Möller, F. u. Sieber, P.: Über die Abweichungen zwischen Wind u. geostrophischem Wind usw. 319
des Isallobarengefälles. Dieses ist gekennzeichnet worden durch die Größe
A Var d. h. durch diejenige Abweichung des Windes vom geostro-
phischen Winde, ausgedrückt in m/sec, die entsprechend der Theorie I beim
herrschenden Druckänderungsgefälle zu erwarten wäre. Für jede der Gruppen
ergeben sich nun die mittleren Komponenten ö:m, ö,m für jeden Quadranten und
entsprechend ein von vier Vektoren gebildetes Viereck, wie es in Abb. 4 schema-
tisiert ist. Die Koordinaten der Mittelpunkte der Vierecke sind in Tab. 2 an-
gegeben, und zwar in a) für alle Beobachtungen, in b) nur für die Beobach-
tungen des Höhenwindes zwischen 7 und 9 Uhr, die also zeitlich mit der 8-Uhr-
Beobachtung des Isallobarengradienten zusammenfallen. Eine Trennung nach
Regionen (Kern- und Randgebiete des Dreiecks der Luftdruckbeobachtungsstellen)
erwies sich als unnötig.
Bemerkenswert an den Werten der Tab. 2 ist der trotz einer nicht gerade
geringen Anzahl von verarbeiteten Beobachtungen noch recht unregelmäßige
Gang. Insbesondere für die Komponente ö,„, die erwartungsgemäß nach Theorie I
immer positiv und gleich dem als Gruppeneinteilung verwendeten Werte A sein
müßte, schwanken die Werte
sogar zwischen plus und minus
hin und her, eine systematische
Zunahme mit A in positiver
Richtung ist nicht zu entdecken.
Dagegen ist ö: mit einer einzigen
Ausnahme immer negativ, meist
ist sogar eine leichte Zunahme
der absoluten Beträge mit zu-
nehmendem A zu erkennen,
Dies stimmt durchaus überein
mit den Schlußfolgerungen, die
aus den Überlegungen von
Stüve und Mügge oben als
Theorie II gezogen wurden,
nämlich, daß die Abweichung
zwischen Wind und geo-
strophischem Wind so ge-
richtet ist, daß die Gebiete
fallenden Druckes rechter
Hand vom Vektor v—bg liegen. Dagegen ist für die Anschauung, daß
die Windabweichung vom geostrophischen Wind v—»g in das Fall-
gebiet hinein gerichtet sein müßten, kein Beleg zu erbringen.
Zur Veranschaulichung ist in Abb. 5 noch für die Gruppe: Ganzes Jahr
Beobachtungen von 7 bis 9 Uhr, die Lage der Vierecke angegeben, die durch
Verbindung der Endpunkte der vier Quadrantenmittelvektoren entstehen. Die
große Streuung dieser Quadrantenmittel und die dadurch bedingte unregel-
mäßige Form der Vierecke ist zu erkennen, jedoch auch die deutliche Ver-
schiebung der Vierecke und ihrer Mittelpunkte M nach der negativen S-Richtung.
Die sehr große Streuung der einzelnen Werte, vielleicht auch die nicht ganz
befriedigenden Ergebnisse müssen hervorgerufen sein durch die großen Meß-
ungenauigkeiten, die einer Pilotwindmessung in Gestalt von zufälligen Fehlern
anhaften. Es ist zu vermuten, daß diese Schwankungen, die zum großen Teile
wohl nur eine Folge der zeitlichen Unausgeglichenheit des Windes oder der
Störungen durch Vertikalbewegungen sind, fortfallen, wenn man die Wind-
meldungen, die in Drachen- und Fesselballonen in Lindenberg gewonnen sind,
verwendet. Diese Messungen werden im synoptischen Dienst zwar oft als un-
brauchbar angesehen, da sie — wenigstens seit etwa 10 Jahren — meist zu
große Windstärken angeben, jedoch ist dieser Fehler systematischer Art und als
solcher leichter zu eliminieren als unsystematische Fehler, wie sie Piloten zeigen.
Vor allem haben diese Windmessungen den Vorteil, daß sie kurzzeitige Mittel
hr