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Full text: 65, 1937

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1937. 
bleiben, so bringt dieses Jahrbuch und die Vereinheitlichung der Maße doch 
noch eine bedeutende Vereinfachung und Erleichterung der Rechnung. Es kann 
dann den Reedereien überlassen werden, ob und wann sie zum Gradmaßchrono- 
meter übergehen wollen. Die Frage der Einführung des Gradchronometers macht 
jedenfalls die vorherige Einführung eines Grade und Bogenminuten gebenden 
Nautischen Jahrbuchs notwendig. Darüber hinaus würde das Gradchronometer 
die Vereinheitlichung der Rechnung in Länge und Breite vollenden, 
Zeitliche Beschickung einer Funkpeilung. 
Von Prof. W. Immler. 
{Hierzu Tafel 34 mit Abb, 2.) 
Im allgemeinen können kleine Zeitdifferenzen, welche zwischen der Vornahme 
zweier Funkpeilungen vergehen, als unbedeutend vernachlässigt werden. Man 
zeichnet den Schnitt der ermittelten Funkpeilstrahlen und läßt diesen Schnitt- 
punkt als Ort für das Mittel der Beobachtungszeiten gelten, Über den gemachten 
Fehler legt man sich dann weiter keine Rechenschaft ab. Es können jedoch 
Verhältnisse auftreten, wo diese Vernachlässigung nicht mehr statthaft ist und 
erhebliche Ungenauigkeiten in der Ortsermittlung auftreten. so daß das Bild 
gänzlich verfälscht werden kann. 
Man hat sich bisher immer damit geholfen, daß man bei der Behandlung 
der sog. abgestumpften Doppelpeilung (besser abgestumpfte Kreuzpeilung ge- 
nannt) mit Kursdreieck und Steckzirkel den abgelaufenen Weg zwischen die 
beiden Funkpeilstrahlen eingepaßt und dadurch solche Fehler vermieden hat. 
Diese Methode ist seit alters gebräuchlich und an ihr ist nichts auszusetzen. Sie 
erfordert aber immerhin eine Reihe von Zeichenoperationen, die namentlich dann 
nicht sehr beliebt sind und die man abzukürzen bestrebt ist, wenn die äußeren 
Umstände ein Zeichnen auf ein Minimum beschränkt sehen wollen. Zeichnerische 
Methoden sind immer anschaulich und haben den Vorzug, die tatsächlichen Ver- 
hältnisse klar zu Gesicht zu bringen, aber es gibt auch Befürworter des Rechen- 
stiftes, die sich sagen, wo sie rechnen können, können sie den Zeichenstift ent- 
behren. Die Berechtigung dieser Einstellung soll hier nicht untersucht, sondern 
nur die Tatsache vermerkt werden. 
Solchen Freunden des Rechenstiftes seien nun folgende Gedankengänge näher- 
gebracht, welche einiges für sich haben, wenn sie ihnen auch nur einen kleinen 
Schritt entgegenkommen. Der Vorschlag wendet sich zuerst an die Flugzeug- 
navigation, wo ja auch durch Raummangel und andere Behinderungen das 
Zeichnen nicht immer eine ganz leichte Sache ist, Die Tatsache, daß zwei zu 
einer Funkortung führende Peilungen nicht unter allen Umständen gleichzeitig 
durchgeführt werden und einen Zwischenraum von wenigen Minuten einschließen, 
liegt darin begründet, daß meist eine Wellenwahl mit nachfolgender Abstimmung 
vorliegt und daß vielleicht eine Sendepause zu überwinden ist oder daß das 
Minimum nicht sogleich erkannt wird. Es kann also angenommen werden, daß 
ein Flugzeug, daß eine erste Peilung von einem Sender nimmt, in einem Punkt A 
seines Flugweges steht und nach einem Zwischenflug auf seinem Weg im Punkte B 
angekommen ist, wenn es gelingt, die Peilung eines zweiten Senders zu erhalten. 
Bei den Geschwindigkeiten des Flugzeuges werden solche Zwischenwege nicht 
gut zu vernachlässigen sein. Für den Zeichner der Peilstrahlen wäre es aber 
andererseits angenehm, zwei Strahlen zu besitzen, welche als gleichzeitig ge- 
nommen angesehen werden können, weil er dann mit dem Zeichnen von nur 
zwei Linien auskommt. Die Aufgabe lautet also dahin: Wie ist die zuerst 
genommene Peilung zu beschicken, damit sie als im zweiten Zeitpunkt genommen 
angesehen werden kann? Dieser Beschickungswert sei kurz zeitliche Be- 
schickung genannt.
	        
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