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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

Wegener, K.: Seegang und Dünung, 
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yungsrichtung der Welle (oder in der Längsrichtung der Kämme) segelt; auch bei 
vollständiger Windstille sich durch die relative Bewegung der Meeresoberfläche 
gegenüber der Luft noch fortbewegen kann (siehe Skizze 1), In der Regenzeit 
Samoas bin ich gelegentlich mit meinem kleinen Segelfahrzeug in dieser Weise 
yesegelt. Kommt z. B. die Dünung aus Osten, so wird man im Wellenkamm kräftig 
nach Westen geführt, d.h. man spürt einen Westwind, der bei der normalen 
Dünung etwa Windstärke 1 bis 2 (2 bis 4 m/sec) ausmacht. Sinkt man dann ins 
Wellental hinab, so wird man mit der gleichen Geschwindigkeit nach Osten 
geführt, spürt also einen scheinbaren Ostwind von der gleichen Stärke, Das 
Hin- und Herschlagen des Baumes ist hierbei allerdings recht unangenehm. Das 
Vorsegel macht man hierbei am besten mittschiffs fest. Dampfer pflegen bei 
dieser Fahrtrichtung besonders schön zu rollen. 
3. Die Wirkung der Erddrehung. Die Windrichtung auf See wechselt mit der 
Zeit, Dh. also dıe Wellensysteme, die sich gebildet haben, werden überlagert 
yon anderen Wellensystemen, die irgend einen Winkel mit dem früheren bilden. 
Dies hat zur Folge, daß wir keine langen, gleichmäßigen Wellenkämme auf Seo 
beobachten können, sondern daß längs eines Wellenkammes ebenfalls wieder 
infolge der Überlagerung der verschiedenen Systeme Erhebungen und Senkungen 
auftreten. Bei sehr starken Winden und starken Winddrehungen, wie sie den 
Taifunen charakteristisch sind, türmen sich die Wellenberge schließlich so un- 
regelmäßig auf, daß überhaupt kein Wellensystem mehr zu erkennen ist. Der 
Taifun wird deshalb von Seefahrt und Seeflug gemieden. Ja, man kann allgemein 
sagen, daß überhaupt der Seegang erst dann N-Dol 
anfängt der Schiffahrt und Luftfahrt hinder- 
lich zu werden, wenn Systeme von Wellen 
auftreten, die sich kreuzen, was auch außer- 
halb der Taifungegenden stets der Fall sein 
wird, sobald kräftige Winddrehung eintritt, 
wie wir dies ja auch bei unseren gewöhnlichen 
Depressionen oder Tiefdruckgebieten erleben, 
Aber ganz unabhängig von dieser zeit- 
lichen Winddrehung, die neue Wellensysteme 
auf die alten draufsetzt, tritt eine Verwer- 
fung der Wellenkämme auch schon durch 
die Erddrehung ein (siehe Skizze 2), Auch 
wenn das Windsystem über der Meeresober- 
Häche unverändert bleibt, wird sich die 
Richtung der erzeugten Wellen mit der 
Erddrehung ebenfalls drehen, Dagegen wird A 
die Schwingungsrichtung der Wellenteilchen K—m FiChFUnG 
nach dem Trägheitsgesetz die alte Richtung Ma 
beibehalten, Die langen Wellenfronten, die 9r:.,02 Das Wellen- und Windsystem wird 
zu irgendeinem Zeitpunkt erzeugt waren, j5ei der Drehung der Erde mitgedreht, Die 
müssen also auch ohne Windänderung ein- arsprüngliche Schwingungsebene aber wird 
fach durch die Erddrehung zerstört werden, a a see AorCamltecher 
Lange Wellenfronten, auch in der im all- {as nach etwa einer Stunde von 2 hüch B 
gemeinen ruhigen Dünung, können wir in- gelangt ist, schwingt also in der alten Ebene 
folgedessen nur da beobachten, wo die senkrecht zur Zeichnung) weiter und 
Wellen künstlich von außen her geführt 3chwingt außerdem in der dem Westwind 
werden oder wo sie nicht abgelenkt werden, Sntsprechenden neuen Ebene. 
Dies ist z. B. der Fall in der Biscaya, wo die aus West bis Nordwest anrollenden 
Wellen an der französischen und spanischen Küste geführt werden und als 
mächtige und überraschend regelmäßige Dünung ihren Weg fortsetzen, ohne 
durch die Erddrehung oder kleinere Änderungen der Windrichtung beeinflußt 
zu werden. 
4. Das Gesetz der Brecher, Diese Verlagerung des Wellensystems, die durch 
die Erddrehung allein bereits stets herbeigeführt wird und gewöhnlich noch 
verstärkt wird durch Drehung der Windrichtung, hat für das Überkämmen der 
Agsiwind 
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