accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 65, 1937

Pogade, G.: Die wissenschaftlichen Grundlagen der Baurschen Zehntage-Vorhersagen, 259 
ja durchaus nicht das gleiche, ob bei gleichem Monatsmittel der Temperatur an 
jedem Tage die Temperatur dem Monatsmittel entspricht oder ob eine Periode 
zu niedriger Temperatur durch eine Periode zu hoher kompensiert wird. Das 
gleiche gilt natürlich für Viertel- oder Halbjahrs-Vorhersagen, Was nützt es zu 
wissen, daß ein niederschlagsreicher. Sommer kommen wird, wenn eine dreiwöchige 
Dürreperiode alle niederschlagsliebenden Pflanzen vertrocknen läßt! 
Es ergab sich also die Notwendigkeit, die Monatsmittelwerte als Grundlage 
[ür Langfrist-Vorhersagen fallen zu lassen und auf die meteorologischen Einzel- 
beobachtungen zurückzugreifen, wodurch die zu leistende Vorarbeit natürlich 
verdreißigfacht wurde, Da die Einzel-Wetterkarte, als Darstellung einer Einzel- 
Wetterlage, eine für langfristige Vorhersagen ungenügende Grundlage darstellt, 
wurde die Großwetterlage in die Bearbeitung einbezogen, die Großwetter- 
lage als Ausdruck bestimmter Witterungstypen, denen bestimmte Luftdruck- 
verteilungen zugeordnet sind. Es gilt also, Zeitabschnitte zusammenzufassen, 
deren Länge durch die Andauer eines Witterungstypus, d.h. einer Groß- 
wetterlage bestimmt wird. Diese Zuordnung von Witterungstypus und Groß- 
wetterlage ist schon früher durchgeführt worden, zuerst wohl von Teisserene 
de Bort im Jahre 1881. Später haben sich u.a. van Bebber, Defant und 
Baur mit diesem Problem befaßt. Eine systematisch alle Monate des Jahres 
und alle Witterungstypen Mitteleuropas umfassende Sammlung von Karten der 
mittleren Luftdruckverteilung nebst zugehörigem Witterungsgepräge wurde aber 
erst im Institut für langfristige Witterungsvorhersage angelegt (;). Es handelt 
sich hier um ein Material, das mehrere hundert Karten umfaßt. 
Weitere Forschungen in den letzten Jahren haben gezeigt, daß es, wenigstens 
in der gemäßigten Zone, nicht eigentlich die Luftdruckverteilung am Erd- 
boden ist, die das Wetter im großen, die „Witterung“ bestimmt, sondern die 
Luftdruckverteilung in der Höhe, in der Stratosphäre. Das Wetter des 
Augenblicks wird durch die Luftmassen in den unteren Schichten und ihre 
gegenseitige Bewegung — Aufgleiten, Böenfront usw, — bewirkt. Welche Luft- 
massen aber in einem gegebenen Zeitraum und in einer bestimmten Gegend auf- 
treten können, ob polare oder tropische, maritime oder kontinentale, ihre 
Zugrichtung und Geschwindigkeit wird wesentlich durch die Richtung und 
die Größe des Druckgefälles in der Höhe bestimmt. Wenn dennoch ein 
Zusammenhang zwischen Luftdruckverteilung am Erdboden (gemittelt über einen 
längeren Zeitraum) und Witterungstypus besteht, so kommt es daher, daß durch 
die Mittelbildung kurzperiodischer Schwankungen, die wohl für das Wetter, 
nicht aber für die Witterung maßgebend sind, ausgeglichen werden. 
Die Tatsache, daß auch die Großwetterlage während eines längeren Zeit- 
raumes, etwa eines Monats, nicht einheitlich ist, gab ebenfalls Veranlassung auf 
kürzere Zeitabschnitte zurückzugehen, um für die Praxis brauchbare Vorhersagen 
herauszugeben. Die Einteilung des Jahres in Wochen ließ es ratsam erscheinen, 
Vorhersagen für eine Woche zu geben. Nach einigen vorbereitenden Versuchen 
zeigte sich aber, daß ein zehntägiger Zeitraum am günstigsten ist, Die Wahl 
dieses Zeitraumes ist nicht willkürlich, sondern hängt mittelbar damit zusammen, 
daß in den Witterungserscheinungen Mitteleuropas häufig ein etwa fünftägiger 
Rhythmus vorhanden ist (6), 
Die jetzigen Zehntage-Vorhersagen der Forschungsstelle für lang- 
fristige Witterungsvorhersage stützen sich auf eine Kombination von 
Statistik und Synoptik (4). Entsprechend erfolgt die Ausarbeitung dieser 
Vorhersagen auf zwei ganz verschiedenen Wegen. Der erste Weg bedient sich 
der, mit Hilfe der Statistik ermittelten Beziehungen zwischen dem vergangenen 
Wetter („Vorwetter“) und dem nachfolgenden Wetter („Nachwetter“). Die Auswahl 
der hierbei verwendeten Elemente und die Auswertung der Ergebnisse erfolgt 
nach physikalisch-meteorologischen Gesichtspunkten, Der zweite Teil der Vor- 
arbeit besteht in dem, nur für den Einzelfall geltenden Studium und Analyse 
der Großwetterlage an dem Tage, an dem die Vorhersage ausgegeben wird. 
Zu diesem Zwecke sind die Großwetterlagen früherer Jahre statistisch und 
synoptisch auf das folgende Wetter hin untersucht, so daß diese eine wertvolle
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.