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Full text: 65, 1937

252 Annalen der Hydrograpbie und Maritimen Meteorologie, Juni 1937. 
um Erscheinungen handelt, zu deren Aufhellung die bis heute bestehenden rein 
thermodynamischen Theorien der Meteorologie unmöglich ausreichen und die 
gerade darum ganz besondere Beachtung verdienen, 
Abgesehen von dem großen theoretischen Probleme interessieren da vor 
allem seine von Station zu Station sehr verschiedenen ökonomisch-klima- 
tischen Effekte. Diese sind hauptsächlich dreifacher Art und decken sich im 
hohen Grade mit den bis heute noch völlig unerklärten, teils gut ausgebildeten, 
teils ganz fehlenden Ed. Brücknerschen Phänomenen, Nur ganz kurz sei 
diesbezüglich am Ende noch berichtet: 
Erstens treten klimatische Wirkungen auf, die unmittelbar an die bestehende 
mittlere Windgeschwindigkeit geknüpft sind, z. B, säkular erhöhte oder vermin- 
derte Austrocknung, winterliche Verwehung oder Abwehung usw.; 
zweitens ist auch die horizontale Windrichtung abhängig vom inneren 
Scheinreibungszustand der Atmosphäre, da je nach der einzelnen Stationslage 
und ihrem Verhältnis zu mittleren Luftdruckgefällen die Einströmung der Luft 
in das jeweils anliegende barometrische Tief unter verschiedenen Winkeln erfolgt 
und demgemäß meist auch verschieden warme und feuchte Luft herbeiführt; 
drittens ist der Umstand in hohem Grade von ihm beeinflußt, ob Winde, 
welche ein Gebirge überqueren, auf dessen Leeseite als Föhn bis in 
die Niederung dringen und dort austrocknend und erwärmend wirken, 
oder ob sie sich bald vom Kamme losiösen und dessen Höhe bei- 
behalten. Das erstere tritt ein, wenn nur relativ geringe vertikale Unterschiede 
der Windgeschwindigkeit bestehen und die. Atmosphäre sich in dem „mehr 
rollenden“ als „gleitenden“ Zustande befindet. Das letztere aber ist im Gegenteil 
der Fall. 
Die Summe aller Möglichkeiten der verschiedenenartigsten wetter- und 
klimabildenden Einflüsse der säkularvariablen atmosphärischen Aus- 
tauschänderung ist damit aber keineswegs erschöpft. Es sei davon nur noch 
erwähnt, daß z. B. auch die Lage und Breite der subtropischen Hochdruckgürtel 
davon abhängig sein muß, ferner, daß je nach der besonderen Stationsumgebung 
und ihrer Lage zum Erdganzen die verschiedenartigsten, gegenseitig sich ver- 
stärkenden oder auch ganz aufhebenden Klimaänderungen eintreten können, 
Wo dieses oder jenes zutrifft bzw. zutreffen wird, ist nun auf Grund des 
Gezeigten hochgradig voraussagbar. Man weiß, wo es Sinn hat, nach säkularer 
Periodizität des Klimas zu suchen und wo nicht, und wird nie mehr so wie 
früher der unzutreffenden Verallgemeinerung unterliegen und schließen: weil 
die erwartete Säkularperiode da oder dort gefunden wurde, müsse es überall 
oder wenigstens im gleichen Großgebiet so sein, sonst könne von ihrer Realität 
nicht gesprochen werden. 
Untersuchungen zur Fehlvorhersage vom 19. Oktober 1936. 
Von H. Müller, Kiel. 
(Hierzu Tafel 37 bis 39.) 
Der Wirbel, der der deutschen Küste den ersten heftigen Sturm brachte, liegt am 19. Okt. ver- 
wirbelt über Leningrad, Der schwere Sturm kam mit dem Einbrechen von arktischer Kaltluit auf, 
Diese Kaltluft ist am 19, Okt. nach Süden nur bis zu den Mittelgebirgen. nach Osten aber bis weit 
hinter Königsberg vorgedrungen, 
Auf den Höhenkarten, die in der Hauptsache diskutiert werden sollen, ist 
folgendes am 19. Okt. festzustellen: Auf der relativen Topographie der 900 mb- 
Fläche ist es über Königsberg am kältesten. Eine Kaltluftzunge erstreckt sich 
zurück nach Südwesten, da auch an der Küste die Winde am stärksten waren 
und dort die Kaltluft am weitesten vortrieben. Auf der Karte der 600 mb-Fläche 
ist die Zunge nur undeutlich vorhanden. Man schließt auf eine Höhe der Kalt- 
luft in Hamburg von etwa 3 km. Ein relativ wärmeres Gebiet ist über Norderney 
zu erkennen (Karte 1). 
Die Höhenströmung ist Östlich Helder im allen Höhen bis weit hinter 
Königsberg aus WNW, besonders stark über der mittleren und östlichen Ostsee.
	        
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