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Full text: 65, 1937

Kleinere Mitteilungen, 
987 
Betrachten wir z. B. die in Abb. 1 gestrichelt gezeichneten Bodenisobaren 
vom 10. Februar 1936, so wird man kaum glauben, daß 24 Stunden später (Abb. 3) 
über der Südadria ein Sturmwirbel mit einem Kerndruck von weniger als 990 mb 
liegt, der vor allem in seinem Nordwestsektor orkanartigen Sturm entfesselt, 
Denn jetzt sind die Luftdruckgegensätze über dem gesamten Mittelmeergebiet 
sogar auffallend gering, Windstärke 3 wird nur ganz vereinzelt überschritten: 
ein über Nordafrika liegendes Hoch reicht mit einem Keil bis nach Süditalien, 
and eine über dem östlichen Teil des Atlantischen Ozeans liegende Zyklone 
füllt sich auf, ohne ihre Lage wesentlich zu ändern, 
Zwei Vorgänge sind aber von maßgebender Bedeutung: Von dem atlantischen 
Tief reicht eine ausgeprägte Warmfront über die Biskaya bis zur Straße von 
Sizilien, die langsam 
weiter nordostwärts 
vorrückt, während 
zugleich eine mäch- 
tige Kältewelle 
ganz Mitteleuro- 
pa überschritten 
und den Alpenfuß 
srreicht hat, In 
Begleitung dieses 
Schwalls arktischer 
Kaltluft ist ein Hoch- 
Adruckgebiet über 
1030 mb im Verlaufe 
von 24 Stunden von 
der Ostgrönlandsee 
bis nach Südnorwe- 
gen vorgestoßen. Bei 
anhaltendem Druck- 
anstieg über Mittel- 
guropa rückt dieses 
Hoch und mit ihm 
die Kältewelle weiter 
in südlicher Rich- 
tung vor. 
Unsere Auffas- 
sung von der Wetter- 
lage, die bei alleini- 
ger Betrachtung des 
bestehenden Boden- . 
druckfeldes zunächst keine besonderen Überraschungen vermuten würde, wird 
also schon eine ganz andere, wenn wir die im Gange befindlichen Verlagerungen 
der Druckgebilde und Temperaturscheiden ins Auge fassen. Vor allem ist be- 
achtenswert: Die südwesteuropäische Warmfront rückt weiter nord- 
ostwärts vor, während die mitteleuropäische Kaltfront ihr direkt 
entgegeneilt, Diese gefährliche Entwicklung erkennen wir noch wesentlich 
deutlicher, wenn wir die Höhenaufstiege mit zu Rate ziehen, 
Die ausgezogenen Linien in unserer Abb. 1 stellen die gleichzeitige Verteilung 
der relativen Topographie der 500 mb- über der 1000 mb-Fläche dar, für deren 
Zeichnung außer sämtlichen Höhenaufstiegen auch die Beobachtungen auf den 
Bergstationen gemäß den von G. Pogade?) aufgestellten Tabellen Berücksichtigung 
gefunden haben, Zunächst erkennt man den außerordentlichen Temperatur- 
gegensatz in der freien Atmosphäre über Mitteleuropa: Von Südfrankreich 
(Cazaux) bis nach Schlesien (Breslau) nimmt die relative Topographie 500 mb 
über 1000 mb um 53 Dekameter ab, welchem Betrage eine Temperaturdifferenz 
1) G. Pogade, Die Verwendung von Bergbeobachtungen beim Zeichnen von Höhenwetterkarten, 
Zweites Köppenheft d, Ann, d. Hydr. S. 24 (1936).
	        
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