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Full text: 65, 1937

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1937. 
Kleinere Mitteilungen. 
ij. Wetterskizzen. Nr. 19: Die orkanartigen Stürme vom 7. September, 18. 
und 27. Oktober nach den Registrierungen an der Bioklimatischen Forschungsstelle 
des Reichsamts für Wetterdienst in Wyk auf Föhr (hierzu Tafel 35 mit den Fig. 1, 
2, 3, 5 und Tafel 36 mit Fig. 6). 
Die Reihe der Sturmwirbel an unserer Küste eröffnete der Orkan am 7. Sep- 
tember 1936. Er hat eine lange Entwicklungsgreschichte hinter sich. An Hand 
des „Täglichen Wetterberichtes der Deutschen Seewarte“ soll auf einige bemerkens- 
werte Entwicklungsphasen hingewiesen werden, ohne daß auf die Dynamik näher 
eingegangen wird, 
Im Wetterbericht vom 1. September wird auf Grund amerikanischer Wetter- 
meldungen auf einen tropischen Wirbelsturm hingewiesen, dessen Zentrum mit 
23° Nord und 53° West angegeben wird. In demselben Bericht wird die Lage 
einer großen Frontalzone beschrieben, an der sich dieser Wirbelsturm gebildet 
hat. In den folgenden Tagen entschwindet er dem Gesichtsfeld, bis er dann am 
4. September durch Schiffsbeobachtungen wieder erfaßbar ist und seine Lage 
als südlich Neufundland angegeben wird. Seine Umgestaltung zu einem Tief 
der gemäßigten Breiten wird bemerkt, Am 6. liegt der Sturmwirbel über dem 
östlichen Atlantik und hat durch die Zufuhr verschieden temperierter Luft neue 
Energie gewonnen. Dies ist besonders in der 24stündigen Luftdruckänderung 
gut zu erkennen. Am 7. September hat der tropische Wirbel seine Selbständig- 
keit vorübergehend verloren und erscheint als Teiltief einer über Schottland 
liegenden Zyklone. Von Wichtigkeit ist jedoch nicht diese große Zyklone, 
sondern das über Mittelengland liegende Teiltief, dessen Druckfall- und Steig- 
gebiet sich über dem Kanal befindet. Am 7. 19h ist das Teiltief als selbständiger 
Sturmwirbel mit seinem Kern von 980 mb direkt vor den nordfriesischen Inseln 
angelangt. 
Die Registrierungen der Figur 1 zeigen uns den Durchzug dieses Orkans, 
Von 7h Ortszeit (7%h Bahnzeit) dreht der Wind allmählich von SSW auf ESE 
und wächst von Stärke 5 auf 7, 18%b flaut der Wind ab und dreht auf SW 
bis gegen 19%h, Diese „Stille vor dem Sturm“ fiel sehr auf und ließ schon etwas 
Besonderes ahnen. 19° h bis 191% frischte der Wind auf und drehte auf WSW, 
um mit Orkanesstärke hereinzubrechen. Wie wir auf der Registrierung sehen, 
setzte der Orkan ganz plötzlich ein und tobte 50 Minuten lang. Die Verwüstungen 
waren ziemlich stark. Masten der elektrischen Oberleitung wurden umgeknickt. 
Von den Dächern wurden Ziegel abgehoben, so daß ganze Löcher entstanden. 
Alles, was in Hof und Garten nicht niet- und nagelfest war, fing an zu laufen. 
Da gerade Ebbe war, wurde Schaden durch das Wasser in unserem Gebiet nicht 
angerichtet und es konnte auch kein wesentlich höherer Wasserstand im Watten- 
meer beobachtet werden. Um so mehr machte sich aber der Sandflug in der 
Nähe des Strandes bemerkbar. Es war ganz unmöglich, gegen den Wind zu 
schauen. Der feine Sand drang sogar durch die Fenster und lag fein verstreut 
auf sämtlichen Gegenständen im Zimmer. 
Wir haben gesehen, daß dieser Sturm nicht eine alltägliche Entstehungs- 
geschichte hatte, und daß die Verheerungen, die er in unserem Gebiet anrichtete, 
nur durch die atmosphärische Energie geschahen. Bei den Besprechungen der 
beiden anderen Wirbel wollen wir auch zeigen, welche atmosphärischen Ge- 
schehnisse zur Entstehung einer Sturmflut beitragen, 
Die seit Ende September herrschende und sich bis gegen den 10. Oktober 
erstreckende Ostwetterlage fand ihren Abschluß mit dem Übergreifen der 
ozeanischen Wirbeltätigkeit auf Mitteleuropa. Diese erreichte ihren Höhepunkt 
in den orkanartigen Stürmen vom 18. und 27, Oktober. 
Einführend soll wieder die Entwicklung der Sturmwetterlage an Hand des 
Seewartenberichtes kurz besprochen werden. Die Wetterlage am 15. zeigt folgendes 
Bild, Vor der mittelnorwegischen Küste liegt ein Tiefdruckgebiet, das sich in 
der letzten Nacht aus einem Teiltief vor der grönländischen Küste entwickelt hat. 
Das Tief weist in seinem SW-Teil einen ausgesprochenen Warmsektor auf, der
	        
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