294 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1937.
gemäßigter Breiten wird enttäuscht sein, in der
yanzen Arbeit kaum Temperaturangaben, ge-
schweige denn Angaben über Aquivalenttempera-
:uren zu finden,
Trotzdem ist die vom Verfasser selbst als
„vorläufige, kurze Skizze“ bezeichnete Arbeit außer-
ördentlich instruktiv, weil sie in klarer Sprache
in anschauliches Bild entwirft von den großen
strömungsgliedern, den Fronten und Frontal-
störungen, die im Ablauf des Jahres das Wetter
ler Philippinearegion in wechselndem Maße be-
4errschen, Die Arbeit ist dabei durchaus mehr
als eine allgemeine Übersicht; sie behandelt — im
Sinne einer dynamischen Meteorologie und Klima-
:ologie — alle für das Philippinengebiet wichtigen
3roß-Wetterlagen und gibt viele Hinweise auf
kennzeichnende Einzelvorgänge. Immer werden
Jazu typische Beispiele erwähnt, und man be-
lauert nur, daß die entsprechenden Wetterkarten
nicht mit in die Arbeit aufgenommen werden
konnten, (Lediglich eine sauber ausgeführte Sta-
;ionskarte mit Höhenschichten und Flüssen,
Jas Gebiet zwischen Sumatra, Ostkarolinen, Süd-
kamtschatka und Cisbaikalien umfassend, liegt bei.)
Die Untersuchung ist in drei Hauptabschnitte
gegliedert: Northers gegen „Passat — Der
Südwestmonsun und die Aquatorialfront
— Taifune. Der Passat, der „Schönwetter-
Wind“ der Philippinen, an das nordpazifische Roß-
breitenhoch gebunden und daher als Jahreswind
in ständiger Bereitschaft, auf der Wetterbühne der
Philippinen aufzutreten, hat in den jahreszeitlichen
Winden des Nordostmonsuns und des Süd-
westmonsuns seine beiden Gegenspieler: Der
erste greift, vielfach ein „Trübweıter- Wind“ mit
Geländeregen, vom Oktober bis März bestimmend
in das Wettergeschehen ein, der zweite als „Böen-
weiter-Wind“ in der Zeit vom April bis Oktober,
So etwa läßt sich mit einem Satze die Lage bei
den Philippinen skizzieren; bezüglich der Einzel-
heiten und der SED dieses Schemas
kann hier nur auf die Arbeit selbst verwiesen
werden,
Als wichtig ist aber noch das Kapitel „Taifune“
zu erwähnen, das mehr als ein Drittel der Ab-
bandlung umfaßt und manches Neue bringt. So
stellt Deppermann als Tatsache seiner Erfahrung
jest, daß in allen Fällen, wo sich die Entstehung
gines Taifuns verfolgen ließ, der Ursprung an
einer Front lag, jedenfalls niemals klar inner-
halb einer homogenen Luftmasse. Die Bahn der
Taifune ist nach Deppermann ungefähr die der
Passatströmung, jedenfalls solange der Süd.
zestmonsun noch am Taifun beteiligt ist. Wenn
der Verfasser hierin allerdings einen Gegensatz zu
den außertropischen Zyklonen sieht, welche etwa
mit der Warmsektor-Strömung wandern, so ist
doch zu fragen, ob nicht der Passat (statt, wie
Deppermann meint, der Monsun) die Stelle der
Warmsektor-Strömung bei den Taifunen vertritt.
Deppermann erwähnt an späterer Stelle selbst,
Jaß von einem Aufgleiten des Südwestmonsun«
über den Passat kaum etwas feststellbar ist.
Als kennzeichnend für das Anfangsstadium
zines Taifuns wird vom Monsunsektor hervor-
gehoben, daß er die Form eines umgekehrten V
mit einem gewöhnlich etwa 90° betrageuden Winkel
aabe, Sieht man den Monsun als Kaltluftkörpei
mit Tiefdruck in der Höhe an, so gewinnt man
hieraus das Divergenzschema für Entstehung und
Bewegung des Taifuns in der Form x A+ (5F Druck,
änderung).
