
muliert ist, so kann man doch
die Frage aufwerfen, wann über-
haupt unter einem Höhen-Hoch-
aruckkeil Druckfall und wann
anter einem Höhen-Tiefausläufer
Druckanstieg erwartet werden
rann (ob nun die 24 Stunden-
% . Regel genau erfüllt ist oder nicht),
__ Cal ee SI „ Solche Änderungen treten näm-
AvD. 2. Höhendruckfeld (wie in Abb. 1) am 20. Nov. 1936 ‘ich, wie man bei einer Durch-
und Druckänderung am Boden (mb) bis zum nächsten Tage. Sicht von Höhenkarten bemerken
wird, keineswegs immer ein,
Allgemein läßt sich sagen, daß der Hochdruckkeil „abblasen‘“, Masse verlieren
und der Tiefausläufer „einsaugen“, Masse gewinnen muß, damit hier Druckanstieg,
dort Druckfall resultiert. Hierbei sind horizontale und vertikale Massentransporte
oberhalb und unterhalb des Höhen-Druckgebildes in Rechnung zu stellen, und
es folgt zunächst: