Schulz, B.: Zur Vollendung des 70. Lebensjahres von Wilhelm Meinardus, 331
maritimen Fragen zu; verstärkt wurde dieses noch durch einen zweijährigen
Aufenthalt in Hamburg, wo er auf der Deutschen Seewarte seine maritim-klima-
tologische Dissertation verfaßte. Seine von Neumayer und Köppen geförderte
erste Veröffentlichung ist charakteristisch für Meinardus’ ganze spätere wissen-
schaftliche Arbeit. Durchaus selbständig und kritisch in Fragestellung und
Durchführung ist diese Arbeit von Meinardus beispielgebend für manche
späteren auf Grund der Schiffstagebücher der Deutschen Seewarte entstandenen
Dissertationen geworden. Nach Erledigung der Promotion und des Staatsexamens
in Berlin sowie des Militärdienstes war Meinardus am Preußischen Meteoro-
logischen Institut in Berlin tätig, zunächst als Hilfsarbeiter, dann als ständiger
Mitarbeiter. 1899 habilitierte sich Meinardus an der Universität Berlin für
Geographie, von 1900 bis 1903 war er außerdem nebenamtlich Assistent am
neugegründeten Institut für Meereskunde, Die Arbeiten dieser Zeit bringen
zunächst noch eine weitere Ausnutzung und Vertiefung der auf der Deutschen
Seewarte gesammelten Erfahrungen, lassen dann aber deutlich den Einfluß seiner
amtlichen Tätigkeit erkennen. Eine ganze Reihe von wertvollen meteorologischen
und klimatologischen Veröffentlichungen entstammen diesen Jahren. Die wich-
tigsten und am meisten den wissenschaftlichen Ruf von Meinardus be-
gründenden Arbeiten dieser Zeit betreffen die Beziehungen zwischen dem Golf-
strom und dem Klima Nordwesteuropas sowie damit im Zusammenhang stehende
Fragen. Nach Rückkehr der Deutschen Südpolar-Expedition 1901 bis 1903 über-
nahm Meinardus die Bearbeitung von deren meteorologischen Beobachtungen
an Stelle des dafür vorgesehenen, aber auf den Kerguelen verstorbenen Meteorologen
Enzensperger und war zu diesem Zweck von seiner amtlichen Tätigkeit be-
urlaubt. Zum 1. Oktober 1906 wurde Meinardus nach der Universität Münster
berufen; hier war er zunächst außerordentlicher und von 1909 an ordentlicher
Professor der Geographie. 1920 folgte er dem Ruf nach Göttingen als Nach-
folger von Hermann Wagner. Im Jahre 1926/27 war Meinardus Rektor der
Universität Göttingen, im Jahre 1929 Vorsitzender des Deutschen Geographen-
Tages; er wurde ordentliches Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu
Göttingen, der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Kaiserl,
Leopold-Carolinischen Akademie der Naturforscher in Halle a, d. S. und Ehren-
mitglied zahlreicher geographischer Gesellschaften, darunter auch der von
Hamburg. Am 1. April 1935 schied W. Meinardus auf eigenen Antrag aus
seinem Amte und siedelte im Anschluß daran nach Bonn über.
Die wissenschaftlichen Arbeiten von Meinardus bewegten sich nach der
Übernahme vollamtlicher akademischer Lehrtätigkeit z. T. auf der bisherigen
Linie weiter, wurden aber im wesentlichen durch die Bearbeitung der meteoro-
logischen Beobachtungen der Deutschen Südpolar-Expedition bestimmt. In um-
fangreichen und für die Klimatologie wie die Ozeanographie gleich bedeutungs-
vollen Veröffentlichungen legte Meinardus die Ergebnisse seiner Untersuchungen
nieder; 1928 erschien seine abschließende Veröffentlichung innerhalb des
Expeditionswerkes. Aber darüber hinaus hat sich Meinardus in zahlreichen
Aufsätzen mit Fragen auseinandergesetzt, zu deren Behandlung ihn die Expeditions-
arbeiten anregten, so über den Kreislauf des Wassers, den Wasserhaushalt der
Antarktis in der Eiszeit, die mutmaßliche Höhe des antarktischen Kontinents
usw. Aufenthalte in Spitzbergen und in Ägypten (der letztere zusammen mit
S. Passarge) gaben Veranlassung zu klimatisch-morphologischen Untersuchungen.
In allerjüngster Zeit verfaßte Meinardus eine in Jahrzehnten in Lehre und
Forschung gereifte Darstellung der allgemeinen Klimatologie. Dem Lehrbuch
der Geographie seines Amtsvorgängers Hermann Wagner ist Meinardus ein
treuer Sachwalter geworden. Alle Arbeiten von Meinardus sind wie schon die
erste ausgezeichnet durch Originalität in der Methode sowie vorbildliche Gründ-
lichkeit und Sorgfalt. In dem folgenden Verzeichnis ist der Versuch gemacht,
die Titel der bis heute erschienenen wissenschaftlichen Arbeiten in zeitlicher
Folge zusammenzustellen und damit einen Eindruck von der Geschlossenheit der
wissenschaftlichen Arbeit von W. Meinardus zu geben.