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Full text: 65, 1937

a 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1937, 
Die Unterschiede, die bei einem Vergleich von Schätzung und Registrierung 
auftreten, können nach den bisherigen Erfahrungen des Verfassers folgende Ur- 
sachen haben; 
I. Registrierung. 
Richtung: 1. Die Strömungsrichtung wird durch die Schiffsaufbauten 
verändert. 
Der Wind kann an der Oberfläche aus einer anderen Richtung 
als in Höhe der Fahne wehen. 
In Masthöhe herrscht eine andere Windgeschwindigkeit als 
an der Oberfläche. 
Die Schwankungen des Mastes verfälschen die Geschwindig- 
keitsanzeige. 
Die veränderliche Schiffsgeschwindigkeit über Grund ver- 
ändert den Fahrtwind. 
IL Beobachtung. 
Der Wind (und damit die Schaumkämme) kommen nicht 
einheitlich aus einer Richtung. 
Der Einfallswinkel der Schaumkämme gegen das Schiff wird 
ungenau geschätzt. 
Bei Winddrehungen stellen sich die Schaumkämme an- 
scheinend erst nach einigen Stunden auf die neue Richtung ein. 
Durch querlaufende Dünung wird die Richtung der Kämme 
seeinflußt, 
Die Wellenrichtung ist bei Stärke 1 am Tage, bei Stärke 1 
bis 3 nachts schlecht feststellbar, ; 
Änderungen der Windgeschwindigkeit wirken sich mit einer 
gewissen Verzögerung auf die Größe der Schaumkämme aus, 
Der beobachteten Schaumkammgröße wird ein falscher Be- 
irag in Metersekunden zugeordnet. 
Der letzte Punkt verdient insofern besonderes Interesse, als hier nicht nur 
Beobachtungsfehler auftreten, sondern auch die internationalen Festsetzungen 
über Umrechnung von beobachteter Schaumkammgröße in Metersekunde-Wind- 
yeschwindigkeit noch nicht gesichert zu sein scheinen, Eine solche Umrechnung 
geschieht in mehreren Stufen: 
a) Der Beobachter schätzt den Seegang nach der Seegangsskala (Petersen- 
Skala}, die nach Größe und Aussehen der Schaumkämme eingeteilt ist (z. B. See- 
gang 4 = die Wellenberge nehmen eine lange ausgeprägte Form an und es bilden 
sich überall Schaumkämme), 
b) Die Seegangsschätzungen werden nach bestimmten Festsetzungen in die 
Beaufort-Skala für Windstärke umgerechnet (z. B. Seegang 1=Stärke 1, See- 
gang 4 = Stärke 5). 
eo) Der Wert nach der Beaufort-Skala wird gewöhnlich vom Meteorologen in 
Metersekunden umgerechnet. Der Zusammenhang zwischen der Beaufort- und 
der Metersekunden-Skala ist durch internationale Vereinbarung festgelegt (z. B. 
Beaufort 5 — 7.5 bis 9.8 m/sec). 
Wenn demnach nach den Feststellungen des Beobachters „die Wellenberge 
eine lange ausgeprägte Form annehmen und sich überall Schaumkämme bilden“, 
so entspricht dieser Zustand der Meeresoberfläche vereinbarungsgemäß einer 
Windgeschwindigkeit zwischen 7.5 und 9.8 m/sec oder einem Mittelwert von 
8,7 m/sec. Anders die Ergebnisse der Registrierungen. Nach den Feststellungen 
der „Meteor“ Expedition betrug der Mittelwert für Beaufort 5 im tropischen 
Gebiet 10.5 und im außertropischen 12,8 m/sec. Die Ergebnisse von der Nord- 
atlantikreise der „Schwabenland“ liegen größenteils in derselben Richtung (Fig. 1, 
siehe S, 309). Auffallend bei dem Diagramm ist die erhebliche Streuung der 
Punkte und die große Anzahl jener Fälle, bei denen die Beaufort-Stärke niedriger 
geschätzt wurde als den registrierten Werten entspricht. Letzteres kommt am 
deutliehsten in der Kurve der Mittelwerte zum Ausdruck (Fig. 2, siehe S, 309). 
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