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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1937. 
Diese Verzerrung der Wellenform erhalten wir dementsprechend auch in 
allen den Fällen, in denen zwar keine Zunahme der Windgeschwindigkeit, aber 
im Wasser eine dem Wind entgegengesetzte Strömung herrscht, Am deutlichsten 
beobachten wir dies bei der Brandung, wo das auf das flache Ufer hinauf- 
geschleuderte Wasser zurückläuft und hierdurch den Fuß der ankommenden 
Welle bremst. Hierdurch wird die Vorderseite der Welle steil und immer steiler, 
der Kamm setzt seinen Weg fort und stürzt Schließlich, weil sich kein Wasser 
mehr unter ihm befindet, zusammen, 
Zu gleicher Zeit tritt hierbei allerdings eine weitere Erscheinung ein, nämlich 
lie Wellenlänge wird durch diesen Prozeß verkürzt. Die Wellen folgen bei der 
Brandung in kürzeren Abständen aufeinander als auf offener See: Sie sind über- 
getreten in ein Medium, das sich entgegen ihrer Richtung bewegt und in dem 
sich ihre Geschwindigkeit und ihre Wellenlänge verringert. Es ist notwendig, 
sich hierbei die Relativität der Bewegung zu vergegenwärtigen. Wenn man bei 
kräftigem Südost-Wind die Elbmündung abwärts segelt, während der Strom 
hinausgeht, so erhält man dort ein System von Wellen, das nur bedingt ist durch 
die relative Bewegung der Luft gegenüber dem Wasser (die in diesem Fall 
gegenüber stillstehendem Wasser vermindert ist), Laufen jetzt die Wellen in 
das ruhende Salzwasser hinaus, über das sich das Süßwasser der Elbe hinüber- 
schiebt, so werden die Wellen kürzer. Bekannter und übel berüchtigt ist der 
Vorgang in entgegengesetzter Richtung. Wenn bei kräftigem Westnordwest der 
Seegang in die Elbmündung hineinsetzt, und das Süßwasser der Elbe noch im 
Ablaufen begriffen ist (Ebbe-Strom), dann werden die Wellen, die in dieses 
Wasser hineinlaufen, in der Tiefe zurückgehalten, die Vorderseite wird äußerst 
steil und die Wellen nehmen dieselbe Form an wie die Brecher in der Brandung. 
Kleinere Segelfahrzeuge sind in diesem Fall gezwungen, vor der Elbmündung zu 
bleiben, bis der Gezeitenstrom umsetzt, also das Elbwasser stromauf fließt, 
Bei stürmischem Westnordwest und auslaufendem Strom kann gelegentlich die 
Elbmündung auch für größere Fahrzeuge gefährlich werden. Ein Zu-Wasser- 
Gehen von Flugzeugen bei verzerrter Wellenform ist im allgemeinen nicht möglich. 
Durch das Mitreißen der obersten Wasserschicht entsteht infolge der Reibung 
dieser Wasserschicht an den tieferen Schichten eine Drift oder Strömung, deren 
Stärke ich in dieser Zeitschrift, November 1923, angegeben habe: 
Windstärke (Beaufort). . . 4 6 8 10 
Drift (Seemeilen/Etmal) .. 8 12 16 20 
2, Die Dünung. Wenn der Wind abnimmt, ist zunächst kein Anlaß mehr 
vorhanden, daß auf offener See Brecher auftreten, Diese verschwinden allmählich 
und es verschwinden auch der Reihe nach die Wellen kleiner Wellenlänge, die 
bisher immer noch über die großen Wellen überlagert waren, Auf offener See 
entstehen jetzt sehr regelmäßige Schwingungen, die auch für ein Wasserflugzeug 
kein großes Hindernis sind, wenn man in der Richtung der Wellenkämme ab- 
oder anwassert. Wenn wir eine kleine Welle, etwa ein Katzenpfötchen, noch 
bequem mit der Hand aufhalten können, so ist es klar, daß wir dies bei einer 
langen Welle, selbst wenn ihre Höhe nicht größer ist als die eines Katzenpfötchens, 
nicht mehr können, Die Bewegungsenergie langer Wellen ist sehr viel größer 
als die kurzer wegen der viel größeren Wassermasse, die sich in nahezu gleich- 
scheinkerer Taäßiger Bewegung mit der Nach- 
(\:-"Wng barschaft befindet. Dies ist der 
scheinbarer lt Grund, weshalb lange Wellen 
FE Ss En ) EM außerordentlich viel länger an- 
m dauern, Die Dünung kann uns 
a 1. Segeln pe Wan quer er. Din ht also ebenso gut von einem längst 
in der AICHiW T Dew N; es ellenkammes, An 
so spürt das Schiff In Wellental den Wind am stärksten, VErgängsnön Sturm Nachricht 
im Wellenkamm am schwächsten. zeben als von einem fernen 
Sturm, von dem nur noch die 
langen Wellen zu uns gelangen infolge ihrer größeren Energie, Die Bewegung im 
Wellenkamm und im Wellental ist hierbei entgegengesetzt und auch bei mäßiger 
Dünung so kräftig, daß man mit leichten Fahrzeugen, wenn man quer zur Schwin-
	        
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