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Full text: 65, 1937

256 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1937, 
der Änderungsgebiete (Pfeile) wird immer südlicher, d. h. also, daß die Druckfall- 
und Steiggebiete mit der Strömung weiterziehen, die hinter ihrem Zentrum 
vorhanden war und ist, Diese Tatsache ist wichtig und für die Vorhersage der 
Höhenströmung bzw. deren Änderung zu beachten. 
Es ist weiter zu beachten, daß das Fallgebiet am Boden, das von der 
vorhergehenden Warmluft herrührt und das Fallgebiet in der Höhe, das der 
Abkühlung vorhergeht, dicht nebeneinander liegen, das Fallgebiet der Höhe liegt 
immer etwas vor und etwas südlicher als das am Boden. Es liegt dies an der 
raschen Folge der Luftmassen bzw. an der raschen Folge der Temperatur- 
änderungen, demnach gilt das auch für die Steiggebiete, was auch auf den Karten 
bestätigt wird. 
Bei der zeitlichen Folge der Änderungen: Steigen in der Höhe, dann Er- 
wärmung der Zwischenschicht, dann Druckfall am Boden, findet man, daß das 
folgende Gebiet ziemlich genau an der Stelle sich befindet, an der auf der 
vorangehenden Karte das zugehörige vorangehende Gebiet war (z. B. der Druck- 
anstieg am Boden ist in der zweiten Karte an der Stelle der stärksten Abkühlung 
der ersten Karte), Es fällt noch folgendes auf: die Änderung der Schichtdicke 
500—600 mb fällt ungefähr mit dem Zentrum des isallobarischen Gebietes in 
der Höhe zusammen und entsprechend die Änderung der Schichtdicke 1000—900 mb 
mit dem Zentrum am Boden zusammen, — Alles dieses kann prognostisch aus- 
gewertet werden, 
Unter Berücksichtigung all dieser Vorgänge in der Höhe hätte die Zug- 
richtung des Tiefs richtig vorhergesagt werden können, denn der wirklich ein- 
geschlagenen Zugrichtung nach Südosten stand eigentlich nur die Höhenströmung 
entgegen und alle Anzeichen auf der Bodenkarte deuteten auf die südöstliche 
Richtung hin: 1. Strömung im Warmsektor (siehe Karte vom 19. Okt.), 2. die 
Tangente im Bereich der Okklusion zeigt nach Südosten, 3. die Verbindungslinie 
vom dreistündigen Steig- zum Fallgebiet zeigt ebenfalls nach Südosten. 
Die Höhenwinde drehten nun auch im Verlauf des 19. Okt. auf Nordwest 
in Westeuropa, wie oben im einzelnen erläutert wurde. Es wurde auch plausibel 
gemacht, daß sich diese Drehung durch die Temperatur- (Luftmassen-) Änderung 
bzw. durch die damit zu erwartenden Druckänderungen erklären lassen. Daher 
muß es auch möglich sein, eine Vorhersage der Höhenwinde zu geben, indem 
man die mutmaßlichen Luftmassenänderungen berücksichtigt. Meist müssen die 
Luftmassenänderungen aus der Bodenkarte erschlossen werden, da die Höhen- 
karte zu wenig ausgedehnt ist. 
In diesem speziellen Fall waren nun folgende Temperaturänderungen von 
Bedeutung: 1. die Warmluft auf der Vorderseite des Tiefs, sie konnte aus dem 
aerologischen Material einwandfrei festgestellt werden; 2. die Kaltluft auf der 
Rückseite und 3. die neue Warmluft, die von Nordwesten her nachströmte, Alle 
Temperaturänderungen konnten auf Grund der Strömungsverteilung über dem 
Ozean und Westeuropa abgeleitet werden. Über dem Ozean lagen zwei Hoch- 
druckgebiete, eins weit im Westen ziemlich weit nach Norden vorgeschoben. 
Auf seiner Westflanke strömt subtropische Luft nach Norden. Sie trifft dabei 
in der Gegend von Island auf Kaltluft arktischer Herkunft, die auf der Ostseite 
Grönlands südwärts strömt. Hier kommt es zur Ausbildung einer kleinen Störung, 
die am 18. Okt, über Island lag. Infolge dieser Konvergenz steigt dann über Island 
der Druck an. Die Störung zieht nach Südosten. Starker Fall tritt nicht auf, 
da noch im Bereich Schottland— Norwegen Kaltluft nach Osten strömt. Weiter 
strömt auch auf der Westseite des über der Biscaya liegenden Hochs Warmluft 
herum, so daß infolge dieser Luftmassenverteilung keine Divergenz der Höhen- 
winde eintritt, Erst mit weiterer Zufuhr dieser Warmluft fällt der Druck 
stärker, natürlich auf der Südseite. Da auch die Warmluft nach Ostnordosten 
sich weiter durchsetzt, erfolgt dann auch über der Nordsee und Nordwest- 
deutschland eine Auflockerung des Temperaturgradienten und des Höhendruck- 
gefälles (Divergenz mit Druckfall am Boden verbunden). Dieser Erwärmung 
geht Druckanstieg in der Höhe voraus. Dieser läßt die Höhenisobaren in Ost- 
deutschland etwas auf westliche Richtungen drehen. Daß nun auf der Rückseite
	        
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