296 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1937,
Sekundenzeiger zum Zeitzeichenvergleich (Abb. 1) oder außerdem auch
noch auf dem oberen exzentrischen Blatt Stunden- und Minutenzeiger,
also beide Arten des Zeitmaßes völlig voneinander getrennt ablesbar (Abb. 6
und 7). Die 180°-Teilung entspricht der bisherigen 12b-Teilung der Chronometer,
Von manchen wird die 360°-Teilung (Abb. 3 und 7) vorgezogen: Dem vermeint-
lichen Vorteil des Durchzählens der Tagesteilung steht der Nachteil des Rechnens
mit reichlich großen Zahlen gegenüber, Das kombinierte Modell ist natürlich
auch mit 360°-Teilung und exzentrischem 12hb.Blatt ausführbar (Abb, 7, 8. 225).
Zu erwähnen ist noch, daß von besonderer Seite der Seewarte der Vorschlag
gemacht wurde, die Grad- und Bogenminuten- Anzeige so auszuführen, daß sie
auf dem gewöhnlichen Chronometerblatt in der oberen Hälfte, also dort, wo sich
die Auf- und Abwerk-Anzeige befindet, in einem Ausschnitt in großen und deut--
lichen Zahlen erscheint, z. B.: Die Bogenminute muß dann also alle
vier Zeitminuten um eine Ziffer weiter springen, Diese zweifellos naheliegende
und hübsche Art der Anzeige läßt sich leider nicht mit den beim Chronometer
zur Verfügung stehenden technischen Mitteln ausführen, da der Arbeitsaufwand
des Fortschaltens der Zahlen, besonders wenn mehrere Zehnerübertragungen
gleichzeitig zu betätigen sind, viel zu groß für das Uhrwerk ist. .
Wie ich mich häufig habe überzeugen können, ist die zur Anwendung ge-
brachte Grad- und Bogenminutenablesung auf 60teiligen Zifferblättern durch
jedermann leicht und schnell erlernbar und mindestens ebenso sicher wie die
Stunden-, Minuten- und Sekundenablesung einer gewöhnlichen Uhr. —
Die beschriebenen technischen Veränderungen des Chronometers, und zwar
sowohl der Hemmungsteile wie der Zeigerumläufe bedingen übrigens einen von
ginheitlichem Gesichtspunkt geleiteten vollständig neuen Aufbau des Werkinneren.
1. Das Nautische Jahrbuch.
Mit der Entwicklung des Gradchronometers untrennbar verknüpft ist die
Frage der Einrichtung des Nautischen Jahrbuches und besonders auch
die des Überganges von der alten zur neuen Form der Jahrbücher und Chrono-
meter. Vereinheitlichung des Maßes in Länge und Breite bedingt Angabe aller
Argument- und Funktionswerte in Gradmaß, d, h, Eingänge, Gerade-Aufsteigung,
Zeitgleichung und mittlere Sonne müssen in Zukunft in Gradmaß erscheinen. —
Wenn man Änderungen am Nautischen Jahrbuch vornehmen will, so müssen
diese auf durchgreifende und auf lange Sicht berechnete Änderungen beschränkt
bleiben, die wegen der Manuskript-Herstellung und Drucklegung einige Jahre
im Voraus festgelegt sein müssen. Es ist daher notwendig, zunächst eine systema-
tische Untersuchung über die günstigste Form des Jahrbuches anzustellen,
Vor allem ist hierbei zu berücksichtigen, daß die große Masse der in der
Schiffahrt benutzten Chronometer mit der Einführung einer neuen Jahrbuchform
sich der Kosten halber nicht durch Gradchronometer ersetzen und auch nicht
umbauen läßt, wie es zu Erprobungszwecken in einigen Fällen von der Seewarte
durchgeführt wurde. Es kann nur damit gerechnet werden, daß bei Neu-
beschaffungen Gradchronometer zur Anwendung kommen und es ist mit
Sicherheit vorauszusehen, daß selbst noch nach Jahrzehnten zahlreiche Chrono-
meter mit dem bisher üblichen Stundenblatt in Gebrauch sein werden. Deshalb
muß das vorzuschlagende und einzuführende neue Jahrbuch so beschaffen sein,
daß es auch in Verbindung mit einem Chronometer alten Modells brauchbar ist
und — wenn es sich Freunde erwerben soll — auch dann noch eine Erleichte-
rung im praktischen Gebrauch bringt.
Eine Erschwerung würde durch ein nur Gradmaß gebendes Jahrbuch auch
heute nicht eintreten, da die sonst bei Umwandlung des Längenunterschiedes in.
Zeitunterschied auftretende Rechenarbeit an die Spitze gestellt werden kann
und also statt dessen zuerst die abgelesene Chronometerzeit in Gradmaß umzu-
wandeln ist. Wünschenswert ist es, die Ephemeriden trotzdem mit doppeltem Ein-
gang (Stunden- und Gradeingang) zu versehen. Hiermit ist eine erste aus dem