Kalle, K.: Meereskundl. chem. Untersuchungen mit Hilfe d. Zeißschen Pulfrich-Photometers. 281
YV. Veränderliche: Gegenwart chemischer Stoffe.
1006 Lösungen von Kaliumnitrat, Eisensulfat, Eisenalaun und Kupfersulfat
beeinflußten die Nitrit-Reaktion nicht im geringsten. Auch hatte der Zusatz von
10.008 Eisenalaun bzw. Kupfersulfat keinen Einfluß auf die Haltbarkeit der
Nitrit-Standardlösungen.
Die Bestimmung des ‚,Gelbstoffs“,
Bei der kolorimetrischen Untersuchung der Nährstoffkomponenten in den
heimischen Meeren mittels des empfindlichen Pulfrich-Photometers machte sich
schon bald besonders bei der Silikatbestimmung im violetten Gebiet des sicht-
baren Spektrums eine gewisse Absorptionserscheinung störend bemerkbar, als
deren Ursache das Vorhandensein gelb gefärbter im Meerwasser gelöster Stoffe
erkannt wurde. In der Limnologie ist das Vorkommen gelb bis braun gefärbter
Stoffe in den Gewässern der Festländer eine alltägliche Erscheinung. Es handelt
sich dort in ganz überwiegendem Maße um Humussäuren und andere humusartige
Stoffe, die als besonders stabile Endprodukte des pflanzlichen Stoffkreislaufes
schließlich den Gewässern zugeführt werden, Auch im Meere dürfte es sich
genetisch um gleichartige oder zumindest ähnliche Stoffe handeln. Das geht
schon daraus hervor, daß dieser „Gelbstoff“, wie wir diese Erscheinung zusammen-
fassend bezeichnen, in der Nähe der Küsten sowie der Mündungen größerer
Flüsse besonders angereichert ist. In stofflicher Hinsicht scheinen jedoch zwischen
diesen Körpern, wie sie uns jedenfalls in ihren ganz überwiegenden Hauptver-
tretern sowohl im Süßwasser wie im Meere entgegentreten, gewisse Unterschiede
zu bestehen. Diese treten vor allem dadurch zutage, daß es sich im Süßwasser
in überwiegendem Maße um kolloid gelöste Stoffe handelt, während die gelb
gefärbten Stoffe im Meere entsprechend ihrer Diffusion durch Kollodium-Mem-
branen in echter Lösung vorliegen. Sven Oden (s) faßt derartige Stoffe im
Gegensatz zu den kolloid löslichen Huminsäuren unter dem Ausdruck „Fulvo-
säuren“ zusammen, Leider ist über die nähere Natur derartiger Humuskompo-
nenten wenig oder gar nichts bekannt.
Da sich im Laufe der Zeit herausstellte, daß dem Vorkommen und der Ver-
teilung des „Gelbstoffs“ durchaus tiefere Gesetzmäßigkeiten zugrunde liegen, wurde
eine kolorimetrische Methode zu seiner Bestimmung ausgearbeitet.
Tabelle 5. Die Absorptionsverhältnisse des „„Gelbstoffs““ im Pulfrich-Photometer,
500 ccm Nordseewnsser, eingedampft auf 50 ccm und versetzt mit 0,5 cum Salzsäure, 1.19,
Farbfilter | s | Ss 566.6 | 861a |S57a | 853 | 850 | 847 | S43
K @cm)..| 4 | 9 18 | 27 | 36 | 56 | 86 | 181 | 328 '
Gemäß Tabelle 5 sowie der zugehörigen Abb. 4 zeigen die Absorptionsver-
hältnisse des „Gelbstoffs“ ein ausgeprägtes Maximum am violetten Ende des
sichtbaren Spektrums, während die Absorption am entgegengesetzten roten Ende
praktisch gleich Null ist.
Da der Gelbstoffgehalt im freien Meere einen verhältnismäßig nur geringen
Wert erreicht, empfiehlt es sich, ihn in allen Fällen, außer wenn es sich direkt
um der Küste vorgelagertes oder Flußmündungswasser handelt, auf den zehnfachen
Gehalt anzureichern, Da der „Gelbstoff“ gegen äußere Eingriffe sehr unempfind-
lich ist, ist dieses am einfachsten durch Eindampfen des Wassers auf den zehnten
Teil seines ursprünglichen Volumens zu erreichen. Bei dieser Behandlung wird
jedoch ein Teil des „Gelbstoffs“ von den ausfallenden Salzen mitgerissen. Es ist
daher nötig, diese Menge durch Zugabe von Säure wieder in Lösung zu bringen.
Nur so erhält man reduzierbare Werte, nimmt dagegen in Kauf, daß die Absorp-
tionswerte des „Gelbstoffs“, die in saurer Lösung geringer sind als in neutraler
Lösung, etwas absinken.