Regula, H.: Bodenwindbeobachtungen und Höhenwindmessungen auf M.S, „Schwabenland“. 311
und -schätzungen Aufschlüsse über Winddrehungen und Geschwindigkeitsände-
rungen mit der Höhe. In Tabelle 2 sind die Mittelwerte der Windgeschwindigkeiten
angegeben, geordnet nach Höhenstufen und nach der Mindesthöhe des Aufstiegs
(untere Wolkengrenze).
Tabelle 2. Mittlere Windgeschwindigkeiten in Metersekunden,
"a
Mindesthöhe
des Aufstiegs
Geschätzter
Bodenwind
Registrierter
Wind in
35 m Höhe
600 m 68 | 8.3
900 m 6.0 7.9
3000 m 4,6 5.5
Mittelwert
O0 bis 300 | 300 bis 600 | 600 bis 900 [2700 bis 3000
7.6 8.3
2,3 | 7.9
6.7 72.1
6,5
17
9.4
Sieht man von der Registrierung am Mast ab, so ergibt sich eine stetige
Zunahme der Windgeschwindigkeit nach oben. Der Mittelwert im Intervall
2700 bis 3000 m (das zufällig gewählt wurde) ist doppelt so groß wie der Mittel-
wert an der Oberfläche, Ferner sind die Geschwindigkeiten in den einzelnen
Höhenstufen um so geringer, je weiter hinauf der Ballon verfolgbar war, d, h.
bei schwachwindigem Wetter ist der Anteil der niedrigen Wolken gering. Bildet
man in den drei Zeilen die Differenz zwischen dem geschätzten Oberflächenwert
und dem Aufstiegswert der Höhenstufe 0 bis 300 m, so findet man in der ersten
Zeile 0.8 m/sec, in der zweiten Zeile 1.3 m/sec, in der dritten Zeile 2,3 m/sec,
d, h, bei schwachen Winden nimmt die Windgeschwindigkeit in den untersten
Schichten durchschnittlich schneller zu als bei starken Winden, was vermutlich
eine Folge der Turbulenz ist.
Die Windregistrierung am Mast zeigt im Vergleich zur Schätzung an der
Oberfläche und der Messung durch Ballone zu hohe Werte an. Da nicht an-
genommen werden kann, daß in 35 m Höhe im Mittel ein Maximum der Wind-
geschwindigkeit ist, muß entweder die Steiggeschwindigkeit der Ballone größer
sein als angenommen, oder die Registrierung muß durch die Schwankungen des
Schiffsmastes um Beträge von etwa 1.5 m/sec erhöht sein,
Der Betrag der Geschwindigkeitsänderung mit der Höhe achwankt — ebenso
wie die Richtungsänderung — von Fall zu Fall sehr. Geschwindigkeitsabnahme
nach oben ist ebenso wenig selten, wie Linksdrehung, Ein Versuch, die Druck-
änderungen am Boden im Zusammenhang mit der vertikalen Änderung des
Windes zu bringen, hat zu keinem Ergebnis geführt, Es scheint vielmehr, als
seien die Windänderungen mit der Höhe in erster Linie von der Art des Druck-
gebildes bestimmt, in dessen Bereich die Höhenwindmessungen stattfanden. Ver-
schiedentlich wurde in der Neufundland-Region bei Südwestwinden vor einer
Kaltfront eine besonders starke Zunahme mit der Höhe festgestellt. Am 12%. Oktober
wurden beispielsweise an der Oberfläche 4.5 m/sec geschätzt, als Mittelwert für
die Stufe 0 bis 300 m ergaben sich 12.0 m/sec und für die Stufe 600 bis 900 m
16 m/sec. Am 22. Oktober wurden dagegen auf dem mittleren Atlantik nach
Durchgang einer Kaltfront 10 m/sec an der Oberfläche geschätzt, der Mittelwert
für die Stufe 0 bis 300 m war indessen nur 7.0 m/sec, Die Richtung drehte
von 326° auf 283° zurück. Als letztes Beispiel sei eine Messung auf der Fahrt
von New York nach Bermuda angeführt, bei der 250 km südwestlich eines
Hurrikan-Zentrums an der Oberfläche 2.5 m/sec geschätzt wurden, der Mittel-
wert der Stufe 0 bis 300 m aber bereits 9.0 m/see betrug. Drei Stunden später
wurden auch an der Öberfläche 10 m/sec gemessen. Vermutlich hängt die Wind-
änderung mit der Höhe über dem Ozean wesentlich davon ab, ob die Messung
in einem stationären Roßbreitenhoch oder einem wandernden Kaltlufthoch erfolgt
oder im Bereiche eines subpolaren Tiefs oder eines tropischen Wirbels.