274 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1937,
vorkommenden Ströme der Fall, so würde aber die entgegengesetzte Erscheinung
eintreten: mit abnehmender Intensität des auffallenden Lichtes, i.e. mit zu-
aehmender Weglänge s und ZDC© wüchsen die P und strebten im idealen Falle
asymptotisch dem wahren Wert zu. Das Gegenteil tritt indes ein, und die
Werte P zeigen tatsächlich einen Gang, wie wenn der Photostrom mit wachsender
Beleuchtung immer rascher ansteige — physikalisch fast eine Unmöglichkeit,
Die Transmissionsfaktoren P verhalten sich im ganzen ebenso, wie die im Gebiet
der langen Wellen bestimmten P nach Ann. d. Hy dr. 63. 80 (1935). In jenem Falle
war die Proportionalität durch die Eichung des Instrumentes an einem Silverdisk-
Pyrheliometer gesichert, Es existiert somit eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß
die gegenwärtig erhaltenen Ergebnisse durch eine Nichtproportionalität der
Sperrschichtströme nicht beeinflußt sind. Im übrigen bedeutet Nichtpropor-
tionalität keinen Einwand gegen eine Apparatur; Eichung schafft alle Fehler
aus dem Wege.
Manche Zellen, ältere und neue, besitzen einen Temperaturkoeffizienten
im Sinne eines mit den Thermometergraden steigenden Photostromes, Gälte das
auch für unsere Zelle, so würde in der statistischen Bearbeitung die Durch-
lässigkeit (p) der Atmosphäre zu klein gefunden. Davon zeigt sich keine Spur;
eher neigt man dazu, den Transmissionskoeffizienten p für zu groß anzusehen.
Die Transmissionsfaktoren P der absorbierenden Medien berührt ein Temperatur-
fehler der Zelle überhaupt nicht.
Und die reversible Ermüdung der Zellen und ihre kurzfristige Inkonstanz ?
Die Durchsicht der Einzelablesungen berechtigt zu der Erwartung, daß eine
systematische Entstellung der Ergebnisse von diesen Quellen her nur gering sein
kann. Alle Einflüsse, die irgendwie proportional mit der Zeit laufen, wurden
durch die symmetrische Anordnung der Beobachtungen eliminiert, soweit das
möglich ist. Auf den wichtigen Transmissionskoeffizienten p übt die Ermüdung
einen merkwürdig geringen Einfluß aus. Die Ermüdung wirkt stets so, daß die
großen Strahlungen zu klein gemessen werden im Vergleich zu den kleinen.
Deutet man nun eine Erscheinung in den Originalablesungen in dieser Richtung,
80 zeigt sich, daß dadurch p nur um eine Einheit der 3ten Stelle geändert wird,
d. h, die Ermüdung vergrößert den Wert p um 0.001,
8. Bei der Verwendung der Gläser R und B entstehen hinreichend aus-
geprägte Maxima im spektralen Bereich, um eine Bestimmung der Diffusions-
konstante K!) und des Exponenten y der Wellenlänge aus diesem
Material nicht sinnlos erscheinen zu lassen. Sei p, der Transmissionskoeffizient
für die Wellenlänge 2, so hat man gemäß der Rayleighschen Diffusionstheorie
die Beziehung: K
logpz = — Moe M == 0.4343 .
Für den idealen Rayleigh-Himmel (Diffusion an Molekeln) ist y= 4. Durch
Kombination der Filter R und B leiten wir y ab:
a) Alle Beobachtungen ..........y= +11
b) Tag stärkster Strahlung ......,Y= +1.
Man sieht: Vom Rayleigh-Himmel entfernt sich der Himmel an der Ostsee
und im Meeresniveau sehr weit, Es ist hier weder Ort noch Material, um diesem
fesselnden Gegenstande weiter zu folgen,
9. Gleichzeitig mit den Helligkeitsmessungen an der Sonne wurden Beobach-
tungen der Himmelsbläue angestellt. Dazu diente die Ostwald-Linkesche
Skala. Die Schätzungen sind wieder nach ZD©O in Normalpunkte vereinigt und
aus der in freiem Zuge hindurchgelegten Kurve die Zahlen der Tabelle abgelesen,
die sich aufs engste an die beobachteten Gruppenmitiel anschließen. Abweichungen
:) Die treffende Bezeichnung Diffusionskonstante wird von E, Schoenberg angewandt (Unter-
zuch, üb. d. Atm. d, Plan. Venus. SB. Pr. Ak. d. W. Berlin 1931, XXI. S. 6). Es ist also:
32 , m—1)%1
Ku N
wo n der Brechungsexponent der Luft, 1 die Höhe der homogenen Atmosphäre und N die Anzahl
der streuenden Partikel pro cm? an der Basis der Atmosphäre bedeutet.