KFlinen besonderen Abschnitt widmet Depper-
mann den „triple points“, den Stellen, wo
Passat, Südwestmonsun und „Norther“ zusammen-
;reffern, Von ihnen heißt es u. a.: „Die Stelle
muß mit Hinsicht auf die Entstehung neuer Tai-
ijune beobachtet werden, eine ziemlich häufige Er-
schein ung, besonders wenn der Dreifachpunkt
zwischen Formosa und Nord - Luzon zu liegen
kommt.“ Es ist bemerkenswert, daß das „Drei«
nass eneck“ als zyklogenetischer Ort (Rode wald}
an dieser fernstehenden Stelle fast gleichzeitig auf-
taucht und als „triple point“ fast dieselbe Bezeich-
aung erhält,
Eine Ergänzung der Deppermannschen
Arbeit durch bildliche Darstellungen und Wetter-
karten, sowie die Ausdehnung der Untersuchung
auf die Verhältnisse in größeren Höhen wäre sehr
zu begrüßen. . M. Rodewald.
Rev, Charles E. Deppermann, 8. J., Tempera-
ture Conditions in the Eye of some Typhoons,
Publ. Manila Central Observatory, Manıla 1937,
Über das „Auge des Sturms“ in den tropi-
schen Zyklonen, jenes suffällige windstille Oder
windschwache Zentrum inmitten des tobenden
Orkans, ist schon viel berichtet worden. Bei den
Erklärungsversuchen ist zum Beweise einer ab-
steigenden Luftbewegung im Wirbelinnern
insbesondere das Beispiel des Manila-Taifuns
vom 20. Oktober 1882 herangezogen worden, in
dessen Zentrum ein plötzlicher Temperaturanstieg
von fast 7° unter gleichzeitiger Abnahme der rela-
jiven Feuchte um mehr als 50% eintrat.
Charles E. Deppermann geht in seiner
Arbeit. von diesem Falle, den er nochmals an Hand
der Aufzeichnungen von Algu&€ und des Manilaer
Beobachtungstagebuches ausführlich diskutiert, aus,
ım dann für weitere Taifune älteren und jüngeren
Datums Angaben über das Sturmauge zu bringen
und zu beleuchten. Seine Untersuchung gilt ins-
besondere dem Verhalten des trocknen und feuchten
Thermometers während der Taifundurchgäuge.
Das Ergebnis ist, daß sich aus dem — aller-
dings noch eiwas beschränkten — Material keiner-
lei Gesetzmäßigkeit im Gang von ep:
ratur und Luftfeuchtigkeit. während des
Vorüberzugs des Sturmauges herausschält:
in den meisten Fällen erfolgt praktisch keine
Anderung am trocknen und feuchten Thermometer;
gelegentlich steigt im Sturmauge die Temperatur
an beiden, oder sie fällt an beiden, oder es steigt
nur die am trocknen Thermometer.
Nur in einem Falle trat eine ähnliche und
sogar größere Temperaturerhöhung im Sturmauge
ein als bei dem erwähnten Manila-Taifun, nämlich
in Taito auf Formosa am 16. September
1912, wo mit dem Luftdruckminimum von 712,4 mm
abends gegen 20h eine Erwärmung auf 34.6°
— von 241° eine Stunde vorher — stattfand.
Aber dieser Temperaturanstieg von 10° kann
auch, da Taito (nach einem Bericht des Observa-
z‚oriums Taihoku) gauz besondera den trocken-
heißen Winden von dem etwa 2000 m hohen,
Formosa durchziehenden Gebirge ausgesetzt ist,
wesentlich auf orographisch bedingten Föhn zurück-
geführt werden, Im übrigen glaubt Deppermann
nachweisen zu können, daß auch bei dem klassi-
schen Manila-Taifun die Verhältnisse nicht so ein-
deutig für eine absteigende Luftbewegung sprechen.
Deppermann kommt zu dem Schluß, daß
der bisherige Befund eine Entscheidung zugunsten
einer absteigenden Luftbewegung im Taifuninnern