Kleinere Mitteilungen,
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seite um und damit steigt das Hochwasser über — und geht im ganzen Monat
nur noch einmal am 23. unter — Null. Wir sehen dann, wie bei Beginn der
großen Sturmperiode am 15. das Hochwasser fast immer um 1 Meter über Pegel-
null liegt. Der am 15. vorherrschende Südwest treibt die Wassermassen in die
Deutsche Bucht und erzeugt eine anhaltende Strömung. Dann springt der Wind
nach NW um und befördert noch weitere Wassermassen vom Ozean in die Nord-
see, so daß die Wassermassen vor unseren Inseln und den deutschen Küsten
gestaut werden. Am 17. herrscht wieder SW, der am 18. auf W und WNW
umspringt und so die ungeheure Sturmflut verursacht. Dazu kommt noch die
Wirkung des Druckgradienten auf die Meeresoberfläche. Während an der Süd-
spitze Norwegens tiefster Druckfall herrscht, steigt der Druck in der Nähe der
Shetlandinseln und erzeugt einen Gradientstrom, der in der ungefähren Richtung
des Windes gerichtet ist.
Am 18. 33h ist der Hochwasserstand 1m, zur Zeit der nächsten Flut 15h
2.90 m über Pegelnull. Das dazwischen liegende Niedrigwasser 10%b erreichte
D.23 m über Null. Da der mittlere Tidenhub für Wyk 2.40 m ist, kann man den
ungefähren Hochwasserstand, falls der Sturm nicht nachläßt, schon zur Zeit des
Niedrigwassers erkennen. Wenn man in den letzten Jahren nach einem ähnlich
hohen Wasserstand sucht, so muß man schon bis zum Jahre 1916 zurückgehen.
Damals erreichte die Sturmflut 2,65 m über mittlerem Hochwasser. Zu der
Sturmflut am 27. führten ähnliche Voraussetzungen. Besonders waren es hier der
anhaltende orkanartige Süd- bis Südwest-Sturm vom 25., der dann auf WSW um-
sprang, und der heftige Süd-Sturm vom 26., die die Sturmflut verursachten. Der
orkanartige Sturm vom 27, zeigte noch stärkere atmosphärische Energien, wie
den beigegebenen Registrierungen zu entnehmen ist,
Vor der Besprechung des Sturmes vom 18. Oktober wurde auf die beiden
Großwetterlagen dieses Monats hingewiesen. Die vom 18. September an herr-
schende und sich bis gegen den 10. Oktober erstreckende Ostwetterlage, die dann
von der Westwindperiode mit ihren Stürmen abgelöst wurde, brachte unserem
Gebiet ganz kontinentale Klimazüge. Die eigenartige Lage der unseren Küsten
vorgelagerten Inseln bringt es mit sich, daß auf diesen, man könnte fast sagen,
rein maritimes und rein kontinentales Klima herrschen kann. Das maritime
Klima macht die Inseln und das Küstengebiet im Sommer zu beliebten Aufenthalts-
orten für Feriengäste und Erholungsuchende. Aber nicht nur im Sommer,
sondern auch im Winter herrscht in diesen Gebieten Seeklima, wenn die atlan-
tische Wirbeltätigkeit auf das Festland übergreift. Das Seeklima zeichnet sich
durch seine heilklimatischen Faktoren, die in mannigfaltiger Weise auf den
Organismus wirken, aus. Die Reinheit und der Salzgehalt der Seeluft, die hohe
Feuchtigkeit und die niedrige Temperatur im Sommer, ihre Milde im Winter
können als heilklimatisch günstige Faktoren angesprochen werden. Die hohe
mittlere Windgeschwindigkeit der Inseln und Küstengebiete stellt einen für die
Klimatherapie außerordentlich wichtigen Faktor dar. Der Wind führt zu einer
erhöhten Wärmeabgabe des Organismus, wodurch ein größerer und besserer
Stoffwechsel eingeleitet wird, der den Körper neu aufbaut. Dem verwöhnten
Städter ist dieser heftige Seewind zuerst unangenehm, aber er findet sich bald
mit ihm ab, wenn er sich an ihn gewöhnt hat und seine wohltuende Wirkung
verspürt. So wirken mannigfaltige meteorologische und Umweltfaktoren auf den
Menschen an der See ein und verursachen eine „Umstimmung‘“ des Organismus.
Ändert sich die Großwetterlage derart, daß das kontinentale Wettergeschehen
auf unsere Gebiete übergreift, dann ändern sich auch die physio-klimatischen
Wirkungen auf den Organismus. Bei ablandigen Winden zeigen die meteoro-
logischen Faktoren einen ganz kontinentalen Gang, Das kontinentale Klima hat
nicht die „spezifischen“ Heilfaktoren des Seeklimas, sondern es können sogar
bei besonderen Erscheinungen meteoro-pathologische Wirkungen auf gewisse
Konstitutionen ausgeübt werden. Die Aufeinanderfolge verschiedener Witterungs-
epochen stellt den Organismus vor immer neue Aufgaben und schafft so die
Voraussetzungen für seine Heilung; denn jede Witterung zeitigt andere Wirkungen,
So setzt sich das Klima der Inseln und Küstengebiete aus ganz verschiedenen