Repsold, A.: Chrongmeter und Nautisches Jahrbuch. 9925
von Weems und Lindbergh hergestellte Uhren berichtet das Journal suisse
d’Horlogerie bereits im November 1932. Die Zifferblätter dieser mit gewöhn-
lichem Zeigerumlauf ausgestatteten Armbanduhren waren außer mit Stunden-,
Minuten- und Sekunden-Einteilung gleichzeitig mit Grad- und Bogenminuten-Ein-
teilung versehen. An die Seewarte herangetreten ist die Forderung nach Grad-
zifferblättern erstmalig im Januar 1935, als astronomische Ephemeriden und
Höhen-Azimuttafeln für die Luftfahrt herzustellen waren, die zur Vereinfachung
und Vereinheitlichung der Rechnung sich ausschließlich des Gradmaßes bedienen
sollten. Durch zahlreiche ausländische, vorwiegend amerikanische nautische
Tafeln ist diese Art der Tabellierung und Rechnung, die den Gebrauch von Grad-
uhren voraussetzt, bereits allgemein bekanntgeworden,
Bei Aufstellung der Entwürfe für die Graduhren ping der Verfasser davon
aus, daß zur Sicherstellung einer leichten Ablesbarkeit grundsätzlich an der alt-
hergebrachten Teilung des Zifferblattes in 60 Teile festzuhalten sei. Das bedingt
eine Zählung der Umläufe des großen Gradzeigers durch einen kleinen Zeiger,
dem entweder ein Umlauf von 180° (12b) oder 360° (24h) gegeben werden kann.
Der Bogenminutenzeiger wurde zentrisch (Abb. 1, 2, 3, versuchsweise auch exzen-
trisch, Abb. 4) angeordnet. So entstanden die in der Tafel gegebenen Modelle
der Chronometer und B-Uhren, deren praktische Erprobung Verfasser April und
Mai 1936 auf einer Westindien-Reise durchführen konnte, Das Modell Abb. 1
bewährt sich besser als das Abb. 3, da der langsam fortschreitende Bogenminuten-
zeiger auf dem großen Blatt leichter und genauer ablesbar ist als auf dem kleinen
and da Übereinstimmung mit den B-Uhren besteht. Auf dem großen Blatt lassen
sich im Bedarfsfalle auch leicht Viertel- oder sogar auch Zehntel-Sekunden
schätzen, auf dem kleinen exzentrischen dagegen nicht. Alle Chronometer für
die Seefahrt sind ferner mit dem normalen Sekundenzeiger ausgestattet, um mit
dessen Hilfe den Zeitzeichenvergleich zu ermöglichen, bzw. zu erleichtern. Da
aber an Bord eine Uhr mit genauer Stundenanzeige nicht zu entbehren ist, und
da beim 180°-Chronometer sowohl der Stunden- wie der Sekundenzeiger bereits
vorhanden waren, zielten die weiteren Be-
strebungen darauf ab, eine gleichzeitige
vollständige Anzeige für beide Zeitmaße
zu schaffen. Durch Anbringung eines Zeit-
minuten-Zeigers entstand aus der Anord-
nung Abb. 4 das erste Modell dieser Art
(Abb. 5, 8. a. Seewart 5. 1936, Abb. S. 379,
der dieses Modell zugrunde gelegen hat).
Das nicht sehr übersichtliche Blatt gab
Veranlassung nach einer anderen besseren
Lösung zu suchen, die zunächst versuchs-
weise und behelfsmäßig (Abb. 6) hergestellt
wurde und jetzt praktisch erprobt wird.
Grad- und Stunden-Ablesung sind hier völlig
getrennt: die erstere erfolgt durch blau
angelassene Zeiger aus der Mitte, die letz-
tere durch vergoldete Zeiger auf zwei
exzentrisch stehenden Blättern, Das obere
Blatt, das dem einer gewöhnlichen Uhr ent-
spricht, verdrängt die Auf- und Abwerk-
Anzeige, die sich in Zukunft mit einem
etwas bescheideneren Platz begnügen muß.
Übrigens gibt jede gute Schiffsuhren-Anlage
genügend genaue Bordzeit für alle nau-
tischen Zwecke an, besonders wenn sie täg-
lich nach dem Chronometer berichtigt wird,
Die praktisch brauchbaren Modelle der Graduhren sind hiermit eindeutig
festgelegt: Entweder nur drei Zeiger aus der Mitte, wie bei den B-Uhren
(Abb. 2 und 3) oder außerdem auf dem unteren exzentrischen Blatt der