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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

390 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1937. 
Ostküste wird Windstärke 10 gemeldet. Dabei sind die Temperaturen bis nach 
Mittelitalien hin in die Nähe des Gefrierpunktes gesunken, 
Die Frontalzone zwischen arktischer und subtropischer Luft ist jetzt zerstört 
und nur noch über Südfrankreich erhalten geblieben, aber auch dort wesentlich 
abgeschwächt worden, da der Hauptstoß der Kaltluft inzwischen auf der Rück- 
seite des Adriatiefs direkt südwärts gelenkt worden ist. Die Okklusion der 
Sturmzyklone ist schon mittags beendet, und damit verfällt sie rascher Auf- 
füllung; schon am nächsten Tage herrscht über dem gesamten italienischen 
Raum wieder ebenso schwachwindiges Wetter wie zwei Tage vorher, 
Dieses Beispiel zeigt uns also deutlich, wie der Entwicklung einer be- 
sonders heftigen zyklonalen Bora die Ausbildung einer ausgeprägten 
von Nordwest nach Südost verlaufenden Frontalzone über Frankreich 
vorausgeht und sich dann die zunächst in der Höhe aufgespeicherte kinetische 
Energie im Delta der Frontalzone in die Strömungsenergie einer Sturmzyklone 
umsetzt, auf deren Nordseite in Verbindung mit dem nachdrängenden Druck- 
wellenberg die orkanartige Bora ausgelöst wird. Nur deren örtliche Steigerung 
wird durch die Geländekonfiguration bestimmt, während der Vorgang in 
seiner Gesamtheit genau so abläuft wie alle Zyklogenesen der mittleren 
und höheren Breiten und auch die Beziehung zwischen Höhendruckfeld 
und der Zugrichtung des begleitenden Faligebiets genau erfüllt bleibt. 
Die synoptische Aerologie vermag So zur rechtzeitigen Erkennung der gefürch- 
teten Bora wesentlich beizutragen, wenn nur genügend Aufstiege aus dem frag- 
lichen Gebiet und seiner Umgebung vorliegen. R. Scherhag. 
2. Klimatographische Witterungsschilderung. Nr. 97: Seeverkehrsweg: 
Nordostatlantische Trift-Region. — Aus der Sammlung des überseeischen meteorolo- 
gischen Dienstes der Deutschen Seewarte, — Witterungsverlauf an Frühlings- 
tagen auf dem Dampferwege vom Kanal nach dem Golf von Mexiko. 
Beobachtungstage: 9., 13. und 14. April 1936, 
9. April. Mittags-Schiffsort: 49.2° N, 9.0° W. Nachts hatten wir den Kanal 
verlassen. Morgens ist es frisch. Cust und Ast bedecken den Himmel völlig. 
Das Meer hat eine bleigraue Farbe. Die Kimm ist leidlich gut sichtbar. 8h: 
tı 9.2°; tw 10.4°; f 69%. Ein mäßiger Wind aus ENE weht von achtern über 
das Schiff. Gegen 10h wird es ein wenig heller. Im SE fallen aus gelbleuchtenden, 
schmalen Flächen (in etwa 10° Höhe) Sonnenstrahlen aus der scheinbar dichten 
Wolkendecke auf den Horizont, ohne daß jedoch eine leuchtende, spiegelnde Wasser- 
fläche sichtbar wäre. Allmählich lichtet sich die Cust-Decke, die gelbleuchtenden 
Flächen werden größer, sind als Lücken der Cu-Decke zu erkennen, und um 10% 
ist zwischen den Cu zuweilen die Sonne hinter der Ast-Decke sichtbar. Im W 
und N ziehen schwarzgraue Cu unter der dichten Ast-Decke. Es bleibt schließlich 
eine Acu-Decke mit einzelnen Wolkenlücken, durch die um Mittag die Sonne zeit- 
weise zu beobachten ist, Die dichte, helle Decke verbreitet ein grelles Licht. 
Einzelne hellgraue Cu mit dunklem Unterrand schweben unter ihr. Das Wetter 
ist ganz angenehm. — 12h; 1,9.6°; tw 10,6°; £ 63%. Am Nachmittag wird es 
dunkler. Die Sonne verschwindet völlig, und dunkle Haufenwolken drohen schein- 
bar mit Regen. Trübe sehen Kimm und Himmel aus. Eine lange, niedrige 
Dünung aus E läßt das Schiff stärker rollen. — 16%; t, 9.9°; tw 11.5°; £ 70%. Im 
weiteren Verlauf des Tages ändert sich der trübe Charakter des Wetters nicht. Aus 
ENE hält der frische Wind (Stärke 5) an, und die Temperatur ändert sich wenig. — 
20h: t, 10.1°; ty 11.0°; £ 73%. 
13. April, Mittags-Schiffsort: 42.1° N, 30.8° W. — In den letzten drei Tagen 
herrschte fast dasselbe gleichmäßige Wetter wie am Beobachtungstag. Morgens 
regnet es in Schauern aus Cunb. Die Temperatur schwankt nur wenig um 12°, — 
Bh; tı 11.9°; 162%. Das Schiff rollt heftig in einer NW-Dünung und in dem 
Seegang des zunehmenden N-Windes (8; Stärke 4). Trotz der Sonnenstrahlung 
bleibt es kühl. Große Cu herrschen vor, doch ist die Sonnenscheindauer recht 
groß. Um 12% bedecken große Cu und Acu-Bänke etwa */,, des Himmels, 12h: 
t 12.6°% tw 14.8°: f61%. Wie in den letzten Tagen kommt auch heute wieder ein
	        
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