Kleinere Mitteilungen,
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Betrachten wir z. B. die in Abb. 1 gestrichelt gezeichneten Bodenisobaren
vom 10. Februar 1936, so wird man kaum glauben, daß 24 Stunden später (Abb. 3)
über der Südadria ein Sturmwirbel mit einem Kerndruck von weniger als 990 mb
liegt, der vor allem in seinem Nordwestsektor orkanartigen Sturm entfesselt,
Denn jetzt sind die Luftdruckgegensätze über dem gesamten Mittelmeergebiet
sogar auffallend gering, Windstärke 3 wird nur ganz vereinzelt überschritten:
ein über Nordafrika liegendes Hoch reicht mit einem Keil bis nach Süditalien,
and eine über dem östlichen Teil des Atlantischen Ozeans liegende Zyklone
füllt sich auf, ohne ihre Lage wesentlich zu ändern,
Zwei Vorgänge sind aber von maßgebender Bedeutung: Von dem atlantischen
Tief reicht eine ausgeprägte Warmfront über die Biskaya bis zur Straße von
Sizilien, die langsam
weiter nordostwärts
vorrückt, während
zugleich eine mäch-
tige Kältewelle
ganz Mitteleuro-
pa überschritten
und den Alpenfuß
srreicht hat, In
Begleitung dieses
Schwalls arktischer
Kaltluft ist ein Hoch-
Adruckgebiet über
1030 mb im Verlaufe
von 24 Stunden von
der Ostgrönlandsee
bis nach Südnorwe-
gen vorgestoßen. Bei
anhaltendem Druck-
anstieg über Mittel-
guropa rückt dieses
Hoch und mit ihm
die Kältewelle weiter
in südlicher Rich-
tung vor.
Unsere Auffas-
sung von der Wetter-
lage, die bei alleini-
ger Betrachtung des
bestehenden Boden- .
druckfeldes zunächst keine besonderen Überraschungen vermuten würde, wird
also schon eine ganz andere, wenn wir die im Gange befindlichen Verlagerungen
der Druckgebilde und Temperaturscheiden ins Auge fassen. Vor allem ist be-
achtenswert: Die südwesteuropäische Warmfront rückt weiter nord-
ostwärts vor, während die mitteleuropäische Kaltfront ihr direkt
entgegeneilt, Diese gefährliche Entwicklung erkennen wir noch wesentlich
deutlicher, wenn wir die Höhenaufstiege mit zu Rate ziehen,
Die ausgezogenen Linien in unserer Abb. 1 stellen die gleichzeitige Verteilung
der relativen Topographie der 500 mb- über der 1000 mb-Fläche dar, für deren
Zeichnung außer sämtlichen Höhenaufstiegen auch die Beobachtungen auf den
Bergstationen gemäß den von G. Pogade?) aufgestellten Tabellen Berücksichtigung
gefunden haben, Zunächst erkennt man den außerordentlichen Temperatur-
gegensatz in der freien Atmosphäre über Mitteleuropa: Von Südfrankreich
(Cazaux) bis nach Schlesien (Breslau) nimmt die relative Topographie 500 mb
über 1000 mb um 53 Dekameter ab, welchem Betrage eine Temperaturdifferenz
1) G. Pogade, Die Verwendung von Bergbeobachtungen beim Zeichnen von Höhenwetterkarten,
Zweites Köppenheft d, Ann, d. Hydr. S. 24 (1936).