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Full text: 65, 1937

224 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1937. 
lichst konstant zu halten; bei Fortfall dieser Teile war ein größerer Isochronismus- 
fehler nicht ausgeschlossen. Diese Befürchtung erwies sich jedoch als unbegründet, 
indem sich bei dem untersuchten Chronometer Lange Nr. 692 die Stände inner- 
halb der ersten 30 Stunden nicht mehr als !/, Zehntel der Sekunde vom mittleren 
Gange entfernten. Der Ankergang verhält sich hier offenbar günstiger als der 
Chronometergang. Ein Gleiches gilt für die Neigungsprüfung, deren Ergebnis 
der beim Chronometergang nicht nachsteht, 
Wenn man auch annehmen muß, daß auf die Feinstellung dieser beiden ersten 
Ankerchronometer besondere Sorgfalt verwendet wurde, so beweisen die vor- 
trefflichen Prüfergebnisse doch, daß der beschrittene Weg der richtige war und 
daß die neue Konstruktion in betreff der Gangleistungen der bisherigen mindestens 
gleichwertig ist. Als entscheidend für den Erfolg muß man besonders ansehen, 
daß Unruhe und Spirale unverändert in ihren Abmessungen geblieben sind, 
Kleinere Ausführung der Hemmungsteile geben erfahrungsgemäß viel geringere 
Gangergebnisse, 
Bezüglich der Unempfindlichkeit gegen Erschütterungen, Vibrationen usw, 
ist das Ankerchronometer den bisherigen sogar weit überlegen, wie Versuche 
ergeben haben. Trotz stärkster Beeinflussung werden die Gänge des neuen 
Chronometers nicht gestört, während alte Chronometer schnell zum Stehen kommen, 
Zur Frage der Notwendigkeit des Cardanringes sind Versuche gemacht 
worden, um den Einfluß periodischer Neigungen auf den Gang des Chronometers 
festzustellen. Für die künstlich erzeugten Neigungen verschiedener Perioden sind 
Beträge gewählt worden, die die auf See im allgemeinen vorkommenden weit 
übertreffen. Das gewonnene Zahlenmaterial beweist, daß erhebliche Gangbeein- 
flussungen nicht zu erwarten sind. Bei allen größeren Schiffen würde daher 
statt des Cardanringes stets die durch XII und VI gehende Achse genügen, die 
möglichst in die Längsschiffrichtung zu stellen ist. Das Chronometer ist dann 
frei von den Rollschwingungen, und es können nur die viel weniger zu fürchtenden 
Stampfbewegungen und die auf keinen Fall vom Chronometer fernzuhaltenden 
Tauchschwingungen des Schiffes seinen Gang zusätzlich beeinflussen. Zusammen 
mit unregelmäßigen Stößen und Vibrationen üben diese Einflüsse auf die Chrono- 
meter aus, die zu den zuweilen beobachteten geringen Gangveränderungen nach 
dem Anbordgeben führen. Chronometer für den Gebrauch auf dem festen Land 
sollten stets mit nur einer Kippachse ausgerüstet sein (s. a. Abb. 1). 
In anderer Richtung bewegen sich Versuche mit dem Ziel, das Chronometer 
unempfindlich gegen magnetische Felder zu machen. Mit diesen ist heute in 
steigendem Maße — vorwiegend allerdings an Bord der Kriegsschiffe — zu 
rechnen. Es ist nicht aussichtslos, magnetisierbare Teile, wie Unruhe, Spirale, 
Zugfeder, Wellen, Triebe, Schrauben, aus unmagnetischen Werkstoffen herzustellen. 
Bei Taschenuhren hat man längst begonnen, diesen Weg zu gehen. Als Spiralen- 
material wird das vom Deutschschweizer Reinhold Straumann erfundene und 
von der Vacuumschmelze Heräus-Hanau hergestellte, sowohl gegen Magnetismus 
wie gegen Feuchtigkeit unempfindliche „Nivarox“ heute bereits in zahllosen Uhren 
verwandt. Auch die für Chronometer geeigneten Sorten liegen vor und werden 
erprobt, Ähnliche Werkstoffe kommen für Unruhen, Zugfedern, Wellen und Triebe 
in Frage. Stählerne Schrauben lassen sich durch solche aus Messing ersetzen. 
Die wichtigsten konstruktiven Fragen sind heute bereits gelöst oder nähern 
sich doch mehr und mehr der endgültigen Lösung, Es ist zu hoffen, daß diese 
Neuerungen in der Handelsschiffahrt die notwendige Beachtung finden werden, 
um so mehr, als sie nicht nur auf eine Verbesserung des Chronometers, sondern 
auch auf eine Vereinfachung und damit Verbilligung abzielen. Wie sich ergeben 
hat, sind normale Anker-Chronometer etwa 200 RM billiger als Chronometer alten 
Modells. Herstellerfirmen sind: A. Lange & Söhne, Glashütte, und die Chrono- 
meterwerke GmbH. Hamburg. 
Nicht berührt ist bisher die heute wichtige Frage der Veränderung und 
Ausgestaltung des Zifferblattes zum Zwecke des Überganges von der 
Stunden- zur Gradablesung. Über solche für die Luftfahrt auf Anrezung
	        
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