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Full text: 65, 1937

Repsold, A.: Chronometer und Nautisches Jahrbuch, 
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zeichen in Zukunft mit der Taschenuhr begnügen könne. Aber die Schiffs- 
sicherheit verlangt einen zuverlässigeren Zeitmesser an Bord, als die Taschenuhr 
e8 ist; auch mit der zeitweiligen Unmöglichkeit der Aufnahme von Zeitzeichen 
muß gerechnet werden. Im Einvernehmen mit der Seeberufs-Genossenschaft hat 
daher die Seewarte vor einigen Jahren die an das Chronometer zu stellenden 
Anforderungen so festgelegt: Der vorausberechnete Stand des Chronometers soll 
bei Ausfall von Zeitzeichenaufnahmen noch nach 10 Tagen keinen größeren 
Fehler als +2 Sek, zeigen, was keine Taschen- oder Beobachtungsuhr leistet, 
Dieser Auffassung von der Unentbehrlichkeit des Seechronometers haben sich 
Kriegs- und Handelsmarine heute wieder angeschlossen. Auch die Überzeugung, 
daß auf großer Fahrt mindestens 2 Chronometer an Bord sein sollten, um ein 
Instrument zum Vergleich und gegebenenfalls Ersatz zu haben, beginnt sich 
wieder durchzusetzen. 
Äußere Gestalt und Aufbau des Werkinneren bedürfen jedoch — mit Rück- 
sicht auf veränderte Bedingungen und neue Forderungen — heute einer Über- 
prüfung. In der Zeit wirtschaftlichen Tiefstandes gingen diese Gedanken von 
dem Bestreben aus, das Chronometer unter gleichzeitiger Berücksichtigung neu- 
zeitlicher konstruktiver Erkenntnisse zu vereinfachen und zu verbilligen. Schon 
seit mehreren Jahren lag ‚die aus den Taschenuhr-Prüfungen der Seewarte 
gewonnene Erfahrung vor, daß der bereits 1765 von dem Engländer Thomas 
Mudge erfundene und in unzähligen Uhren altbewährte Ankergang sich in aller- 
feinsten Taschenuhren eindeutig dem Chronometergang überlegen erweist, Es 
lag daher nahe, den Versuch zu machen, das, was für Taschenuhren galt, auch 
für Seeuhren von der Größe des Boxchronometers zu verwirklichen. Gleichzeitig 
war der Vorteil einer größeren Sicherheit der Hemmungsteile und weitgehender 
Unempfindlichkeit gegen unvorsichtige Behandlung, besonders beim Transport, 
nicht von der Hand zu weisen, Eine Verbilligung war durch Fortfall von 
Schnecke und Kette bei gleichzeitigem Übergang von der zweitägigen (56stündigen) 
auf die eintägige (36stündige) Laufzeit zu erhoffen, ferner durch Aufgabe des 
Auf- und Abwerkes, Eine durch Prof. Steppes-Hamburg im Frühling 1933 ver- 
anstaltete Umfrage bei den nautischen Vereinen über die Einrichtung des Chrono- 
meters (sie betraf besonders die Gangzeit und das Auf- und Abwerk) brachte 
interessante und vorherrschend zustimmende Ergebnisse, Diese Überlegungen 
yaben noch im gleichen Jahre Veranlassung zu einem Auftrag auf ein neues 
Chronometer-Modell mit den folgenden konstruktiven Forderungen: Ankergang 
bei gleicher Größe und Ausführung von Unruhe und Spirale wie bisher, statt 
der 56stündigen Laufzeit eine nur 36stündige unter Fortfall von Schnecke und 
Kette, und außerdem eine Zeigerstellmöglichkeit von der Seite, so daß der Glas- 
deckel zum Stellen der Uhr nicht abgeschraubt zu werden braucht, Es sollte 
jedoch versucht werden, für das Auf- und Abwerk eine passende einfache Lösung 
zu finden. Weiterhin wurde bei diesem Versuchsmodell noch Fortfall des Cardan- 
ringes angeordnet und zum Zwecke des Aufziehens Kippung um nur eine Achse 
(durch XII und VI gehend) vorgesehen, Das im Sommer 1934 fertiggestellte 
Instrument (A. Lange & Söhne Nr. 692) wurde erstmalig im Herbst geprüft und 
dann dem 58, Wettbewerb für Seechronometer (1934/1935) eingereiht. Dieses 
neue Chronometer-Modell schlug alle Wettbewerbs-Chronometer und stand in 
seinen Gangleistungen an der Spitze. Besonders die Gangschwankung, das empfind- 
lichste Kriterium für die Güte einer Uhr, war so klein (0.04*®), wie sie bisher 
noch nie oder doch nur ausnahmsweise und vielleicht zufällig beobachtet wurde. 
Zum 69, Wettbewerb lieferte die Firma A. Lange & Söhne wieder ein Anker- 
ehronometer ein (Nr. 691, zugleich mit Nr. 692 hergestellt, später an die Firma 
F. N, Tietz, Kiel, verkauft, die dem Instrument die Bezeichnung F. N, Tietz Nr. 2029 
gab). Auch dieses Schwesterinstrument ergab den kleinsten Betrag aller Gang- 
schwankungen des 59, Wettbewerbes (0.04%). Temperaturfehler und langfristige 
Gangänderung sind dagegen unabhängig von der Neukonstruktion, da die Ab- 
messungen von Unruhe und Spirale und des übrigen Werkes sich nicht verändert 
haben, Dagegen verdient die Isochronismuskurve besondere Beachtung. Schnecke 
und Kette haben die Bedeutung, die auf die Hemmung auszuübende Kraft mög-
	        
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