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Full text: 65, 1937

Wirtz, C.: Sonnenfinsternis und Optik der Atmosphäre. 
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Sonnenfinsternis und Optik der Atmosphäre. 
Die Finsternis von 1936 Juni 19, 
Von C, Wirtz, Kiel. 
Inhaltsübersicht. 1. Sonnenfinsternis als natürliches meteorologisches Experiment. — 2, Strah- 
Jungsbeobachtungen, Ergebnis außerhalb der Finsternis; Gesamt- und Filterstrahlung. — 3. Strahlung 
in engeren Spektralbezirken und Rayleighscher Exponent der Streuung nach Wellenlänge. — 4, Strah- 
lung während der Finsternis; beobachtete Strahlungsverfinsterung und geometrische Verfinsterung. — 
5. Die Trübungsfaktoren innerhalb und außerhalb der Finsternis. Zur Finsternis 1933 August 21. — 
Zusammenfassung. 
il. Für die Physik der Atmosphäre bedeutet eine Sonnenfinsternis ein 
natürliches Experiment, bei dem Sonnenstrahlung in genau berechenbarem 
Betrage dem Wärmehaushalt der Atmosphäre entzogen wird. Es hat daher Sinn, 
wenn man den dargebotenen Versuch ausnutzt und die während einer Sonnen- 
finsternis eintretenden Veränderungen beobachtet. Nicht nur in der Lufttempe- 
ratur, sondern vor allem in den Strahlungsbeträgen. Das ist zwar zunächst ein 
astrophysikalisches Problem; denn auf die Weise gelangt man am sichersten zur 
Kenntnis der noch nicht zweifelsfreien Randverdunkelung der Sonnenscheibe. In 
dem Falle sollen die Messungen allerdings den höchsten Grad der Genauigkeit 
erreichen. Blickt man hingegen auf einen Beitrag zur Physik der Atmosphäre, 
so bringen auch die für Meteorologie und Klimatologie entwickelten Strahlungs- 
apparate verschiedener Prinzipien und Konstruktionen ans Ziel. Natürlich, das 
Ergebnis trägt weiter mit wachsender maximaler Phase der Finsternis, und am 
wirkungsvollsten ist zweifellos Totalität oder schmale Ringförmigkeit. 
2. Doch kann auch eine partielle Verfinsterung. der Sonne einen nicht wert- 
losen Beitrag zur Geophysik bilden, So wurde denn nachgesehen, ob und was 
für eine Wirkung die für Kiel partielle Sonnenfinsternis von 1936 Juni 19 im 
der Atmosphäre nach sich zog. Die Strahlungsbeobachtungen erfolgten mit 
derselben Apparatur, die schon früher viel benutzt und in d. Ztschr. 63, 66 (1935) 
beschrieben ist. Der Standpunkt war auf der höchsten Stelle der Sternwarte 
gewählt in 62 m Seehöhe; die scharf abgeschnittene horizontale Dunstschicht des 
schönen Sommermorgens reichte nicht so hoch hinauf. Während der ganzen 
Finsternisdauer und noch zwei Stunden darüber blieb der Himmel für den An- 
blick des Auges ständig rein und wolkenlos, und es war windstill oder schwach- 
windig aus nördlichen bis nordöstlichen Richtungen, Stärke 0 bis 1. Die größte 
Verfinsterung machte die Hälfte der Sonnenfläche aus. Die ZDC© lief von 
87° bis 62°. 
Zur Orientierung über den allgemeinen atmosphärischen Zustand des Tages 
bearbeitete man fürs erste die Beobachtungen außerhalb der Finsternis 
und unterzog sie der Ausgleichung nach der Bouguerschen Extinktionstheorie, 
Die zahlreichen Einzelbeobachtungen wurden zu Normalpunkten vereinigt; nur 
ein Punkt liegt vor Beginn der früh einsetzenden (4* 27m M.E.Z.) Finsternis. Von 
den Beobachtungen nach Ende (6b 6m) wurde der letzte Normalort, zeitlich ge- 
trennt von der Reihe der übrigen, fortgelassen. Denn da war der Himmel nicht 
mehr ganz so rein wie vorhin, und um die Sonne zeigte sich der wenn auch 
nicht sehr intensive silberne Schein. Das wirkt sich dann in der Weise aus, daß 
eine zu hohe Strahlung erscheint, wie es in den ersten Stadien einer Himmels- 
trübung stets einzutreten pflegt, Vgl. die Bemerkung 1. e, S. 71. Die andern 
Strahlungsmessungen folgen aufs engste der Extinktionstheorie, und auch die 
Mitnahme der isolierten späten Gruppe ändert an den Extinktionskonstanten 
nicht mehr, als die Spannung der zufälligen Fehler zuläßt. Bei dem nahen An- 
schluß aller dieser Messungen an die einfache Extinktionstheorie kann und 
braucht man nach einer Strahlung des Umfeldes der Sonne nicht zu suchen. Die 
Strahlungen sind nicht auf mittleren Sonnenabstand reduziert; sie gelten für den 
Abstand R der Beobachtung: log R = 0.00701, R = 1.01628. 
Die Gesamtstrahlung führt auf folgendes Ergebnis. 
Die kleinen mittl. Fehler verraten die gute Übereinstimmung des Strahlungs- 
pyanges dieses Tages mit der theoretischen Formel.
	        
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